26 Jahre Wissenschaftsshows: "Die Physikanten" aus Witten

WDR 03:17 Min. Verfügbar bis 06.05.2028 Von Frank Strohdiek

"Die Physikanten" aus Witten Shows mit Experimenten begeistern Publikum

Stand:

"Die Physikanten" aus Witten begeistern inzwischen seit 26 Jahren mit ihren spektakulären Wissenschaftsshows. Wissenschaftskünstler Marcus Weber nimmt uns mit hinter die Kulissen.

Wenn es darum geht, Wissenschaft unterhaltsam und verständlich zu präsentieren, gibt es eigentlich nur eine Adresse im Ruhrgebiet. "Die Physikanten" aus Witten sind seit 26 Jahren mit ihren Wissenschaftsshows unterwegs. Oft im Fernsehen bei Sendungen wie "Wer weiß denn sowas" aber auch in Schulen oder auf Stadtfesten. Und eins ist sicher, auch Menschen, die sich gar nicht für Physik interessieren, langweilen sich nicht, wenn der Ober-Physikant Marcus Weber seine Experimente zeigt.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Wissenschaftsshow zu machen?

Marcus Weber: Ich habe mein Studium als Jongleur und Kleinkünstler finanziert. Irgendwann habe ich mit meinen Auftritten mit Fackeln auf dem Hochrad so viel verdient, dass ich davon leben konnte. Und habe dann gedacht, dass diese Vorlesungsexperimente auch toll sind. Am Ende ist es aus meiner Sicht egal, ob ich fünf Bälle jongliere oder Wasserraketen über die Köpfe des Publikums fliegen lasse. Das ist von der Wirkung fast gleich. Und durch die Physik habe ich noch diesen Bildungseffekt und auch eine Nische.

Marcus Weber vor seinem Publikum während eines Auftritts

Marcus Weber vermittelt Physik unterhaltsam auf der Bühne

Wie viel Lärm und Knalleffekt ist für eine gute Wissenschaftsshow nötig?

Weber: Dazu ist schon einiges nötig. Aber dabei ist es ganz wichtig, vorher drüber nachzudenken, was alles schiefgehen kann. Es kommt häufiger vor, dass ich bewusst draußen neue Experimente teste. Wenn da was hochgeht, verpufft es einfach und nichts geht kaputt. Ich setze dann auch immer Gehörschutze auf, habe eine Maske vor dem Gesicht und trage einen Helm. Meistens ist es glücklicherweise völlig unnötig und wirkt dann etwas albern. Vor allem, wenn ein Experiment beim ersten Test nicht funktioniert. Dann macht es ein leises "Puff" und ich habe die ganze Schutzausrüstung an.

Wie viel Kind muss in einem Physikanten stecken, damit eine Show entsteht?

Weber: In mir steckt noch wahnsinnig viel Kind. Manchmal auch zu viel. Ich habe unglaublich viel Spaß dabei, mir die Experimente auszudenken und auszuprobieren. Das ist eine total starke Antriebsfeder für mich. Viele Ideen bekomme ich aus dem Internet oder aus Büchern oder ich sehe ein ganz klassisches Experiment und denke mir: "Das kann man besser machen!". Die Versuche dann richtig groß, mit guter Musik auf die Bühne zu bringen, macht total viel Spaß.

Marcus Weber sitzend auf einer Erfindung, die sich mithilfe von Physik fortbewegt

Marcus Webers Leidenschaft ist die Physik

Wie wichtig ist es Ihnen, dass die Menschen schlauer aus der Show herausgehen als sie hineingegangen sind?

Weber: Ich weiß gar nicht, ob sie schlauer aus der Show herausgehen. Aber sie gehen hoffentlich inspiriert heraus und haben ein Gefühl dafür, dass Wissenschaft eine coole Sache ist. Das ist mir das Wichtigste. Und wenn dann jemand schlauer herausgeht, ist das dann noch mal das I-Tüpfelchen. Wir erklären ja nicht wirklich tief die Physik. Das kann meine Show nicht leisten. Aber wir kriegen sie eigentlich alle -selbst das schwierigste Publikum, Menschen in der Pubertät. Auch die lassen sich am Ende oft zu einem "Das war voll korrekt!" hinreißen.

Marcus Weber an seinem Schreibtisch

Unter dem Motto "Physik ist, wenn´s knallt" arbeitet Marcus Weber an seinem Programm

Sie könnten als Diplomphysiker auch gut bezahlt und festangestellt in einem Unternehmen arbeiten. Was hat Sie dazu gebracht, als Freiberufler auf die Bühne zu gehen?

Weber: Ich habe tatsächlich auch mal überlegt, als Wissenschaftler festangestellt zu arbeiten. Ich glaube, dass ich auch daran Spaß hätte. Vor allem Forschung und Wissenschaft wären toll. Ehemalige Kommilitonen von mir machen das auch. So richtig Hightech, an der Grenze des Machbaren. Aber durch meine Show habe ich so viel Spaß, habe so viel Kontakt zu verschiedenen Menschen, die ich für Wissenschaft begeistern kann. Da bekomme ich so viel zurück, das kann ich woanders nicht kriegen.

Das Interview führte WDR-Reporter Frank Strohdiek.

Unsere Quellen:

  • WDR-Interview mit Marcus Weber, "Die Physikanten"

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Dortmund, 06.05.2026, 19:30 Uhr

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