Habbu Babbu 2.0 : Kaugummi als Umweltproblem. Wie schädlich ist das?
Stand:
Auf Gehwegen kleben unzählige Kaugummis. Sie kosten Städte viel Geld und verschmutzen Böden und Grundwasser. Ein Fotoprojekt zeigt, was sonst kaum jemand bemerkt. Kaugummi als Umweltproblem: Wie schädlich ist das? Der Frage widmet sich eine Ausstellung im Düsseldorfer mit Fotografien von Wilfred Neuse bis zum 10.07.2026.
In vielen Innenstädten reicht ein Blick nach unten: Dunkle Flecken übersäen Gehwege und Plätze. Bis zu 80 ausgespuckte Kaugummis pro Quadratmeter Straße sollen es in deutschen Großstädten sein. Die Entfernung kostet die Kommunen - und damit Steuerzahlerinnen und Steuerzahler - Schätzungen zufolge rund 900 Millionen Euro im Jahr. Kaugummi ist damit längst nicht nur ein Ärgernis, sondern ein handfestes Umweltproblem.
Fotokünstler ist "Kaugummi-Experte"
Der Düsseldorfer Fotokünstler Wilfred Neuse beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren mit diesen klebrigen Spuren. des Alltags. In seinem Projekt und der aktuellen Ausstellung "Habbu Babbu 2.0" macht er sichtbar, was sonst meist übersehen wird und öffnet damit auch den Blick für die ökologischen Folgen unseres Konsumverhaltens.
Neuse ist ständig mit der Kamera unterwegs. "Egal, wo ich bin, überall geht mein Blick auf den Boden und sucht nach Kaugummiflecken. Und ich hab auch immer meine Kamera dabei und dann wird fotografiert", sagt er. Was für die meisten nur Schmutz ist, wird in seinen Bildern zum Muster und zum Anlass, über den eigenen Umgang mit dem klebrigen Müll nachzudenken.
In Düsseldorf und München, aber auch in Polen, Italien, Frankreich, Spanien, Griechenland oder Israel hat Neuse Kaugummiflecken dokumentiert. Immer sind es dieselben kleinen, klebrigen Tupfer, die auf dem grauen Asphalt zurückbleiben, egal in welchem Land.
Kaugummi-Müll: teuer für Städte, hartnäckig für den Boden
Wer schon einmal barfuß auf einen alten Kaugummi getreten ist, weiß, wie stark er haftet. Auf Asphalt und Pflastersteinen ist er noch schwerer zu entfernen. Kommunen brauchen dafür teure Spezialgeräte, Hochdruckreiniger und viel Personal.
Hinzu kommt: Je länger ausgespuckte Kaugummis auf Wegen und Plätzen liegen, desto tiefer werden sie in Ritzen und Poren gedrückt. Regen, Schuhe und Fahrradreifen sorgen dafür, dass sie sich mit dem Untergrund verbinden. Aus einem kurzen Kaumoment wird ein Langzeitproblem.
Neuse beobachtet diese Entwicklung seit Jahren. "Aus dem optischen Ärgernis ist sozusagen eine ökologische Debatte geworden", sagt er. Was früher vor allem als "Schmuddel-Fleck" galt, wird heute auch als Umweltgefahr diskutiert.
Mikroplastik aus Kaugummi: Unsichtbare Gefahr für Umwelt und Wasser
Denn moderner Kaugummi besteht nicht nur aus Zucker oder Süßstoffen und Aromen. Die Kaugummibasis enthält meist pflanzliche oder synthetische Kunststoffpolymere, also Kunststoffe, die sich in der Umwelt nur sehr langsam zersetzen.
"Wir laufen darüber hinweg, treten den Kaugummi immer tiefer in den Asphalt, aber diese Mikroplastik ist ja ein unschönes Alltagsphänomen und ich möchte ästhetische Denkanstöße setzen." Wilfred Neuse
Kunstprojekt über Kaugummi und Konsum
In seiner Ausstellung "Habbu Babbu 2.0" nutzt Neuse seine teilweise bearbeiteten Fotos mit Kaugummiflecken als Einstieg. "Ich nutze die Ästhetik als trojanisches Pferd. Ich locke die Betrachter mit einem schönen Bild, um sie dann mit der Realität unseres Konsumverhaltens zu konfrontieren", sagt er.
Ein Foto zeigt etwa die Füße einer Frau in Sandalen, deren bunte, runde Punkte an den Schuhen den Kaugummiflecken auf den Steinen ähneln. Andere Bilder zeigen Tiere oder Menschen, die sich ihren Weg durch Kaugummi-Mosaike bahnen. So verbindet Neuse Alltagsbeobachtung, Gesellschaftskritik und Humor.
Für ihn ist Kunst immer auch Stellungnahme. "Für mich ist erstmal Kunst generell politisch", sagt der Fotokünstler. Seine Bilder sollen nicht nur gefallen, sondern zum Hinterfragen des eigenen Verhaltens anregen. Zur Eröffnung von "Habbu Babbu 2.0" hat sich Neuse etwas Besonderes einfallen lassen: signierte und nummerierte "Kunstkaugummis" in bunter Verpackung für die Gäste.
"Kunstkaugummi für die Eröffnungsgäste und ein Stück Kunst für die Tasche und ein täglicher Reminder, dass nachhaltiger Umgang mit unserer Stadt schon im Kleinen anfangen muss. Aber auf dem Kunstkaugummi steht: Kauen auf eigene Gefahr." Wilfred Neuse
Neuse will nämlich nicht den moralischen Zeigefinger heben, sondern mit Witz und Ironie ins Gespräch kommen. Wer die Ausstellung besucht, soll mit neuen Bildern im Kopf nach draußen gehen und vielleicht mit einem anderen Blick auf den Boden.
Was jede und jeder tun kann
Dass Kaugummis nicht auf Gehwege, sondern in den Mülleimer gehören, ist eigentlich bekannt. Trotzdem landen viele noch immer achtlos auf der Straße. Die Folgen tragen am Ende alle.: durch höhere Reinigungskosten und mehr Plastik in der Umwelt.
Wer Kaugummi kaut, kann schon mit einfachen Schritten etwas ändern: Kaugummis über Restmüll entsorgen, Alternativen ohne Plastikanteil wählen und im Zweifel lieber ganz auf das Kauen verzichten, wenn gerade keine Entsorgungsmöglichkeit in Sicht ist.
"Habbu Babbu 2.0" ist eine Ausstellung, die den Blick auf den Boden lenkt und damit nachdenklich macht. Und vielleicht sorgt sie dafür, dass der nächste Kaugummi tatsächlich im Abfalleimer landet. Das wäre ein Anfang.
Unsere Quellen:
- HABBU BABBU – Das Kaugummi-Projekt | n.e.u.s.e.
- HABBU BABBU 2.0 | Deutsche Gesellschaft für Photographie e.V.
- Habbu-Babbu 2.0 Ausstellung Wilfred H.G. Neuse | Libelle Magazin
Sendung: WDR 3 Mosaik, 12.06.2026, 7:17 Uhr