Wie modernisieren sich Schützenvereine? | Aktuelle Stunde
WDR. 03:04 Min.. Verfügbar bis 17.05.2028.
Überholte Tradition? : Warum sich Schützenvereine nur langsam modernisieren
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Nur Männer tragen die Uniform, nur Männer laufen im Zug mit, nur Männer zielen auf den Vogel. Die Schützenfest-Saison läuft neu an - alt ist die Kritik an den männlich dominierten Vereinen im Land. Wie schaffen sie den Spagat zwischen Tradition und Moderne?
Den Schützenverein in Thieringhausen im sauerländischen Kreis Olpe gibt es seit 1906. Dort hat es schon viele Schützenkönige gegeben. Ob dort auch mal eine Frau auf den Vogel zielen könnte? Frage an einen, der sich vor 40 Jahren auf den Schützenthron schoss: "Wir arbeiten dran", sagt Uli Schröder und schiebt einen etwas verzweifelten Lacher hinterher. "Es wird sich irgendwann bestimmt ergeben."
Frauen im Schützenverein und schwule Königspaare
Schützenkönig Gilbert Hörning
Wandel in den Vereinen ist immer wieder ein Thema. "Ich kenne viele Nachbarorte, die jetzt auch schon Frauen als Mitglieder aufnehmen, die auch schießen dürfen", erzählt der amtierende Schützenkönig Gilbert Hörning, der an diesem Tag mit seiner Frau einen königlichen Auftritt hinlegt.
Auch ein gleichgeschlechtliches Königspaar gibt es im Westen. Zum Beispiel regiert seit einem Jahr im Altkreis Lippstadt ein schwules Schützenkönigspaar. Warum denn auch nicht, sagt Hörning. Allerdings: "Vor 10 Jahren wäre das aber eher undenkbar gewesen."
Wissenschaftlich auf Schützen geblickt
Einer, der das Thema wissenschaftlich angeht, ist Jonas Leineweber von der Universität Paderborn. Er ist Kulturwissenschaftler und sagt: Bei Vereinen, die sich auf Geschichte und Tradition berufen, fänden diese Entwicklungen oft verzögert statt.
Kulturwissenschaftler Jonas Leineweber
Doch gerade in den Jahren um die Corona-Pandemie, in denen auch viele Schützenfeste ausfielen, hätten Schützenvereine viel über sich nachgedacht - auch darüber, "wie sie gesellschaftlich anschlussfähig bleiben."
"Wir sehen hier im Kreis Paderborn in den letzten zwei Jahren eine regelrechte Öffnungswelle." Jonas Leineweber, Kulturwissenschaftler
Da seien dann beispielsweise auf Mitgliederversammlungen Satzungen angepasst worden, um die Vereine auch für Frauen zu öffnen. Doch die reine Mitgliedschaft sei das eine, neue Strukturen in den Vorständen und Kompanien das andere. "Das ist eine Entwicklung die langsamer läuft."
Wie sich Vereine öffnen, könne man aber nicht verallgemeinern. Es gäbe Vereine, da habe sich eine Frauenkompanie gegründet, es gebe aber auch Vereine, in denen weniger passiere.
Männer bleiben unter sich
Im Mittelalter waren die Schützenvereine Bürgerwehren. Männer mit Waffen verteidigten ihre Stadt. Um Verteidigung geht es schon lange nicht mehr, doch die Tradition lebt auch in NRW weiter. Rund 1.800 Schützenvereine gibt es allein in Nordrhein-Westfalen. Ein großer Teil der Vereinsmitglieder ist allerdings männlich und über 60 Jahre alt.
Bei den Neusser Bürgerschützen gab es jahrelang emotional geführte Diskussionen um die Mitgliedschaft von Frauen. Und dann 2024 das eindeutige Ergebnis einer Abstimmung. Rund 86 Prozent sprachen sich damals dafür aus, dass die Frauen auch aktiv Mitglied werden dürfen. Volle Gleichberechtigung war das aber noch nicht. Sie dürfen zwar mit abstimmen, aber beim Bürgerschützenfest mitlaufen eben nicht - nur bei Spielmannszügen.
In großen Vereinen wie in Paderborn dürfen Frauen zwar Mitglieder werden, jedoch dürfen sie nicht in den Umzügen mit marschieren oder Uniformen tragen. Das geht dort nur bei den Jungschützinnen - bis sie 30 Jahre alt sind.
Vogelschuss durch Frauenhand?
Antonette Hörning
Zurück nach Thieringhausen im sauerländischen Kreis Olpe. Antonette Hörning, weiblicher Part des amtierenden Schützenkönigspaares hat da eine ganz eigene Meinung zu Frauen, die den Vogel abschießen: "Natürlich ist es Zeit dafür." Sie persönlich wolle aber nicht zum Gewehr greifen.
Unsere Quellen:
- Interview mit Kulturwissenschaftler Jonas Leineweber
- Beobachtungen der WDR-Reporterin Diana Ahrabian vor Ort
Mehr zum Thema im Netz
- Zwischen Altrhede und Büngern: Premiere für das erste Frauenschützenfest in Rhede (Bocholter Borkener Volksblatt)
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 17.05.2026, 18.45 Uhr