Gesellschaft : Sind die Feiertage in Deutschland noch zeitgemäß?
Stand: 18.06.2025, 12:00 Von Isabel Krämer Gedankenspiele
Von Isabel Krämer
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Kommentieren [164]Die meisten Feiertage in Deutschland sind christliche Feste. Ist das in unserer Gesellschaft heute noch sinnvoll?
Feiertage sind toll! Doch Ostern, Weihnachten und Co. feiern längst nicht alle Menschen in Deutschland. Wenn wir die Feiertage zum Beispiel von Menschen jüdischen oder muslimischen Glaubens berücksichtigen – braucht unser Kalender dann andere oder flexiblere Feiertage?
Wie viele Feiertage hat Deutschland eigentlich?
Insgesamt gibt es in Deutschland neun gesetzlich geschützte bundesweite Feiertage. Drei davon sind geschichtlich geprägt: der Tag der Arbeit, der Tag der deutschen Einheit und das Neujahrsfest. Die übrigen sechs sind christlichen Ursprungs. Die restlichen Feiertage legen die Bundesländer selbst fest.
Karfreitag, Pfingsten oder die Feiertage zu Weihnachten bescheren uns also Jahr für Jahr freie Tage. Aber: Wie gut weißt du eigentlich über christliche Feste und ihre Bedeutung Bescheid? Mehrere kleine Umfragen deuten darauf hin, dass viele anscheinend gar nicht mehr so genau wissen, was sich hinter den Anlässen verbirgt.
Christliche Feiertage – trotz Kirchenaustritten und Zuwanderung?
Das Unwissen über den Ursprung mancher Feiertage in Deutschland liegt unter anderem auch darin begründet, dass immer weniger Menschen Mitglieder einer Kirche sind. Kirchenaustritte einerseits und die Zuwanderung von Menschen anderer Glaubensgemeinschaften andererseits sind Ursachen für diese Entwicklung. Die Konsequenz: Weniger als die Hälfte der Bevölkerung gehört noch einer der beiden großen Kirchen an.
Ein wesentlicher Teil der Bevölkerung in Deutschland begeht also einige Feiertage, ohne zu wissen, warum. Oder es hat für sie zumindest wenig Bedeutung. Ein weiterer Punkt: Viele Menschen haben einen anderen Glauben. Muslime beispielsweise haben an ihren Feiertagen aber nur selten frei.
Freistellung für Zuckerfest und Chanukka
Wer einer anderen Religionsgemeinschaft als einer der großen Kirchen angehört, kann seine Feiertage in vielen Fällen trotzdem feiern, dank Freistellung. In den meisten Bundesländern genügt für die Freistellung von der Schule eine Entschuldigung der Eltern. Selbst auf der Arbeit ist eine Freistellung für Feiertage möglich, die Regeln sind von Land zu Land allerdings unterschiedlich.
In Berlin gibt es seit 2019 einen neuen Feiertag. Am 8. März feiert das Land den Tag der Frauen. Thüringen hat 2019 den Weltkindertag am 20. September zum Feiertag gemacht. Das zeigt, dass gesetzliche Feiertage in Deutschland neu verhandelt werden können. Wir fragen uns also: Wie könnte ein Feiertagskalender für eine sich ständig wandelnde Gesellschaft aussehen?
Sind schwimmende Feiertage in Deutschland die Lösung?
Wir könnten es so machen wie die Vereinten Nationen: Für das Personal gelten die Feiertage des Landes, in dem sie arbeiten. Andererseits gibt es für jede Person einen zusätzlichen freien Tag, einen sogenannten "Floating Holiday". Dieser "schwimmende" Tag kann aus einer Liste von vorab bestimmten Feiertagen ausgewählt werden. Wer in China arbeitet, kann dann trotzdem an den Feiertagen zu Weihnachten frei haben.
Schwimmende Feiertage würden den unterschiedlichen Ansichten der Menschen begegnen. Weil wir wählen müssten, würden wir uns vielleicht auch intensiver mit der Bedeutung von Feiertagen auseinandersetzen. Der zusätzliche schwimmende Tag gäbe sogar Anhänger:innen christlicher Religionsgemeinschaften die Möglichkeit, am Zuckerfest teilzunehmen oder Chanukka kennenzulernen.
Mehr Urlaub statt Feiertage
Gesetzlich festgelegte Feiertage könnten wir auch in frei wählbare Urlaubstage umwandeln. Die Vielfalt innerhalb einer Bevölkerung wäre so maximal berücksichtigt und die Feiertage nicht mehr an nur eine Religion gekoppelt.
Wie wäre es, wenn wir den Tag des Baumes feiern, dafür aber an Pfingsten arbeiten? Die Idee von mehr Urlaub scheint auf den ersten Blick verlockend. Andererseits fällt das Gemeinschaftsgefühl allgemein geltender Feiertage weg. In Betrieben und Schulen müsste vieles neu organisiert werden, aber...
