Geiselnahme in Düsseldorf: Banküberfall endet mit unerwartetem Todesopfer

Von Katharina Hollstein

1984 überfallen zwei Männer eine Sparkasse in Düsseldorf. Sie halten einen Mitarbeiter gefangen. Was folgt, ist die bis zu diesem Zeitpunkt längste Geiselnahme Deutschlands.

Die Filiale der überfallenen Sparkasse in Düsseldorf von außen.

Es ist der 28. August 1984 in Düsseldorf-Mörsenbroich. Eine unauffällige Wohngegend. Gegen 7.30 Uhr überfallen zwei schwerbewaffnete Männer einen Sparkassen-Mitarbeiter. In der Leitstelle geht ein Notruf aus der Bank ein. Ein Polizist prüft ihn vor Ort - die Lage ist ernst.

Werner S. sitzt in einem Büro. Sein gesicht ist unkenntlich gemacht.

Filialleiter Werner S. war an diesem Tag eine halbe Stunde zu früh bei der Arbeit. In der Tiefgarage spürte er plötzlich eine Waffe im Rücken. Der 61-Jährige ist herzkrank und trägt eine Beinprothese. Die Täter ziehen ihn ins Innere der Bank. Während des Überfalls hat er eine Herzattacke.

Ein Polizist liegt auf dem Dach der Bank und lässt ein gerät zum Abhören herunter.

Die Täter waren schon in der Nacht in die Bank eingebrochen. Der Plan: Am Morgen die Angestellten dazu zu bringen, den Tresor zu öffnen. Stattdessen nehmen sie eine Geißel. Die Polizei riegelt die Gegend ab. Die Beamten probieren, Geräusche abzuhören. Sie suchen zunächst eine Möglichkeit, über das Dach in das Gebäude zu kommen.

Unkenntlich gemachte Portraitfotos der beiden Geiselnehmer.

Ab 14 Uhr verhandelt die Polizei telefonisch mit den Tätern. Diese verlangen eine halbe Million D-Mark als Lösegeld und freies Geleit. Sie sind Düsseldorfer, 31 und 28 Jahre alt. Beide sind vorbestraft, es ist nicht ihre erste gemeinsame Tat. Die Männer sind arbeitslos, haben hohe Schulden.

Drei Personen lehnen sich auf den Kofferraum eines Zivilwagens mit Blaulicht.

Die Täter planen, mit Werner S. in seinem Auto wegzufahren, erzählt das Opfer später. Die Polizei wiederum verlangt, dass die Geiselnehmer Werner S. vor der Geldübergabe freilassen. Stundenlang streiten beide Parteien darüber.

Ein Polizeibeamter überbringt mit erhobenen Händen die von den Geiselnehmern geforderten Flaschen mit Bier und Cola.

Die Täter verlangen zusätzlich Bier, Cola und Zigaretten. Hans-Joachim Kensbock-Rieso, damals Gruppenleiter des SEK, macht die Übergabe selbst. Mit erhobenen Händen, je eine Flasche in jeder, steht er vor der Bank - und einem der Täter direkt gegenüber. Unbewaffnet und ungeschützt.

Hans-Joachim Kensbock-Rieso steht Jahrzehnte später vor der ehemaligen Sparkassen-Filiale.

Wie verlangt, stellt Kensbock-Rieso die Ware vor der Tür ab und geht. "Auf dem Weg schoss mir durch den Kopf, dass er mich gleich nochmal anspricht und sagt, ich soll mich nicht verpissen, sondern reinkommen", erzählt er später. Er habe extreme Angst gehabt. "Dann wäre ich die zweite Geisel gewesen."

Unkenntliches Portraitfoto von Werner S.

Der erste Tag der Geiselnahme geht zu Ende - ohne Ergebnis. Die Täter sagen später, sie hätten Werner S. gut behandelt. Für ihn ist die Nacht der Horror. Er habe viel an seine kranke Frau gedacht, erzählt er nach der Tat. "Das hat mich in dem Bewusstsein gestärkt, möglichst ungeschoren da durchkommen zu müssen."

Einer der Täter telefoniert maskiert in einer Telefonzelle.

