Letzter Tag für Manderbach im Viktoria Filmtheater Dahlbruch

WDR 03:17 Min. Verfügbar bis 30.04.2028

Nach 35 Jahren Betreiber verlässt kultiges Viktoria-Kino in Dahlbruch

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Nach 35 Jahren geht der Betreiber eines legendären Programmkinos im Siegerland in den Ruhestand. Was er hinterlässt: einen Ort voller Erinnerungen, Geschichten und gelebter Kinokultur. Aber: Es geht weiter. Nur anders.

Knarzende Kinosessel, riesige Filmplakate und der unverwechselbare Geruch von frischem Popcorn: Für viele ist das Viktoria-Kino in Hilchenbach-Dahlbruch weit mehr als nur ein Kino. Es ist ein Treffpunkt, ein Rückzugsort, ein Stück Zuhause.

Nun verabschiedet sich mit Jochen Manderbach der Mann, der dieses Programmkino über Jahrzehnte geprägt hat. Heute ist sein letzter Tag.

Erfolgreichstes Dorfkino der 90er

1991 übernahm Manderbach - zunächst gemeinsam mit einem Freund - das Viktoria von seinem Vorgänger Felix Fischer, der das Kino 1948 gegründet hatte. Unter Manderbachs Leitung entwickelte es sich zu einem vielfach ausgezeichneten Programmkino.

Jochen Manderbach in "seinem" Kino

Jochen Manderbach in "seinem" Kino

Jahr für Jahr überzeugte es mit einer außergewöhnlichen Mischung aus großen Blockbustern und anspruchsvollen Arthaus-Filmen. In den 1990er Jahren war es mit rund 90.000 Besuchern jährlich das erfolgreichste Dorfkino Deutschlands, heute kommen nur noch etwa 30.000 - in guten Jahren.

Kinobetreiber mit Leidenschaft

Manderbach war nie nur Kinobetreiber, sondern immer auch leidenschaftlicher Filmvermittler- und gucker. Er habe es immer sehr genossen, einen Film auch mal ganz alleine in "seinem" Kino zu schauen.

Von einem Stammgast bekam er zu seinem 25-jährigen Jubiläum das, wie er selbst sagt, "tollste Geschenk ever": ein Kino aus Pappe - aufklappbar und auf der Leinwand eine Szene aus seinem Lieblingsfilm "Streets of fire" von 1984.

"Es ist ein guter Zeitpunkt zu gehen. Die letzten Jahre waren anstrengender als alles andere vorher." Kinobetreiber Jochen Manderbach

Blues Brothers gehören zur Kino-Tradition

In diesen Tagen erlebt Jochen Manderbach vieles ein letztes Mal: Noch einmal zeigt er zum Abschied den Kultfilm "Blues Brothers", der im Viktoria längst zur Tradition gehört.

Dan Aykroyd und John Belushi in "Blues Brothers" (1980).

Längst Kult - überall, aber besonders in Dahlbruch: die "Blues Brothers"

Und noch einmal betritt er seinen wohl wichtigsten Arbeitsplatz - den alten Vorführraum: Relikte aus der analogen Filmzeit stehen neben moderner Technik, mit der die Filme heute digital und dennoch ganz bewusst von Hand gestartet werden.

"Seit Corona hat sich alles geändert. Seitdem ist Kino echt schwierig geworden, man muss um jeden Besucher kämpfen." Jochen Manderbach

35 Jahre lang hat Jochen Manderbach es geschafft, die Magie des Programmkinos am Leben halten - trotz aller Herausforderungen, die die Branche in dieser Zeit durchlaufen hat. Mit Leidenschaft, Herzblut und einem feinen Gespür.

Aber auch in Zukunft kann Jochen Manderbach noch im Viktoria-Kino Filme schauen - dann allerdings als Besucher, nicht als Betreiber. Das Kino hat einen Nachfolger gefunden.

Unsere Quellen:

  • Interview mit Kinobetreiber Jochen Manderbach
  • Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Südwestfalen, 29.04.2026, 19:30 Uhr

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