Das Bild zeigt einen Mann, der auf seinem Schreibtisch sitzt, welcher auf einer Wiese steht.

Arbeit 10 Arbeitszeitmodelle, die deine Work-Life-Balance verbessern können

Stand: 24.10.2025, 12:00 Von Tobias Spelz Gedankenspiele

Von Tobias Spelz

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Der Job nimmt in unserem Leben viel Platz ein. Ständig ruft sie: unsere Arbeit. Die Frage ist, wie wir darauf antworten. Wir zeigen dir zehn Arbeitszeitmodelle, die Work und Life besser miteinander verbinden. Natürlich klappt das nicht in jeder Branche. Inspirierend sind die Beispiele trotzdem!

1. 5-Stunden-Tag

Lasse Rheingans war der erste Unternehmer in Deutschland, der den 5-Stunden-Tag eingeführt hat: bei gleichbleibendem Gehalt. Seine Überzeugung: Die Arbeit, die sonst in acht oder mehr Stunden gemacht wird, lässt sich viel effektiver in weniger Zeit bewältigen. Die Voraussetzung: absolute Konzentration.

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Das Konzept der "attention residue" besagt, dass nach jeder Ablenkung 15 Minuten benötigt werden, um wieder in die tiefe Konzentrationsphase zu kommen. Deshalb hat Lasse Rheingans in seiner Unternehmensberatung einige Regeln eingeführt, zum Beispiel: Eingehende Anrufe nimmt ein externer Dienstleister entgegen und gibt sie gebündelt weiter. Das Team ruft zurück, wenn es in den Arbeitsrhythmus passt. Während der Arbeitszeit dürfen auch keine privaten Smartphones genutzt werden.

Das Modell hat sich bewährt, ist aber auch nicht in Stein gemeißelt. Jedem und jeder im Team steht frei, wie er oder sie arbeiten möchte.

2. 4-Tage-Woche — bei gleichem Lohn

Island und Belgien gelten hier als Vorreiter, mittlerweile ist das Konzept auch in Deutschland immer prominenter. 2024 haben 45 deutsche Unternehmen die 4-Tage-Woche für sechs Monate getestet. Dreiviertel der Unternehmen sind danach dabei geblieben und 90 Prozent der Mitarbeiter:innen gaben an, sich wohler zu fühlen durch die 4-Tage-Woche. Auch in anderen Branchen, zum Beispiel in der Stadtverwaltung oder Gastronomie- und Handwerksbetrieben, wird die 4-Tage-Woche immer normaler.

Eine Studie aus England, an der mehr als 60 Firmen teilnahmen, zeigt, dass die Mitarbeiter:innen durch die 4-Tage-Woche ausgeruhter und motivierter waren. Außerdem verringerten sich die Fehlzeiten. Viele der teilnehmenden Unternehmen kamen zu dem Schluss, die 4-Tage-Woche beibehalten zu wollen.

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Die Unternehmen nutzen in der Regel zwei unterschiedliche Modelle: Bei vier Arbeitstagen mit jeweils zehn Arbeitsstunden bleibt es bei der gewohnten Arbeitszeit. Alternativ muss die gleiche Arbeit in weniger Zeit geschafft werden. Das Gehalt bleibt in beiden Fällen gleich.

Für viele Unternehmen ist die 4-Tage-Woche eine Strategie, um die Attraktivität der Arbeitsstelle zu erhöhen und somit gegen den Fachkräftemangel anzukämpfen. Der in unserem Beitrag gezeigte Betrieb hat sein Angebot mittlerweile wieder eingestellt.

Die bislang umfangreichste Studie zum Thema kam 2023 zu dem Schluss: Einen Tag weniger zu arbeiten erhöht die Zufriedenheit der Angestellten und sie sind seltener krank, während die Produktivität aufrechterhalten bleibt. 61 britische Unternehmen haben hierbei die Arbeitszeit ihrer knapp 3.000 Beschäftigten um 20 Prozent verkürzt (bei gleichbleibendem Lohn).  