Letztendlich geht es um die Frage: Wie könnten die Feiertage in Deutschland neu gedacht werden, um der Vielfalt in unserer Gesellschaft besser gerecht zu werden? Eine einfache Antwort gibt es darauf wohl nicht. Jede Änderung sollte gut bedacht sein, denn sie ist nicht nur mit sehr großem Aufwand verbunden, sondern auch mit Emotionen.
Mehr Informationen zum Thema:
Feiertage in Deutschland (bmi.bund.de)
UN – Floating Holiday (ask.unog.ch)
Anteil der katholischen und evangelischen Kirchenmitglieder an der Bevölkerung (bpb.de)
Religionszugehörigkeit Aufteilung (2021, fowid.de)
Für mehr Vielfalt bei den Feiertagen (sz-magazin.sueddeutsche.de)
164 Kommentare
Kommentar 164: Karin Wendel schreibt am 26.05.2026, 08:41 Uhr :
Mehr Urlaub fände ich schade, weil es wichtig ist, dass es gemeinsame Feiertage gibt, wo alle frei haben beziehungsweise möglichst viele. Die Berücksichtigung anderer religiöser Feiertage finde ich sehr wichtig, die Idee mit den schwimmenden Feiertagen ist cool. Ich finde es sehr ungerecht, dass Bayern deutlich mehr Feiertage hat als die protestantischen Bundesländer. Die Abschaffung des Bußtages für die nördlichen Bundesländer ungerecht. Statt eines weiteren religiösen Feiertages bzw. durch die Abschaffung eines katholischen Feiertages sollte man noch nach einem nationalen Feiertag suchen, wie etwa den 8. Mai oder den Tag der Wiedervereinigung.
Kommentar 162: Samuel schreibt am 14.01.2026, 14:45 Uhr :
Ich bin intressant
Kommentar 161: Harald schreibt am 11.11.2025, 11:04 Uhr :
Die Leute sollen froh sein, dass es diese Feiertage gibt, anstatt sich darüber aufzuregen, dass manche Sachen dann verboten sind (vor allem an den "stillen" Feiertagen). Ich finde diese Diskussion so was von lächerlich.
Kommentar 160: Maren schreibt am 19.06.2025, 18:16 Uhr :
Wenn viele die Bedeutung der Feiertage nicht kennen, sollte man mehr über diese Bedeutung reden und informieren. Ich bin mir sicher, dass das Wissen um die Hintergründe der nicht-christlichen Feiertage genauso viel oder wenig vorhanden ist. - Zum Thema Geld für Kirchen finde ich schade, dass immer nur über die Kirchenoberen geredet wird und nicht über die wirklich gute Arbeit, die in den Gemeinden geleistet wird. Anscheinend so effektiv, dass keiner darüber redet oder meckert.
Kommentar 159: Stefanie schreibt am 13.06.2025, 23:18 Uhr :
Streicht die christlichen Feiertage für alle die keiner Glaubensgemeinschaft angehören. Das wäre fair. Keine Kirchensteuer zahlen wollen, aber Feiertage genießen... Für den Ausgleich Urlaub nehmen, oder arbeiten gehen. Dann muss auch keine Diskussion entstehen ob alle einen Feiertag gestrichen bekommen müssen. Ich bin bekennende Christin und weiß die Tage sehr zu schätzen. Und ich zahle meine Kirchensteuer, Monat für Monat, Jahr für Jahr, und gehe zur Kirche. Für alle anderen Religionen sollte an deren höchsten Feiertagen auch Feiertag gelten, oder zumindest den entsprechenden Ausgleich wenn das nicht möglich ist. Gerne reiche ich diese Anregung auch bei der Kirche oder den Wirtschaftsweisen ein, sofern mir jemand einen Ansprechpartner nennen kann.
Antwort von Anna , geschrieben am 15.06.2025, 16:53 Uhr :
Gute Idee! Und alle Nicht-Christen stellen im Gegenzug die steuerliche Finanzierung der kirchlichen Einrichtungen und Angestellten ein. Also keine aus Steuermitteln von Atheisten mehr für die Gehälter der Priester, Bischöfe und Kardinäle, Kitas, Krankenhäuser und Alten- und Pflegeheime, die in kirchlicher Trägerschaft sind, müssen auch zu 100% aus kirchlichen Mitteln wie der Kirchensteuer finanziert werden. Außerdem müssen die Kirchen raus aus gesellschaftlichen Machtpositionen wie bspw. den Rundfunkräten. Die werden schließlich auch nicht aus den Kirchensteuern finanziert. Deal!