Am zweiten Tag der Geiselnahme werden die Täter abgebrühter. Für 8.30 Uhr "bestellen" sie sich bei der Polizei ein Frühstück mit Zeitung und Zigaretten. Ein maskierter Mann verlässt sogar die Bank. Über eine Telefonzelle spricht er mit seiner Ehefrau, setzt sich auf die Stoßstange eines Polizeiwagens.

Ein Täter der Geiselnahme in Düsseldorf gibt später ein Interview.

Der Überfall habe sich "zufällig" ergeben, erzählen die Täter später. Eine Geisel hätten sie nicht nehmen wollen. Aber dann habe Werner S. sie überrascht und einen Notruf abgesetzt. Deswegen hätten sie ihn als Geisel nehmen müssen.

Ein Polizist hält ein Geldbündel nach oben aus der leicht geöffneten Tür eines Autos.

Einen Zugriff hält die Polizei für zu risikoreich für die Geisel. Aus einem Auto heraus werfen Beamte daher mehrere Geldbündel auf die Pflastersteine vor der Bank. Doch statt sich von der Echtheit der Scheine zu überzeugen, lassen die Täter sie liegen. Die Polizei packt die Bündel wieder ein.

Zwei Polizisten in Schutzausrüstung stehen an der Sparkasse. Einer hält eine Schusswaffe in der Hand.

Der Gesundheitszustand der Geisel wird nach der Herzattacke immer schlechter. Die Polizei muss handeln. Sie stellt fest: Werner S. darf alleine in den Keller zur Toilette gehen. Auf diesem Weg will sie ihn evakuieren. Gegen 17.30 Uhr gelangen die Beamten über den Schacht einer Klimaanlage nebenan in den Keller.

Geisel Werner S. wird von Polizisten aus dem Gebäude geführt.

Doch genau jetzt geht einer der Täter zur Toilette. Plötzlich sind zahlreiche Schüsse zu hören. Werner S. kann in Sicherheit gebracht werden, die Täter im Keller gestellt. Ein Schuss hat einen von ihnen nicht lebensgefährlich verletzt. Wie durch ein Wunder wurde niemand sonst getroffen.

Das verunfallte Auto der Ehefrau eines Täters. Daneben stehen Polizisten und hinter einer Absperrung zahlreiche Schaulustige.

Doch eine Tragödie ereignet sich vor der Bank. Als die Ehefrau eines Täters von dem Zugriff hört, rast sie panisch zum Tatort. Sie verliert die Kontrolle über ihr Auto und tötet einen 14-jährigen Jungen. Die Frau erfasst einen Ampelmast, der beim Umknicken mehrere Schaulustige verletzt.

Außenansicht des früheren Landgerichts Düsseldorf.

Die Frau sagt aus, sie habe gehofft, ihren Mann zum Aufgeben überreden zu können. Wegen fahrlässiger Tötung und Verkehrsgefährdung verurteilt das Gericht sie zu 18 Monaten Gefängnis. Beide Täter müssen wegen Geiselnahme und versuchten Mordes jahrelang in Haft.

Es ist der 28. August 1984 in Düsseldorf-Mörsenbroich. Eine unauffällige Wohngegend. Gegen 7.30 Uhr überfallen zwei schwerbewaffnete Männer einen Sparkassen-Mitarbeiter. In der Leitstelle geht ein Notruf aus der Bank ein. Ein Polizist prüft ihn vor Ort - die Lage ist ernst.

Filialleiter Werner S. war an diesem Tag eine halbe Stunde zu früh bei der Arbeit. In der Tiefgarage spürte er plötzlich eine Waffe im Rücken. Der 61-Jährige ist herzkrank und trägt eine Beinprothese. Die Täter ziehen ihn ins Innere der Bank. Während des Überfalls hat er eine Herzattacke.

Die Täter waren schon in der Nacht in die Bank eingebrochen. Der Plan: Am Morgen die Angestellten dazu zu bringen, den Tresor zu öffnen. Stattdessen nehmen sie eine Geißel. Die Polizei riegelt die Gegend ab. Die Beamten probieren, Geräusche abzuhören. Sie suchen zunächst eine Möglichkeit, über das Dach in das Gebäude zu kommen.