Wirtschaftsexpert:innen kritisieren aber, dass die Teilnahme an der Studie freiwillig war. Dadurch hätten sich wahrscheinlich eher solche Firmen gemeldet, die eh von einem positiven Ergebnis ausgegangen seien. Es ist also nicht gesagt, dass sich die Ergebnisse der Studie auf andere Unternehmen übertragen lassen.  

Die Uni Münster führt aktuell eine Studie mit gut 50 deutschen Unternehmen verschiedener Branchen durch. Sie wollen testen, wie sich kürzere Arbeitszeiten auf die deutsche Arbeitswelt auswirken könnten.

3. Eine Woche klotzen, eine Woche frei

Ein Friseursalon in Köln hat sich ein besonderes Schichtsystem ausgedacht: Gearbeitet wird in zwei Teams. Das eine ist zuständig für Damen-, das andere für Herrenschnitte. Die Idee: Die Teams arbeiten im wöchentlichen Wechsel, jeweils in einer 60-Stunden-Woche.

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So klotzt ein Team eine Woche ran, hat dafür dann danach aber sieben Tage am Stück frei. Die Inhaber achten darauf, dass die Arbeitsschutzgesetze eingehalten und zulässige Zeiten nicht überschritten werden. Auch auf die Pausenzeiten wird geachtet.

4. Nachtarbeit, nein danke!

Bäcker:innen arbeiten oft von Mitternacht bis morgens. Ihren Schlaf teilen sie in zwei Hälften: einmal direkt nach der Arbeit und noch einmal vor der Arbeit — ein anstrengender Rhythmus. Die Arbeitszeiten sind ein Grund für die rückläufige Zahl der Mitarbeiter:innen und Auszubildenden im Bäckerei-Handwerk.

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Um Fachkräfte zu gewinnen, stellen deshalb immer mehr Bäckereien um und streichen die Nachtarbeit. Das geht zum Beispiel, indem sie „nur“ noch Brot anbieten und keine Frühstücksware.

5. Work und Vacation

Arbeit mit Urlaub verbinden. Auch dies kann ein Weg sein, deine Work-Life-Balance zu verbessern. Das funktioniert für alle Bereiche, in denen du für deine Arbeit nur einen Laptop und Internet benötigst. Bei immer mehr Anbietern kannst du dich in der ganzen Welt in Orte für die sogenannte Workation (Work / Vacation) einbuchen. Zum Beispiel im digitalen Nomadenzentrum auf Madeira.

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Hier arbeiten Anwält:innen, Grafikdesigner:innen oder Unternehmensberater:innen mit Blick auf den Atlantik. Sie bleiben ein paar Tage, Wochen oder auch Monate. Kostenloses Highspeed-Internet gibt es überall. Die portugiesische Insel Madeira unterstützt das gezielt, denn die meist jungen Arbeitsreisenden bringen Wirtschaftskraft ins Land.

6. Arbeiten nach der inneren Uhr

Was beim Thema Arbeitszeiten oft übersehen wird: Menschen teilen sich in unterschiedliche Chronotypen auf: in Lerchen, die schon früh am Morgen fit sind, und in Eulen, die erst später am Tag aktiv werden. Eine Klinik in Bayern passt ihre Schichten an die Chronotypen ihres Personals an. Das nennt sich dann ChronoWork.

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Laut eigener Aussage wird bei der Planung der Dienstzeiten auf Wunsch der natürliche, genetisch bedingte Schlaf-/ Wach-Rhythmus der einzelnen Mitarbeiter:innen mit einbezogen. Ziel dabei: das Wohlbefinden und die Arbeitszufriedenheit der Angestellten zu erhöhen. Wenn es das Tagesgeschäft erfordert oder der Dienstplan nicht aufgeht, kann aber auch auf den normalen Rhythmus umgestellt werden.