Antwort von Jo , geschrieben am 19.06.2025, 18:36 Uhr :
Das wäre ein bißchen zu einfach, weil Gläubigkeit und Kirchenmitgliedschaft nicht das Gleiche ist. Nach all den Skandalen kann ich gut verstehen, wenn man als gewissenhafter Christ solche Institutionen nicht unterstützen will. Das muss jedoch nichts mit dem Glauben zu tun haben.
Kommentar 157: henning72 schreibt am 09.06.2025, 18:23 Uhr :
Wir sollten beginnen die Feiertage neu zu denken. Es kann nicht sein, dass in Essen und Dortmund auf Karfreitag Opernaufführungen als unpassend verboten werden und im Privat-TV Italo-Western und Spielfilme-Highlights uneingeschränkt gesendet werden. Hier kann jeder selbst entscheiden. Der Staat muss niemanden mehr vor "Versuchungen" bei öffentlichen Auffürhungen schützen. Wir sind alle mündig. Oder Heute der Bericht über den Feiertagstourismus. Zum shoppen schnell nach Holland. Jeder sucht sich einen Freiraum, um die Regularien zu umgehen. Wie immer ist leider niemand zuständig.
Kommentar 156: Dieter Bethkowsky schreibt am 09.06.2025, 11:16 Uhr :
Was hat ein solcher polemischer Artikel in den offiziellen Nachrichten des WDR zu suchen?
Antwort von Kugelzwei , geschrieben am 11.06.2025, 14:38 Uhr :
Hallo Dieter, was genau findest du an unserem Artikel polemisch? Liebe Grüße vom Kugelzwei-Team
Kommentar 155: DenkBar schreibt am 08.06.2025, 14:28 Uhr :
Es geht doch nicht um freue Tage. Da gibt es für die meisten Menschen schon heute genug individuelle Möglichkeiten. Der Reiz von Feiertagen liegt gerade in der Verbindlichkeit als arbeitsfreier Tag für das Gros der Gesellschaft. Ähnlich wie beim Sonntag ergeben sich so die vielfach genutzten Möglichkeiten des breiten gesellschaftlichen Miteinanders auch über weite Entfernungen. Sicher würden da heute auch andere Bezugsgrößen genutzt, aber man würde sich auch nicht mehr auf einen Rahmen einigen können. Insofern, füllt die vorhandenen Tage wie ihr wollt, besser wird es mit einem Neuverteilungsversuch nicht werden können.
Kommentar 154: Bernd schreibt am 08.06.2025, 08:10 Uhr :
Feiertage sind wie zusätzliche Urlaubstage. Der Ursprung dieser Tage verschwimmt immer mehr im Bewußtsein der Menschen. Feiertage sollte man auf den Prüfstand stellen. Persönlich brauch ich keine, da ich nicht sonderlich religös bin. Wahrscheinlich reicht die Kompetenz der Politik nicht aus um einen Feier/Urlaubstag ab zu schaffen. Wem Feiertage wichtig sind sollte allerdings die Möglichkeit haben dafür einen Tag Erholungsurlaub zu nehemn. Das Geschrei zu hören wäre sicher spaßig.
Kommentar 153: Elisabeth Wallau schreibt am 08.06.2025, 06:49 Uhr :
Ich wäre dafür, die religiösen Feiertage abzuschaffen! Trennung von Kirche und Staat! Aber es gibt Jahrhunderte alte Traditionen, die gewahrt werden sollten: Statt „Weihnachten“ zum selben Datum ein „Winterfest“; die Christen habe dann die Möglichkeit, ihrer Religion nachzugehen. Das Gleiche zu „Ostern“: ein „Frühlingsfest“. Das wäre ehrlicher. Die vielen Feiertage im Mai könnten gestrichen werden, statt dessen z.B. ein „Sommerfest“ zur Sonnenwende. Ich halte es für wichtig, dass die Menschen in Deutschland weiterhin gemeinsam frei haben; das stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl. Einige zusätzliche Urlaubstage sollten reichen, um die persönliche Religion zu zelebrieren.
Kommentar 152: Anna schreibt am 07.06.2025, 23:31 Uhr :
Nicht jede Person kann einfach jederzeit Urlaub nehmen. Würde man Feiertage in Urlaub umwandeln, ginge die Erholungszeit manchen Gruppen verloren: Schulpflichtigen Kindern z.B., oder manchen Angestellten (angestellten Lehrern z.B.). Ein Umwidmen der Feiertage wäre aber eine gute Idee. Wie wäre es z.B. mit einem Elterntag am ersten Donnerstag des Juni? Außerdem gibt es in Belgien eine sinnvolle Regelung: Wenn ein Feiertag auf ein Wochenende fällt, wird er automatisch am Montag direkt danach nachgeholt. Das wäre auch hier gut und gäbe Planungssicherheit für Menschen und Wirtschaft.