Ab 14 Uhr verhandelt die Polizei telefonisch mit den Tätern. Diese verlangen eine halbe Million D-Mark als Lösegeld und freies Geleit. Sie sind Düsseldorfer, 31 und 28 Jahre alt. Beide sind vorbestraft, es ist nicht ihre erste gemeinsame Tat. Die Männer sind arbeitslos, haben hohe Schulden.

Die Täter planen, mit Werner S. in seinem Auto wegzufahren, erzählt das Opfer später. Die Polizei wiederum verlangt, dass die Geiselnehmer Werner S. vor der Geldübergabe freilassen. Stundenlang streiten beide Parteien darüber.

Die Täter verlangen zusätzlich Bier, Cola und Zigaretten. Hans-Joachim Kensbock-Rieso, damals Gruppenleiter des SEK, macht die Übergabe selbst. Mit erhobenen Händen, je eine Flasche in jeder, steht er vor der Bank - und einem der Täter direkt gegenüber. Unbewaffnet und ungeschützt.

Wie verlangt, stellt Kensbock-Rieso die Ware vor der Tür ab und geht. "Auf dem Weg schoss mir durch den Kopf, dass er mich gleich nochmal anspricht und sagt, ich soll mich nicht verpissen, sondern reinkommen", erzählt er später. Er habe extreme Angst gehabt. "Dann wäre ich die zweite Geisel gewesen."

Der erste Tag der Geiselnahme geht zu Ende - ohne Ergebnis. Die Täter sagen später, sie hätten Werner S. gut behandelt. Für ihn ist die Nacht der Horror. Er habe viel an seine kranke Frau gedacht, erzählt er nach der Tat. "Das hat mich in dem Bewusstsein gestärkt, möglichst ungeschoren da durchkommen zu müssen."

Am zweiten Tag der Geiselnahme werden die Täter abgebrühter. Für 8.30 Uhr "bestellen" sie sich bei der Polizei ein Frühstück mit Zeitung und Zigaretten. Ein maskierter Mann verlässt sogar die Bank. Über eine Telefonzelle spricht er mit seiner Ehefrau, setzt sich auf die Stoßstange eines Polizeiwagens.

Der Überfall habe sich "zufällig" ergeben, erzählen die Täter später. Eine Geisel hätten sie nicht nehmen wollen. Aber dann habe Werner S. sie überrascht und einen Notruf abgesetzt. Deswegen hätten sie ihn als Geisel nehmen müssen.

Einen Zugriff hält die Polizei für zu risikoreich für die Geisel. Aus einem Auto heraus werfen Beamte daher mehrere Geldbündel auf die Pflastersteine vor der Bank. Doch statt sich von der Echtheit der Scheine zu überzeugen, lassen die Täter sie liegen. Die Polizei packt die Bündel wieder ein.

Der Gesundheitszustand der Geisel wird nach der Herzattacke immer schlechter. Die Polizei muss handeln. Sie stellt fest: Werner S. darf alleine in den Keller zur Toilette gehen. Auf diesem Weg will sie ihn evakuieren. Gegen 17.30 Uhr gelangen die Beamten über den Schacht einer Klimaanlage nebenan in den Keller.

Doch genau jetzt geht einer der Täter zur Toilette. Plötzlich sind zahlreiche Schüsse zu hören. Werner S. kann in Sicherheit gebracht werden, die Täter im Keller gestellt. Ein Schuss hat einen von ihnen nicht lebensgefährlich verletzt. Wie durch ein Wunder wurde niemand sonst getroffen.

Doch eine Tragödie ereignet sich vor der Bank. Als die Ehefrau eines Täters von dem Zugriff hört, rast sie panisch zum Tatort. Sie verliert die Kontrolle über ihr Auto und tötet einen 14-jährigen Jungen. Die Frau erfasst einen Ampelmast, der beim Umknicken mehrere Schaulustige verletzt.

Die Frau sagt aus, sie habe gehofft, ihren Mann zum Aufgeben überreden zu können. Wegen fahrlässiger Tötung und Verkehrsgefährdung verurteilt das Gericht sie zu 18 Monaten Gefängnis. Beide Täter müssen wegen Geiselnahme und versuchten Mordes jahrelang in Haft.

Stand: 02.04.2026, 07:11 Uhr