Wohnen : Wohnungssuche: 8 Ideen für bezahlbaren Wohnraum
Stand: 16.09.2024, 08:35 Von Nina Rath Gedankenspiele
Von Nina Rath
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KommentierenIm Jahr 2024 wurden in Deutschland 251.900 Wohnungen gebaut, die niedrigste Zahl seit 2015. Das ist zu wenig, um die wachsende Nachfrage zu decken. Hier kommen acht ungewöhnliche Ideen für neuen Wohnraum.
1. Mietfrei wohnen für Nachhilfe in der "Tauschbar"
Wenn du gerade deinen Schulabschluss gemacht hast oder studierst, kannst du im Rahmen eines Bundesfreiwilligendienstes oder in Teilzeit Nachhilfe geben – und dafür gratis wohnen. Der Verein Tausche Bildung für Wohnen e. V. bietet diesen Deal an.
Jeden Nachmittag kommen Kinder zwischen sechs und dreizehn Jahren zur Tauschbar. Dort hilfst du ihnen bei den Hausaufgaben, spielst mit ihnen und begleitest sie durch ihren Alltag. Im Gegenzug wohnst du mietfrei mit anderen Bildungspat:innen in einer WG. Außerdem sammelst du bei der Arbeit pädagogische und organisatorische Erfahrungen, die dir in deinem Berufsleben weiterhelfen können.
2. Weniger Miete zahlen durch generationsübergreifendes Wohnen
Wohnbuddy ist eine Plattform aus Wien, die generationenübergreifendes Wohnen vermittelt – speziell zwischen Senior:innen und jüngeren Menschen. Die Idee: Jüngere beziehen ein Zimmer bei älteren Menschen, zahlen oft eine günstige Miete und unterstützen im Alltag – im Gegenzug profitieren beide Seiten vom Miteinander, Gemeinschaft und Austausch.
Ein Algorithmus bringt passende Mitbewohner:innen zusammen. Wohnbuddy begleitet neue Wohngemeinschaften mit rechtlichen Rahmenverträgen und Angeboten zur gemeinsamen Freizeitgestaltung. Ein ähnliches Angebot bieten auch die Städte Köln, München und Frankfurt unter dem Titel "Wohnen für Hilfe" an.
So viel zahlen junge Menschen für Miete
Studierenden und Auszubildenden geben teils mehr als die Hälfte ihres Einkommens nur für Miete aus. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamts hervor. Bei Studierenden sind es rund 54 Prozent ihres Einkommens, bei Auszubildenden 42 Prozent. Beide Zahlen liegen deutlich über dem Durchschnitt in Deutschland. Der liegt bei 25 Prozent. Laut Statistischem Bundesamt gelten daher über zwei Drittel der Studierenden als überlastet.
3. Hier bekommst du Geld, wenn du hinziehst
Eine Lösung bei der Wohnungssuche kann sein, sich für neue Städte zu öffnen. Denn Wohnungsnot ist nicht überall in Deutschland ein Problem. Eberswalde in Brandenburg zahlt Studierende und Auszubildende dafür, ihren Wohnsitz in die Stadt zu verlegen: 100 Euro bei der Anmeldung und 70 Euro für jedes Semester oder Ausbildungshalbjahr.
Und Eberswalde ist nicht die einzige Stadt mit einem solchen Angebot. Cottbus zahlt 100 Euro pro Semester für alle Studierenden, Azubis und Schüler über 18 Jahren, die sich dort anmelden.
4. Bei umkämpftem Wohnungsmarkt lieber ein Tiny House kaufen?
Auch in den Niederlanden haben die Menschen vor allem in den Städten mit hohen Mietpreisen zu kämpfen. Tessa Peters und Rolf van Boxmeer haben daher die Initiative und das gleichnamige Projekt "Minitopia" ins Leben gerufen: Eine Siedlung in 's-Hertogenbosch mit 31 Tiny Houses, in denen rund 40 Menschen leben. Außerdem haben sie drei weitere "Minitopia"-Projekte in anderen niederländischen Städten aufgezogen.
Aber auch in den Niederlanden stellt man Tiny Houses nicht mal eben so auf. Um einen Teil der behördlichen Regulierungen zu umgehen, ist das Projekt "Minitopia" auf zehn Jahre begrenzt. Danach müssen die Bewohnenden ihre Häuser umsiedeln oder verkaufen.
Wäre ein ähnliches Projekt, aber mit dauerhaftem Wohnrecht in Deutschland überhaupt möglich? Bislang sind die Hürden oft noch groß, in Zukunft soll es jedoch mehr Bauplätze speziell für Tiny Houses geben. Laut Tiny-House-Verband sind derzeit rund 40 Siedlungsprojekte in Bearbeitung.
5. Baulücken schließen, bezahlbaren Wohnraum schaffen
Baulücken sind unbebaute Grundstücke, die zwischen zwei Bebauungen liegen. Solche Lücken können Platz für zusätzlichen Wohnraum bieten, auch wenn sie, besonders innerstädtisch, etwas schmal sein können. In Köln lässt sich ein außergewöhnliches Beispiel dafür finden. Dort hat der Architekt Wolfgang Zeh eine nur drei Meter breite Baulücke bebaut und lebt in diesem Haus mit seiner vierköpfigen Familie auf 80 Quadratmetern.
6. Nachverdichtung: Wohnraum durch Aufstockung von Gebäuden
Hoch hinaus statt mittendrin: Neben der Bebauung von Zwischenräumen können Häuser mit einer zusätzlichen Etage aufgestockt werden. Wenn es die bauordnungsrechtlichen Regeln hergeben, kann grundsätzlich jedes Haus mit extra Wohnraum ausgestattet werden. So haben es auch Architekt:innen in Hamburg gemacht. Dort wurde ein Wohnquartier mit einer Leichtbaukonstruktion aus Holz nachverdichtet.