7. Mit 40 in Rente

Die Idee der sogenannten Frugalisten ist es, schon früh im Laufe des Lebens so viel Geld anzusparen und zu investieren, dass sie – zum Beispiel mit 40 – in Rente gehen und vom Ersparten bzw. von Zinsen und Dividenden leben können.

Frugalist: Der Traum von der Rente mit 40

04:03 Min. Verfügbar bis 27.05.2027 Von Olaf Tack

Hierzu ist vorher natürlich eine sehr sparsame und disziplinierte Lebensführung nötig. "Frugal" bedeutet demnach auch "einfach" oder "bescheiden". Das Ziel ist es, sich eine finanzielle Unabhängigkeit zu erarbeiten. Neben dem bescheidenen Lebensstil auch zum Beispiel durch gewinnbringende Anlagestrategien.

Nach dem Arbeitsleben soll so noch genug Zeit bleiben, um das Leben zu genießen. Und das nicht erst, wenn es im herkömmlichen Rentenalter möglicherweise schon zu spät ist.

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8. Arbeiten im 2+1 Fokus-Modell

Das 2+1 Fokus-Modell ist im Prinzip wie ein Intervalltraining – nur fürs Gehirn statt für die Beine. Du arbeitest zwei Wochen lang in einer Art "Deep Focus“-Modus: weniger Meetings, keine ständige Ablenkung, klare Prioritäten und Raum für intensive, kreative oder komplexe Aufgaben. In dieser Phase geht’s darum, richtig tief in Themen einzutauchen, statt jeden Tag zwischen 15 Baustellen zu springen.

Danach kommt eine "Recovery Week" – und die ist nicht gleichbedeutend mit Urlaub, sondern eher eine aktive Regenerationsphase. Du hast mehr Zeit für leichte Tasks, Austausch mit Kolleg:innen, Weiterbildung oder Dinge, die im Alltag sonst untergehen. Ziel ist, Druck rauszunehmen, Energie aufzuladen und den Kopf wieder frei zu bekommen. So hast du einen Rhythmus, der Überlastung vorbeugt und gleichzeitig für mehr Produktivität sorgt – ein bisschen wie beim Sport: Belastung, Erholung, dann wieder volle Power.

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9. Jobsharing: Ein Job, zwei Köpfe

Beim Jobsharing teilen sich zwei (manchmal auch mehr) Personen eine Vollzeitstelle, sprechen sich ab, wer wann arbeitet, und tragen gemeinsam Verantwortung für alle Aufgaben. Das kann so aussehen, dass eine Person vormittags und die andere nachmittags im Büro ist, oder dass sie sich tageweise abwechseln. Wichtig ist vor allem: Kommunikation und klare Absprachen. Wenn beide wissen, was die andere macht, und ihre Stärken gut kombinieren, kann das sogar effizienter sein als eine Einzelbesetzung.

Gerade für Menschen, die keine klassische Vollzeit arbeiten können, kann Jobsharing eine gute Lösung sein. Außerdem profitieren Unternehmen von einem doppelten Kompetenzpool: Zwei Köpfe bringen mehr Ideen, unterschiedliche Blickwinkel und oft auch ein breiteres Netzwerk. Manche Firmen berichten sogar, dass Jobsharing-Teams seltener ausfallen, weil sie sich gegenseitig vertreten können – quasi eine eingebaute Vertretung im Arbeitsvertrag.

10. Pause vom Arbeiten: So funktioniert Micro-Retirement

Micro-Retirement heißt so viel wie Mini-Ruhestand. Statt das ganze Arbeitsleben durchzupowern, um dann mit 67 in den klassischen Ruhestand zu gehen, gönnst du dir schon zwischendurch längere Auszeiten. Das kann zum Beispiel ein halbes Jahr Reisen sein oder ein Sabbatical, um sich beruflich neu zu orientieren. Die Idee: Du verteilst Erholung und persönliche Projekte über das ganze Berufsleben, statt alles ans Ende zu schieben.

