Strengere Regeln beim Tierwohl

Aktuelle Stunde 28.04.2026 27:25 Min. UT Verfügbar bis 28.04.2028 WDR Von Carsten Upadek

Neue EU-Regeln gegen Tierleid Was beim Hundekauf wichtig ist

Stand:

Neben Drogen und Waffen boomt im Netz der illegale Tierhandel. Doch Welpen aus dem Ausland sind oft krank und unzureichend sozialisiert. Die EU will das Leid der Tiere mit neuen Regeln unterbinden.

Von Ines Karschöldgen

Im Internet sind immer öfter illegale Kaufangebote für niedliche Welpen zu finden. Laut Peta finden sich pro Monat 37.000 Anzeigen für Hunde auf den größten Handels-Plattformen. Tierschützer sagen, rund 60 Prozent der Tiere seien zu jung, geschwächt, nicht geimpft und unzureichend sozialisiert - mit gravierenden Folgen für das Tierwohl und die Geldbörse der Halter.

Todesfälle und katastrophale Zustände

Der Kölner Tierarzt Ralf Unna berichtet auf WDR2 von seinen Erfahrungen: "Es gibt die grobe Faustregel, dass aus dem Welpenhandel - vor allem aus dem Ausland - ein Tier aus dem Wurf verstirbt. Die, die ankommen, sind oft im katastrophalen Zustand." Neben dem Tierleid und medizinischen Aufwand sei das auch eine finanzielle Belastung für die Halter.

"Die Kosten gehen sehr schnell in den vierstelligen Bereich." Tierarzt Ralf Unna

Druck auf Käufer bei der Übergabe

Hundewelpe sitzt in einem Transportbehälter

Fünf Hundewelpen in einem von Schleierfahndern aufgegriffenen Transport

Viele Welpen würden schon im Alter von sechs Wochen der Mutter weggenommen, dabei ist ein Grenzübertritt in der EU erst ab 15 Wochen erlaubt. Zudem würden die Händler zum schnellen Kauf drängen, erklärt Unna: "'Wenn Du morgen das Tier nicht übernimmst, wird es übermorgen getötet!' Das ist so eine Masche. Da kommen Leute mit einem halbtoten Tier an und behaupten: 'Wir haben das Tier gerettet.'"

Das könne in Tierheimen des Deutschen Tierschutzbundes mit einem festen Ort und Ansprechpartnern nicht passieren.

Gespräch mit dem Tierarzt Ralf Unna

WDR 28.04.2026 02:54 Min. Verfügbar bis 27.04.2028 WDR Online

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Neue EU-Regeln gegen Tierquälerei

Jetzt sagt das EU-Parlament dem illegalem Welpenhandel den Kampf an. Es hat am Dienstag über den Entwurf für einheitliche Standards abgestimmt. Das sind die neuen Regeln:

  • Tiere mit qualvollen Merkmalen wie zu flachen Schnauzen oder kurzen Beinen sollen nicht mehr weiter gezüchtet werden dürfen.
  • Inzucht zwischen direkt verwandten Tieren soll verboten werden.
  • Die Vorgaben für Importe aus Drittstaaten werden strenger, um den illegalen Welpenhandel einzudämmen.
  • Chippen wird bei Katzen und Hunden Pflicht.

Neue Regeln zum Schutz von Hunden und Katzen: Chippen wird Pflicht

Hunde schauen aus ihrem Gehege im Tierheim

Auch ältere Hunde können aus illegaler Zucht stammen.

Das Chippen, also das Kennzeichnen von Hunden und Katzen, wird Pflicht. Sogenannte passive Mikrochips von der Größe eines Reiskorns sollen eingepflanzt werden. Diese Chips mit einer 15-stelligen Nummer sollen Angaben zu Alter, Geschlecht und Herkunft des Tieres tragen. Die gechippten Tiere sollen in Datenbanken registriert werden - europaweit vernetzt und von den Behörden rückverfolgbar. Es gibt Haustierregister wie Findefix, Tasso oder Eurodoc, wo Chipnummer, Register, Adresse und Kontaktdaten hinterlegt werden können.

