Stararchitekt Gehry ist tot: Spuren in NRW
Aktuelle Stunde . 06.12.2025. 27:01 Min.. UT. Verfügbar bis 06.12.2027. WDR.
Frank Gehry ist tot: Stararchitekt hat auch in NRW Spuren hinterlassen
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Der amerikanische Stararchitekt Frank Gehry ist tot. Er starb im Alter von 96 Jahren im kalifornischen Santa Monica. Gehry entwarf neben dem berühmten Guggenheim Museum in Bilbao, auch Hingucker-Bauten in NRW - wie die geschwungenen Häuser am Düsseldorfer Medienhafen oder das markante Museum Marta in Herford.
Wer zum ersten Mal auf der Düsseldorfer Promenade des Medienhafens entlang schlendert, hält garantiert an diesem Gebäudekomplex inne: Dort am Rheinufer stehen nebeneinander drei Baukomplexe in ungewöhnlicher Form - wie aus dem Lot gekippt, mal mit runden Außenseiten, mal ineinander verkantet, mal merkwürdig aufgeblasen
Der Architekt hat sie so angeordnet, als müssten sie sich gegenseitig stützen, und auch ihre Fassaden sind sonderbar beschaffen. Bei einem Gebäude wurde die rundliche Front knallweiß verputzt, ein Bau trägt eine spiegelnde Edelstahlfassade, das dritte Gebäude wirkt mit Klinkeroptik in sich verkeilt.
Drei Hingucker am Düsseldorfer Medienhafen
Schöpfer dieser drei Hingucker am Hafen ist der amerikanische Architekt Frank Owen Gehry. Seine Arbeit steht für den Strukturwandel des Düsseldorfer Hafens. Ursprünglich stand hier eine alte Lagerhalle. Aus dem alten Zollhafen wurde ein Yachthafen, drumherum siedelten sich Büros an, außerdem Hotels, Kneipen und Restaurants. Nicht das erste Mal, dass Gehry mit seinen Bauten Teil einer echten Verwandlung wurde.
Berühmte Architektur von Frank Gehry - auch in Düsseldorf und Herford
Die Gebäude des Architekten Frank O. Gehry stehen auf der ganzen Welt und gehören auch in NRW zu den Foto-Hot-Spots.
Gehry sorgt für Bilbao-Effekt
Zuvor war der 1929 geborene Designer längst durch ein anderes Gebäude weltberühmt geworden: Das Guggenheim-Museum im nordspanischen Bilbao wurde mit seinen futuristischen Formen und seiner titanverkleideten Fassade zur Ikone und steht beispielhaft für Gehrys avantgardistischen Architekturstil.
Das Guggenheim Museum in Bilbao
Schnell sprach man vom Bilbao-Effekt. Denn: Das Museum hat in der Stadt viel verändert. Es steht auch sinnbildlich für die Metamorphose von einer abgewrackten Industriestadt zu einem Hot-Spot des internationalen Tourismus. Seit das Museum 1997 eröffnet wurde, strömen jährlich mehr als eine Million Besucher ins Museum, und die Touristen sorgen für jede Menge Umsatz. Der Museumsbau als Besuchermagnet. Viele wollen den Bau sehen, der keine geraden Wände, kein Dach und keine Fenster kennt. Ein Haus wie ein stählerner Riesenfisch, der mit einem Messer in Stücke gehauen und wieder zusammengesetzt wurde.
Auch andere Städte wünschten sich danach möglichst einen Bilbao-Effekt zu erleben - quasi ein Rezept, um in eine etwas unwirklich gewordene Gegend durch Architektur plötzlich wieder Menschen zu locken.
Experiment am eigenen Haus
Als Gehry mit dem Guggenheim-Museum der ganz große Wurf gelingt, ist er schon fast 70 Jahre alt und hat eigentlich nur zwei Gebäude vorzuweisen, die auch international wahrgenommen werden. Eines davon ist sein eigenes Haus in Santa Monica.
Ende der 70er Jahre baut er das alte Haus um, benutzt ungewöhnliche Materialien wie Plastikteile, Wellblech oder sogar Pappe. "Ich habe die Materialien genommen, die alle gehasst haben und dachte, ich gucke mal, was ich damit machen kann - wie weit man gehen kann", erzählt Gehry später in einem Interview. Mit diesem Bau ist er schnell der Schreck der Nachbarschaft. Heute ist das Haus ein Pilgerort für Architekturfans.
Ikonischer Bau in Herford: Museum Marta
Das Marta Herford Museum für zeitgenössische Kunst in Herford
Doch zurück nach NRW. Hier hat Gehry mit seiner Arbeit nicht nur in Düsseldorf Spuren hinterlassen. Strenge Ordnung und rechte Winkel sucht man auch vergebens an der Fassade eines eigenwilligen Baus im ostwestfälischen Herford. Dort entwarf der Architekt das Museum Marta. Und auch hier kippen und fließen die Wände. Für die Fassade wählte der US-Amerikaner dunkelrote Backsteine im Kontrast zu einem Edelstahldach.
Als das Museum für Kunst, Architektur und Design 2005 eröffnet, stößt es jedoch nicht nur auf Euphorie, sondern auch auf viel Widerstand: Denn das Bauvorhaben war einigen Kritikern mit rund 30 Millionen Euro schlicht zu teuer. Als Museumsbau findet sich das Marta heute in jedem Kulturführer über Deutschland. "Das Museum ist eine Bauskulptur, das ein Erlebnis bereithält", fasst es Museumsleiterin Kathleen Rahn zusammen. Das spektakuläre Aussehen locke viele Besucher an. Und so habe der Bau ein ganzes Viertel neu belebt. Aha, da ist er also wieder, der Bilbao-Effekt - auch in Herford
Architekt Gehry liebte das Tüfteln
Architekt Frank Gehry 2023 bei einer Gala
Frank Gehry arbeitete bis ins hohe Alter. "Ich liebe es, zu arbeiten. Ich liebe es, Dinge auszutüfteln", sagte er 2019 dem "Guardian". Der Architekt starb im Alter von 96 Jahren nach einer Atemwegserkrankung in seinem Haus Santa Monica, wie am Freitagabend bekannt geworden war.
Unsere Quellen:
- Nachrichtenagentur AFP
- Interview mit Museumsleiterin Kathleen Rahn in der WDR Sendung Aktuelle Stunde vom 06.12.2025
- Museum Marta
- Medienhafen Düsseldorf e.V.
- Deutsche Welle
- Statista
- baukunst-nrw
Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 06.12.2025, 16 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 06.12.2025, 18.45 Uhr