Wohnen : WG mit Senioren: Günstiger wohnen mit diesem Wohnkonzept
Stand: 12.05.2026, 13:00 Von Miriam Bade Gamechanger
Von Miriam Bade
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KommentierenDie Generationen-WG Berlin bringt junge und ältere Menschen zusammen, die sich Miete und Wohnung teilen wollen. Durch das Konzept profitieren beide Seiten: die Jüngeren, die endlich ein bezahlbares WG-Zimmer finden und die Älteren, die leerstehende Zimmer mit Leben füllen und ein wenig Unterstützung im Alltag bekommen.
So funktioniert das Mehrgenerationen-Wohnen
Bist du auch schon bei der Suche nach einer bezahlbaren Wohnung verzweifelt? In Berlin gibt’s seit 2024 eine außergewöhnliche Lösung für dieses Problem: die Generationen-WG.
Dahinter steckt eine einfache Idee: Viele Menschen über 60 Jahren leben auf mehr Wohnraum als sie eigentlich brauchen – z. B. weil die Kinder ausgezogen sind, sie getrennt leben oder der:die Partner:in verstorben ist. Ein Umzug in eine kleinere Wohnung lohnt sich für viele trotzdem nicht. Denn: Alte Bestandsmieten sind oft deutlich günstiger als neue Mietverträge zu aktuellen Preisen. Hier kommt die Generationen-WG ins Spiel.
Wenn du zwischen 18 und 27 Jahren alt bist, kannst du online einen Fragebogen ausfüllen. Auf dieser Grundlage matcht der Verein „Sonay Soziales Leben“ dich mit einer älteren Person, die ein Zimmer vermieten möchte. Statt hoffnungsloser Massenbesichtigungen, lernt ihr euch also erstmal ganz entspannt kennen.
Und wenn’s vibed, profitieren am Ende beide Seiten. Du bekommst ein günstiges WG-Zimmer, denn die Miete darf maximal so hoch sein, wie der Mietspiegel vorgibt, und dein:e Vermieter:in kann sich die Wohnkosten besser leisten und hat gleichzeitig mehr Gesellschaft im Alltag. Und ganz nebenbei kommt ihr beide mit Menschen einer anderen Generation in Kontakt, die ihr sonst wahrscheinlich nie so gut kennengelernt hättet.
Die Generationen-WG: auch ein Konzept gegen Einsamkeit
Wohnprojekte wie die Generationen-WG haben nicht nur Vorteile für einzelne Personen. Sie geben auch Antworten auf größere gesellschaftliche Herausforderungen: Seit der Corona-Pandemie ist die Einsamkeit vor allem unter jungen Menschen stark angestiegen. Laut Einsamkeitsbarometer 2024, erhoben vom BmBFSFJ, fühlte sich im ersten Pandemie-Jahr jede dritte Person zwischen 18 und 29 Jahren einsam.
Eine Studie der Universitäten Regensburg und München legt zudem nahe, dass regelmäßiger sozialer Austausch zu einer besseren psychischen und körperlichen Gesundheit im Alter beiträgt. Vielleicht könnten ältere Menschen durch Projekte wie die Generationen-WG sogar länger ohne Pflege in ihrer eigenen Wohnung bleiben. An der Stelle ist wichtig zu wissen: In der Generationen-WG, aber auch bei anderen Mehrgenerationen-Wohnkonzepten, gehört Pflege der älteren Mitbewohner:innen ausdrücklich nicht zu den Aufgaben im WG-Leben.
Mieten: So teuer ist Wohnen in Deutschland
Deutschlandweit sind laut statistischem Bundesamt junge Menschen am stärksten von hohen Mieten belastet. Die Einkünfte sind während Ausbildung, Studium und Berufseinstieg noch gering. Gleichzeitig steigen die Mieten – auch für WG-Zimmer – immer weiter. Unter 25-Jährige geben deshalb im Schnitt fast 35 Prozent ihres Einkommens für die Miete aus. Noch krasser siehts bei Azubis und Studierenden aus: Viele zahlen mehr als die Hälfte ihrer Einkünfte für die Miete. Eine allgemeine Faustregel empfiehlt maximal 30 Prozent.