Somit entstanden 47 neue Wohnungen, die in ihrer Bauweise an Baumhäuser erinnern. Durch die zusätzliche energetische Sanierung konnte der CO2-Verbrauch der Siedlung halbiert werden, während sich die Wohnfläche verdoppelte. Das Konzept hat viel Potenzial: Laut einer Studie der TU Darmstadt bietet die Aufstockung und Umnutzung von diversen Gebäudearten in Deutschland Raum für 2,3 bis 2,7 Millionen zusätzliche Wohnungen.
7. Schwimmende Siedlungen gegen Wohnungsnot
Ein ausgefallener Ansatz, um mehr Wohnraum zu schaffen, ist das Bauen auf dem Wasser. In Amsterdam findet sich dazu ein schwimmendes Pionierprojekt: die Siedlung "Schoonschip". Beim Bau der 46 Wohneinheiten wurde auf den Einsatz von nachhaltigen Rohstoffen geachtet und auch sonst stehen hier ökologische Aspekte im Vordergrund.
In Deutschland stehen die Städte unterschiedlich zur Bebauung ihrer Wasserlandschaft. Grundsätzlich sind Wasserflächen Freiräume der Allgemeinheit und einen Rechtsanspruch auf einen Platz darauf gibt es nicht. Der Bezirk Hamburg-Mitte hat beispielsweise einen eigenen Leitfaden für Interessent:innen erstellt, der die Rechtsgrundlage zusammenfasst und bei der Genehmigung von Hausbooten und schwimmenden Häusern helfen soll. Weiterer Wohnraum ist im Prinzip schon da, man muss ihn nur als solchen nutzen dürfen.
8. Umnutzung: Von Gewerbe zu Wohnraum
Viele ehemals gewerblich genutzte Gebäude stehen leer. Warum also diese nicht zu Wohnungen umbauen? Die Bank "Lloyd" hat das in Großbritannien umgesetzt: Stillgelegte Bürogebäude wurden an eine Wohnungsbaugesellschaft verkauft. Insgesamt 80 der neu entstandenen Wohnungen werden als Sozialwohnungen zu unterdurchschnittlichen Mietpreisen angeboten.
Umwidmung gibt es auch bei uns. Beispielsweise werden alte Kaufhäuser zu Kindergärten, Boulderhallen oder Kunstausstellungen.
Prof. Dr. Annette Rudolph-Cleff sieht im Hinblick auf Neubauten und den Abriss bestehender Gebäude das Gebot der Stunde darin, so viele bestehende Flächen umzunutzen, wie möglich. "Alten Bürogebäuden und Gewerbeflächen einen langfristigen Nutzen in Form von Wohnraum zu geben, ist ein super Konzept. Im besten Fall sind die Gebäude auch schon im Stadtraum vernetzt."
Die Bundesregierung hat 2023 eine Förderung eben solcher Projekte beschlossen und will sie bis Ende 2025 mit 480 Mio. Euro unterstützen. So soll etwa mit dem Konzept "Gewerbe zu Wohnraum" der Kauf, Umbau und die Sanierung von leerstehenden Büros und Läden mit billigeren Zinsen gefördert werden. Um die Nutzung von leeren Gewerbeimmobilien zukünftig zu erleichtern, wird zudem an einem Digitalisierungsverfahren gearbeitet, das die Genehmigungs- und Planungsprozesse vereinfachen soll.
Wer einen solchen Umbau durchführen will, braucht dafür eine Baugenehmigung, die von der zuständigen Stadt oder Gemeinde erteilt werden muss. Die Umwandlung von Nichtwohngebäuden zu Wohnimmobilien unterliegt neben den jeweiligen Landesbauordnungen auch kommunalen Satzungen, die beachtet werden müssen. Eigentümer:innen können für eine solche Umwidmung Förderkredite beim Bund beantragen.
Fazit: Die Lösungen für mehr Wohnraum sind vielfältig
Eines haben die von uns vorgestellten Ideen gemeinsam: Sie zeigen, dass auch Kreativität und die Eigeninitiative sozialer Gemeinschaften gefragt sind, um der Wohnungsnot zu begegnen. Davon ist auch die Architektin Prof. Dr. Annette Rudolph-Cleff überzeugt. Letztendlich ist es wohl eine Kombination vieler Lösungen, die es bedarf, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, in dem wir alle leben – und noch viel wichtiger – uns wohlfühlen können.
Miniserie: Generation Wohnkrise. Lohnt sich das? (BR)
Podcast: Wohnungsnot – Wie viel Platz brauchen wir wirklich? (Deutschlandfunk)
Quellen:
Prof. Dr. Ing. Annette Rudolph-Cleff (TU Darmstadt)
Die Mietpreisbremse bremst nicht (tagesschau.de)
Wie Wohnungsnot und Fachkräftemangel zusammenhängen (mdr.de)
Weniger Wohnungen als geplant: Statistisches Bundesamt (destatis.de)
Baulücke Köln (wolfgangzeh.de)
Treehouses Bebelallee Hamburg (blrm.eu)
Schwimmende Siedlung (schoonschipamsterdam.org)
Genehmigungsleitfaden Hamburg-Mitte (hamburg.de) (pdf)
Deutschlandstudie 2019 Wohnraumpotenziale in urbanen Lagen (tu-darmstadt.de) (pdf)
Maßnahmenpacket Wohnraumförderung Bundesregierung (bmwsb.bund.de)
Förderprogramme des BMWSB (bmwsb.bund.de)
Nutzungsänderung Stadt Köln (stadt-koeln.de)
Umwandlung von Nichtwohngebäuden zu Wohnimmobilien (bbsr.bund.de) (pdf)
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