Eine junge Frau mit langen Haaren sprayt an einer Gebäudewand.

Aylin Behringer betreut jugendliche Straftäter, die Sozialstunden leisten müssen

Sozialstunden mal anders: Mit Graffiti zurück auf der richtigen Bahn

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Aylin Behringer will straffälligen Jugendlichen mittels Kunst dabei helfen, wieder den richtigen Weg einzuschlagen.

Von Frederik Brack

Beißender Lackgeruch liegt in der Luft. Das klackernde Geräusch von geschüttelten Sprühdosen schallt über den Hinterhof des Deutschen Roten Kreuzes in Heiligenhaus. Sechs Jugendliche besprühen eine Wand mit bunter Farbe. Was zunächst illegal erscheint, ist beim genaueren Hinsehen genau das Gegenteil: Die Jugendlichen nehmen an einem Resozialisierungsprogramm teil.

Sprayen als Sozialstunden

Die 14- bis 21-Jährigen müssen alle Sozialstunden leisten. Ihre Straftaten reichen von Vandalismus über Schuleschwänzen bis hin zu kleinen Diebstählen und leichter Körperverletzung. Bei dem Graffitiprojekt des Vereins Neue Wege e.V. lernen sie, wie sie Kunstwerke auf Wände bekommen. Künstlerin Aylin Behringer unterstützt die Jugendlichen. Zusammen verschönern sie Gebäude in Mettmann, Wülfrath, Erkrath, Haan und Heiligenhaus.

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Ein Blick in die polizeiliche Kriminalitätsstatistik zeigt: Von insgesamt rund 500.000 Tatverdächtigen in NRW war im Jahr 2024 jeder Fünfte unter 21 Jahre alt. Die häufigsten Delikte waren Ladendiebstahl, Körperverletzung, Rauschgiftkriminalität sowie Sachbeschädigung.

Mehr Erziehung als Strafe

Für das Graffitiprojekt werden die straffälligen Jugendlichen individuell ausgewählt. Jan Hufendiek ist Jugendhelfer im Strafverfahren in Heiligenhaus und betont, dass die Jugendlichen für die Sozialarbeiter emotional erreichbar sein müssen. Die begangenen Straftaten dürften also nicht zu schwer sein und die Jugendlichen müssten grundsätzlich kommunikativ und offen für neue Perspektiven sein. "Der offene und lockere Rahmen beim Sprayen hilft ungemein dabei, den Jugendlichen eine neue Haltung zu vermitteln. Im Büro wirkt es schnell sehr lehrermäßig", erklärt Hufendiek. "Diese Form von Sozialstunden ist nicht als klassische Strafe gedacht, sondern als erzieherische Maßnahme."

Auf dem Boden vor einer Gebäudewand liegen mehrere Spraydosen. Zwei Hände greifen danach.

Bei den Treffen geht es auch um die Probleme und Zukunftswünsche der Jugendlichen

Das Gemälde auf dem Hinterhof des DRK nimmt inzwischen immer mehr Form an. Aylin Behringer wuselt zwischen Jugendlichen umher, gibt Verbesserungsvorschläge und Tipps, wie man die Dosen richtig hält. "Ich weiß selber, wie es ist, wenn man jung ist und keine Perspektive hat", erzählt die 29-Jährige. Deshalb möchte sie Jugendlichen, die sich einen gesellschaftlichen Fehltritt erlaubt haben, eben genau das wieder geben: eine Perspektive.

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