Spannend: An zweiter Stelle der Menschen mit der höchsten Mietbelastung kommen die über-65-Jährigen. Die Generationen-WG ist also insgesamt eine Win-Win-Situation.
Die schwierige Wohnungssuche: ein strukturelles Problem
Du kannst theoretisch ein WG-Zimmer oder sogar eine Wohnung in deiner Wunschstadt finanzieren? Dann steht als nächstes die Suche nach einem passenden Angebot an.
Und das kann richtig lange dauern. ImmoScout befragte 2024 die eigenen Nutzer:innen. Demnach sucht jede:r Zweite über ein Jahr nach einer Wohnung. Denn in Deutschland fehlen jede Menge Wohnungen: rund 1,4 Millionen schätzen die Expert:innen vom Pestel-Institut.
Gleichzeitig stockt der Wohnungsbau und es werden jährlich gerade einmal halb so viele Wohnungen neu gebaut wie eigentlich nötigt wären. Die Generationen-WG setzt auch bei diesem Problem an und schafft zusätzlichen Wohnraum, der sonst ungenutzt bleiben würde.
Mit älteren Menschen wohnen: auch in anderen Städten
Das Startup InGemeinschaft bietet ein ähnliches Konzept wie die Generationen-WG. Die Gründer:innen wollen ältere Menschen, die auf viel Wohnraum leben mit jungen Menschen zusammenbringen. Gestartet in München gibt's InGemeinschaft inzwischen auch in Berlin und Köln. Weitere Städte sollen hinzukommen. Weil InGemeinschaft ein Unternehmen ist, musst du für die erfolgreiche Vermittlung eine Servicegebühr bezahlen. Die beträgt einmalig 450 Euro oder ein Jahr lang 50 Euro monatlich. Dafür bekommst du ein Zimmer, das zehn bis 30 Prozent günstiger ist als der reguläre Marktpreis.
Kaum zu glauben, aber du kannst sogar komplett mietfrei wohnen – wenn du bereit bist, dafür anderen zu helfen: Das Konzept „Wohnen für Hilfe“ wird von vielen Studierendenwerken organisiert, u. a. in Aachen, Hannover, Freiburg und Koblenz, und bietet Studis die Möglichkeit umsonst bei älteren Menschen einzuziehen. Pro Quadratzimmer Wohnfläche musst du dafür eine Stunde im Monat unterstützen. Auch hier gehört Pflege ausdrücklich nicht zu deinen Aufgaben.
Generationen-WG: Was bringen solche Wohnprojekte?
Insgesamt 27 WG-Pärchen haben in der Generationen-WG in Berlin seit dem Start 2024 zusammengefunden: 27-mal neue Perspektiven gewinnen und „endlich eine Wohnung“. Das ist mit Blick auf die rund 1,4 Millionen fehlenden Wohnungen in Deutschland nicht viel. Die großen Herausforderungen auf dem Wohnungsmarkt wird die Generationen-WG daher nicht lösen. Aber: Das Projekt ist zumindest eine von vielen inspirierenden Ideen, die für Einzelne einen großen Unterschied machen können.
Dieser Beitrag liefert Informationen zum Instagram-Reel von kugelzwei "Günstige Jung/Alt WG" vom 18.04.2026, 09:43 Uhr.
PULS-Reportage „Wie klappt eine Mehrgenerationen-WG?“ (BR) (ardmediathek.de)
Tagesschau: „Warum der deutsche Mietmarkt in der Klemme steckt“ (ARD) (tagesschau.de)
Quellen:
Sozialer Wohn-Monitor 2026 (Pestel-Institut, 2026) (mieterbund.de)
Ausbildungsreport 2020 (DGB Jugend, 2020) (sozialpolitik-aktuell.de)
Deutsches Studierendenwerk: “Wohnen für Hilfe” (studierendenwerke.de)
InGemeinschaft: Plattform und FAQ (ingemeinschaftwissen.softr.app)
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