In der Praxis bedeutet das, dass du immer wieder bewusst Arbeitspausen einbaust, die finanziell und organisatorisch geplant sind. Manche sparen dafür mehrere Jahre und legen dann eine Auszeit ein, andere nutzen Teilzeit-Modelle oder unbezahlten Urlaub. Das Schöne daran: Wer regelmäßig Micro-Retirements einplant, kann neue Energie tanken, persönliche Ziele erreichen und bleibt im Job oft länger motiviert – weil Arbeit und Leben besser im Gleichgewicht sind.

Mehr zum Thema:

Gesünder und produktiver dank Viertagewoche? (tagesschau.de)

Kein Bock auf Arbeit? Die Work-Life-Balance der Gen Z (ardmediathek.de)

Quellen:

Digitale Nomaden Madeira | digitalnomads.startupmadeira.eu

Einzigartig in Deutschland: Gesamtprojekt Chronobiologie | klinik-wartenberg.de

Weniger Fehltage durch Vier-Tage-Woche | tagesschau.de

Kommentare zum Thema

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3 Kommentare

  • 3 Martin 10.12.2023, 01:47 Uhr

    Super Vorschläge. Einem Rezeptionisten im Hotel geht da doch das Herz auf. Dreischicht-System, Arbeit auch an Wochenende und Feiertagen, ein Arbeitspensum, das manchmal kaum zu schaffen ist, Mindestlohn da in der Regel keine Tarifbindung. Fachkräftemangel kein Problem, es werden sowieso keine eingestellt. Würde auch gerne Pina Colada schlabbernd an der Adria sitzen und für viel Geld auf meinem Laptop klimpern, während mir der Hintern hinterher getragen wird. Nicht falsch verstehen, ich gönne jedem seinen Frieden. Aber bitte nicht den Rest der Gesellschaft übersehen. Immer mal dran denken wer Sylvester die Eisbombe mit Wunderkerzen ins Restaurant trägt und dafür sorgt, dass es morgens um 5 frische Brötchen an der Tankstelle gibt und wer sonntags morgens kommt, die Oma aus dem Bett zu holen und zu waschen.

  • 2 Bernd 08.12.2023, 14:02 Uhr

    Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er sich nicht auf das Thema der Diskussion bezieht. (die Redaktion)

  • 1 Bernd 08.12.2023, 13:56 Uhr

    Gleichen Lohn kann es nur für gleiche Leistung geben. Die Menschen müssen erst einmal beweisen, daß sie in weniger Zeit das gleiche Leisten können. Ich glaube nicht dram. Wenn überhaupt dann ist das nur im kreativen Bereich möglich. Wie soll denn bitte ein Bauarbeiter in der halben Zeit das gleiche Schaffen. Das ganze ist Inflationstreiberei um uns Sparer auszubeuten. Mir kann keiner erzählen, daß das für die Masse gilt. Also hört bitte auf für weniger Arbeit (was wohl im allgemeinen weniger Leistung bedeutet) das gleiche Gehalt zu bekommen. Soche Diskussionen sind sparerfeindlich und damit ein Verstoß gegen Artikel 1 des GG, da es hier nur darum geht, die Menschen, die in der Vergangenheit viel geleistet haben über Inflation auszubeuten.

    • EcceHomines 15.12.2023, 23:28 Uhr

      Also in meinem früheren Job im BackOffice einer Großbank im Firmenkundenbereich ging bei den meisten die Arbeitszeit mit Warten auf PC-Reaktion, Socialising und Toilettengänge drauf. Ich hatte die Arbeitszeit schon auf 80% reduziert und trotzdem mehr geschafft als die Kollegen. Zeit lässt sich entspannt kürzen ohne Leistung einzubüßen. Das geht natürlich selten in Pflege und Co. Aber grundsätzlich möglich. Ich wäre eh für Bezahlung nach Arbeitspaketen statt Zeit abzusitzen.