Lange Fristen bis zur Kennzeichnung

Für das Chippen sind Züchter, Händler, Tierheime und Privatleute verantwortlich. Für private Halter gilt eine Übergangsfrist von zehn Jahren für Hunde und 15 Jahren für Katzen. Entlaufene Hunde und Katzen sollen so leichter zu ihren Besitzern zurückgebracht werden können. Tiere können dann auch nicht einfach ausgesetzt werden.

Tierarzt Ralf Unna hofft, dass man "Klarheit in den Sumpf des Schwarzmarkthandels" bringen kann: "Chippen ist eine hervorragende Idee, das führt dazu, dass wir Tiere individuell erkennen können, sowohl als Tierarzt als auch Behörden. Das ist die Grundlage, um überhaupt an diese mafiösen Strukturen heranzukommen."

Woran erkennt man illegale Züchtungen?

Gechippt und gecheckt: Hundewelpen im Tierheim

Den Zustand illegaler Welpen sieht man nicht auf den ersten Blick.

"Wenn man Welpen nicht in ihrem natürlichen Umfeld in Ruhe beim Züchter beobachten darf, ist Vorsicht angebracht", warnt Tierarzt Unna. Oft drängen die Verkäufer auf eine Übergabe an öffentlichen Orten. Dann seien auch die Elterntiere nicht dabei, der Preis überteuert. Meist seien im Nachhinein die Verkäufer auch nicht mehr telefonisch erreichbar.

Verzweifelte Hunde-Halter suchen oft Rat beim Tierheim

Das Problem mit dem Welpenhandel aus dem Ausland kennt auch Susanne Müller vom Tierschutzverein Bielefeld. Darmparasiten und Würmer seien die Regel, Welpen werden zum Verkauf zu früh vom Muttertier entfernt.

Wenn Menschen dann mit dem Verhalten ihrer Hunde überfordert seien, suchen sie oft Rat bei ihr. Manche versuchten auch, Tiere abzugeben. Fehle der Chip, denken sich viele Geschichten aus, um nicht aufzufliegen, berichtet sie. Dass eine neue EU-Verordnung ausreichen wird, glaubt sie nicht: "Es wird nicht verhindern, dass Schmuggler nachts über die Grenze kommen. Es bräuchte viel mehr Kontrollen - vor allem aber Aufklärung bei den Käufern."

Tiere mit Qualzucht-Merkmalen

Romy Zeller vom Deutschen Tierschutzbund freut sich über neue EU-Haltungs- und Zuchtvorgaben für Tiere mit Qualzuchtmerkmalen aus "Zuchtfabriken". Auch wenn diese relativ unkonkret bleiben, sollen sie künftig über weitere Verordnungen reguliert werden.

"Welpenfarmen - sogenannte 'puppy mills', die Hunde- und Katzenwelpen unter tierschutzwidrigsten Bedingungen produzieren, werden zukünftig kein so leichtes Spiel mehr haben", hofft Zeller.

Tierschutzbund kritisiert Schlupflöcher und Ausnahmen

Kritisch sieht der Deutsche Tierschutzbund, dass manche der vorgesehenen Regularien für Züchter erst ab dem dritten Wurf gelten - ein Schlupfloch für unseriöse Züchter. Auch, dass Ausnahmen für Diensthunde möglich sind und Katzen auf landwirtschaftlichen Betrieben nicht unter die Verordnung fallen, ist unverständlich, denn: "Alle Tiere haben ein Recht auf Schutz", betont der Tierschutzbund.

Was beim Kauf von Hunden wichtig ist

WDR 28.04.2026 02:33 Min. Verfügbar bis 27.04.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • Ralf Unna, Tierarzt
  • Romy Zeller, Deutscher Tierschutzbund
  • Susanne Müller, Tierheim Bielefeld

Sendung: WDR 2, WDR aktuell, 28.04.2026, 6:40 Uhr

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