Mechthild Großmann verabschiedet sich vom Münster-Tatort | Aktuelle Stunde
02:53 Min.. Verfügbar bis 07.12.2027.
"Eigentlich ist sie eine Queen", sagt TV-Kollege Jan Josef Liefers über Mechthild Großmann, "sie hat ein bisschen was Royales." Etwas "sehr Majestätisches", pflichtet Axel Prahl bei.
Der Münster-Tatort "Die Erfindung des Rades" (2025)
Mehr als zwei Jahrzehnte lang war Großmann eine Institution im Münster-Tatort. Seit der ersten Folge im Jahr 2002 spielte sie die schrullige Staatsanwältin Wilhelmine Klemm mit der dunklen Stimme. Ihre beiden Hauptaufgaben: Rauchen und den untergebenen Kriminalhauptkommissar Frank Thiel rund machen.
Traum-Quote zum Abschied
Den letzten Tatort mit Staatsanwältin Klemm wollten sich dann auch viele Zuschauerinnen und Zuschauer am Sonntagabend nicht entgehen lassen. Etwa 11,6 Millionen Menschen verfolgten die Sendung ab 20:15 Uhr im Ersten.
Damit erreichte Großmanns Abschiedsfall einen Marktanteil von 42,6 Prozent - der höchste Wert in der Geschichte des Münster-Tatorts.
Als Tatort-Staatsanwältin zuständig für den trockenen Humor
Waren Prahl als Kommissar Thiel und Liefers als Rechtsmediziner Karl-Friedrich Boerne eher für den klamaukigen Part zuständig, setzte Großmann gern den trockenen Humor dagegen. Anfangs glaubte keiner im Team, dass der Tatort Münster zu einem solchen Erfolgsschlager werden sollte. Doch dann war es irgendwann normal, zweimal im Jahr in Münster oder Köln zusammenzukommen und zu drehen.
Manchmal sei es auch wirklich merkwürdig gewesen, erinnert sich Großmann:
"Wir hatten etwa 20 Tatorte gedreht, da stand in einem Drehbuch, dass sie ein Verhältnis mit dem Vadder anfängt, dem Taxifahrer. Und wenn Sie das so das erste Mal lesen, dann denken Sie: Und wie erkläre ich das dem Thiel?" Mechthild Großmann
Kollegen schätzen Großmanns großes Herz
Überhaupt ist es ihr großartiger Humor, den die Schauspielkollegen an ihr schätzen - und ihr großes Herz und die Warmherzigkeit, sagt Christine Urspruch, die im Münster-Tatort die Assistentin von Professor Boerne spielt.
Axel Prahl wird seine Kollegin vermissen
Mit Prahl hat Großmann die meisten Szenen in den vergangenen Jahren gedreht. Die beiden verbindet gar eine zarte Freundschaft. "Ja, wir haben uns immer sehr, sehr gut verstanden", sagte Prahl vor knapp zwei Wochen bei der Vorab-Premiere von Großmanns letztem Tatort "Die Erfindung des Rades" im Münsteraner Cineplex-Kino.
Freiwilliger Abschied vom Münster-Tatort
Doch nun der Abschied - nach fast 50 Tatort-Folgen. Explizit gewollt von der fast 77 Jahre alten Schauspielerin, die in Münster geboren wurde und in Hamburg lebt. Irgendwann müsse man mal loslassen, sie möchte nicht mehr jeden Tag arbeiten. "Dann muss man überlegen, was man weglässt," so Großmann.
Theater spielen, Hörspiele produzieren oder Lesungen gestalten will sie weiterhin. Auch im Theater Münster tritt sie Anfang des kommenden Jahres wieder in "Das Vermächtnis" auf.
Daneben liegt ihr eine Produktion zusammen mit dem Rundfunk Sinfonieorchester Berlin besonders am Herzen. Dort liest sie Puschkin. "Ich mag ja Sprache und der schreibt ziemlich gut, besser als die meisten TV-Autoren," sagt Großmann.
Kein großer Abschiedsschmerz bei Großmann
Mechthild Großmann und Jan Josef Liefers
Wehmut oder Abschiedsschmerz vom Münster-Tatort verspürt sie offenbar nicht. "Ist es jetzt schwer für dich?", sei sie dazu oft gefragt worden, auch von Freunden und Schauspielkollegen, sagt Großmann: "Ich sehe das nicht so. Aber sicher erinnere ich mich gerne daran, dass ich das lange gemacht habe."
Zwar gestand sie bei der Vorab-Premiere ihres letzten Tatorts, der im Frühjahr gedreht wurde, dass wohl ein Tränchen geweint werde. Aber großes Bedauern kommt bei ihr dann doch nicht auf. Und wie verlässt sie den Tatort?
"Was ja oft ist, wenn jemand aussteigt, dass er dann im Film stirbt. Da habe ich gesagt, können wir machen, aber ehrlich gesagt nicht so gerne, ist mir zu nah dran." Mechthild Großmann
Abschied mit viel Gefühl
Statt mit dem Tod auf der Leinwand verabschiedete sich die Staatsanwältin Klemm bei ihrem letzten Abschied in den Ruhestand in den Urlaub: Im Bulli auf Reisen mit ihrer alten, großen Liebe, der - wie könnte es im Münster-Tatort anders sein - zunächst ein Verdächtiger ist.
Ein Abschied mit Stil, viel Gefühl und aus profanen Gründen, da sie als Staatsanwältin schlicht und einfach "zu alt für den Scheiß" sei.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporterin bei der Vorab-Premiere in Münster
- Mechthild Großmann
- Jan Josef Liefers
- Axel Prahl
- Christine Urspruch
- WDR-Kommunikation
- dwdl.de
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Münsterland, 25.11.2025, 19.30 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 07.12.2025, 18.45 Uhr