Ilustration einer WG, die gemeinsam die Wäsche macht.

Bezahlbarer Wohnraum Inklusives Wohnen: In dieser WG zahlst du keine Miete

Stand: 15.04.2026, 11:10 Von Amezz Ali Gamechanger

Von Amezz Ali

In einer inklusiven WG in Köln leben Studierende gemeinsam mit Menschen mit Behinderung unter einem Dach – ohne klassische Miete. Stattdessen unterstützen die Student:innen im Alltag und werden dafür bezahlt. Das Wohn-Konzept setzt auf gemeinsames Wohnen, Inklusion und neue Wege gegen den angespannten Wohnungsmarkt.

Inklusives Wohnen in der WG: So funktioniert das Konzept

WG-Leben, aber anders: In einem Mehrfamilienhaus in Köln gibt es gleich zwei inklusive Wohngemeinschaften. Darin leben jeweils acht bis neun Menschen zusammen: Studierende gemeinsam mit Menschen mit Behinderung. Ihren Alltag gestalten sie ganz selbstverständlich gemeinsam.

Die Studierenden übernehmen dabei eine wichtige Rolle und bringen sich aktiv in das Zusammenleben ein: Sie helfen ihren Mitbewohner:innen mit Behinderung zum Beispiel beim Aufräumen, Kochen oder Wäschewaschen. Außerdem begleiten sie sie zu Terminen wie zum Sport.

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Das ist ihr Job – für 15 Stunden pro Woche. Dafür kriegen die Studis den Mindestlohn und das Geld wir direkt als Miete angerechnet. Heißt: Sie wohnen quasi kostenlos, inklusive Nebenkosten und Teilmöblierung. Darüber hinaus ist professionelles Fachpersonal eingebunden, das bei komplexeren Unterstützungsaufgaben übernimmt und den Alltag organisiert.

Wer in die WG einziehen will, bewirbt sich erstmal online auf einen Platz. Im nächsten Schritt gibt es eine Art Probetag, an dem die potenziellen neuen Mitbewohner:innen die WG kennenlernen. Dabei schauen sie sich genauer an, wie das Leben und Wohnen in der WG abläuft und ob sie mit den Mitbewohner:innen harmonieren, denn das Miteinander steht im Vordergrund.

Warum inklusive Wohnprojekte wichtig sind

Ziel des Projekts: ein eigenständiges und möglichst selbstbestimmtes Leben für alle. Menschen mit Behinderung sollen nicht ausgegrenzt werden, sondern ganz selbstverständlich Teil des Alltags sein. Gleichzeitig profitieren auch die Studierenden vom Zusammenleben. Ihnen geht es nicht nur ums Geld sparen: "Diese Vielfalt und Liebe, die du nach einer Woche hier wohnen sofort kriegst, war etwas ganz Neues", sagt WG-Bewohnerin Enya-Emilia. Das Zusammenleben schafft Verständnis füreinander und neue Perspektiven.

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Zugleich verspricht das Projekt einen Lösungsansatz für ein Thema, über das sich viele junge Menschen Gedanken machen: Es fehlt an bezahlbarem Wohnraum. In der Trendstudie “Jugend in Deutschland 2026” geben rund 50% der 14–29-Jährigen an, dass knapper und teurer Wohnraum ihnen Sorge bereiten.

So viel Miete zahlen Studierende

Die Wohnkosten für Studierende und Auszubildende in Deutschland sind zum Sommersemester 2026 weiter angestiegen. Derzeit liegt der durchschnittliche Preis für ein Zimmer in einer WG bei etwa 512 € im Monat. Das ist ein Plus von 3,9 % im Vergleich zum Vorjahr 2025. Außerdem leben 83,4 % der Studierenden in Städten, in denen die durchschnittlichen Mietpreise über der BAföG-Wohnkostenpauschale liegen. Das zeigen Zahlen einer Analyse des Moses Mendelssohn Instituts.

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Diese inklusiven Wohnprojekte gibt es noch in Deutschland

Dass solche Projekte entstehen, liegt auch an Initiativen wie Wohn:Sinn e. V. Der Verein unterstützt und berät neue Wohnprojekte und begleitet sie bei der Umsetzung. Ziel ist es, inklusive Wohnformen weiter zu verbreiten und dadurch die Wohnsituation von Menschen mit Behinderung langfristig zu verbessern.

Wohn:Sinn e. V. ist nicht nur an der WG in Köln beteiligt gewesen, sondern hat auch die Entstehung einer ähnlichen Wohngemeinschaft von Inklusiv Wohnen Aachen e. V. begleitet. Auch Organisationen wie die Stephanus Stiftung in Berlin oder Gemeinsam Leben Lernen e. V. in München bieten solche inklusiven Wohnformen an.

Wenn du selbst nach so einer WG suchst, bieten solche Netzwerke und Vereine dir weitere Infos und Kontakte. Eine Karte mit deutschlandweiten Projekten findest du auf der Webseite von Wohn:Sinn e. V.

Bedarf an barrierefreien Wohnungen

Der Bedarf an barrierefreiem Wohnraum ist in Deutschland deutlich höher als das vorhandene Angebot, insbesondere für ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen. Schon 2022 fehlte es an ca. 2,5 Millionen Wohnungen, sagt die Bundesregierung. Der Bedarf wird in Zukunft noch weiter steigen.

Als barrierefrei gelten Wohnungen, wenn sie bestimmte Merkmale erfüllen: ein schwellenloser Zugang, keine Hindernisse innerhalb der Wohnung – z. B. Stufen – und eine ebenerdige Dusche.

Welche inklusiven Wohnprojekte gibt es noch?

Neben WGs gibt es auch andere Wohn-Modelle, bei denen du Unterstützung leistest und dafür günstiger oder sogar kostenlos wohnen kannst. Wenn du gerade deinen Schulabschluss gemacht hast oder studierst, kannst du zum Beispiel im Rahmen eines Bundesfreiwilligendienstes oder in Teilzeit Nachhilfe geben und im Gegenzug mietfrei leben. So ein Konzept bietet der Verein Tausche Bildung für Wohnen e. V. an, um vor allem jungen Menschen bezahlbares Wohnen zu erleichtern.

Ein anderes Beispiel ist das generationsübergreifende Wohnen: Plattformen wie Wohnbuddy vermitteln Wohnpartnerschaften zwischen Senior:innen und jüngeren Leuten, die sich im Alltag gegenseitig unterstützen. Weitere Wohnkonzepte findest du in diesem Artikel:

Dieser Beitrag liefert Informationen zum Instagram-Reel von kugelzwei "WG für Alle – Ohne Miete" vom 31.03.2026.