K.O.-Tropfen im Karneval - Prävention
Aktuelle Stunde . 10.02.2026. 39:56 Min.. UT. Verfügbar bis 10.02.2028. WDR. Von Cedrik Pelka.
K.-o.-Tropfen werden heimlich in irgendwelche Getränke gemischt und führen dazu, dass das Opfer weitgehend willenlos und leicht manipulierbar ist. Gerade an Karneval - wenn es in der Kneipe eng ist - ist es für Täter leichter als sonst, solche Substanzen unbeobachtet in Gläser zu schütten.
Welche Wirkstoffe sind im Umlauf?
Das sind viele. Die DAK-Krankenkasse spricht von mehr als 200 unterschiedlichen Substanzen, die als K.-o.-Tropfen eingesetzt werden. Am meisten verbreitet sind demnach:
- das Betäubungsmittel GHB (Gamma Hydroxy-Buttersäure)
- und seine chemische Vorstufe GBL (Gamma-Butyrolacton)
Diese beiden Substanzen sind in der Partyszene auch unter der Bezeichnung "Liquid Ecstasy" oder "G-Juice" im Umlauf.
Betäubende Wirkstoffe werden aber nicht nur in Form von K.-o.-Tropfen in Getränken verabreicht, sondern zum Beispiel auch als Zusätze in E-Zigaretten. "In der letzten Zeit werden vermehrt synthetische Cannabinoide in E-Liquids gefunden, die als K.o.-Mittel eingesetzt wurden", teilte das Landeskriminalamt (LKA) Nordrhein-Westfalen am Dienstag dem WDR mit. Das Problem dabei sei, dass man das "aufgrund unauffälliger Aromastoffe" nicht durch Riechen erkennen könne.
Das LKA NRW weist daraufhin, dass auch Arzneimittel verwendet werden - vor allem Schlaf- und Beruhigungsmittel wie Valium und Rohypnol). "Aber auch Neuroleptika, Antidepressiva oder Narkotika können derartig missbraucht werden."
Wie erkenne ich, dass ich K.-o.-Substanzen zu mir genommen habe?
"Das ist für die Betroffenen kaum möglich", sagte Dr. Arndt Berson am Dienstag dem WDR. Er ist Hausarzt in Kempen und Vizepräsident der Ärztekammer Nordrhein. "Da die Substanzen meist farb-, geruch- und geschmacklos sind, kann man das nicht erkennen." Eine Hilfe könnten "K.-o.-Tropfen-Schutzarmbänder" sein, die sich bei Kontakt mit GHB-Substanzen verfärben.
Dr. Arndt Berson von der Ärztekammer Nordrhein
Da die Wirkung meist schlagartig einsetze, bleibe keine Zeit zu reagieren. "Es kann zu einer erheblichen Müdigkeit bis zur Bewusstlosigkeit kommen." Der Kopf werde schwer und der Körper gehorche nicht mehr, so Berson. Das fühle sich laut den Berichten von Betroffenen anders an, als wenn man betrunken sei. "Manche beschreiben im Nachhinein auch, dass sie vor dem Zusammenbruch kurz eine euphorische oder enthemmte Phase hatten."
Wie sollten meine Freunde reagieren?
"Wenn es während einer Party oder einer Feier Unsicherheiten über den Gesundheitszustand einer Person gibt, sollte man unter der Telefonnummer 112 den Rettungsdienst alarmieren", rät der Arzt Arndt Berson. "Bis die Rettung da ist, darf man die Person nicht allein lassen." Man solle sie ansprechen und versuchen, sie wachzuhalten.
Falls Erbrechen drohe, solle man die Person in die "stabile Seitenlage" bringen - um zu gewährleisten, dass die Atemwege frei bleiben. Es sei auch wichtig, Puls und Atmung zu kontrollieren. "Im Ernstfall, also bei Atem- und Herzstillstand, müssen Wiederbelebungsmaßnahmen eingeleitet werden."
Bei Verdacht auf ein Verbrechen, so Berson, solle auch die Polizei informiert und Beweise gesichert werden, wie zum Beispiel ein Glas. "Die Zeugen sollten sich für ihre Aussage gegenüber den Beamten auch die Uhrzeit und die Umstände merken."
Was sollte ich im Verdachtsfall tun?
Wer alleine wach wird und merkt, dass "etwas nicht stimmt", sollte umgehend einen Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen. "Denn viele Substanzen sind nur wenige Stunden lang im Blut und Urin nachweisbar", erklärte Allgemeinmediziner Berson. "Dort können nicht nur Beweise gesichert, sondern auch eventuelle Verletzungen nach sexualisierter Gewalt behandelt und dokumentiert werden."
Auch das LKA NRW rät: "Opfer von K.-o.-Tropfen-Attacken sollten schnellstmöglich eine rechtsmedizinische Ambulanz zur Untersuchung aufsuchen." Außerdem solle in jedem Fall eine Strafanzeige bei der Polizei, der Staatsanwaltschaft oder bei Gericht erstattet werden.
Wie kann ich vermeiden, ein K.-o.-Mittel-Opfer zu werden?
Das Landeskriminalamt NRW hat folgende Verhaltenstipps, um die Gefahr zu verringern, Opfer einer Straftat zu werden:
- Nicht übermäßig viel Alkohol trinken.
- Keine vermeintlich harmlosen Medikamente (zum Beispiel gegen Kopfschmerzen) von Fremden annehmen.
- Offene Getränke nicht unbeaufsichtigt lassen. Getränke selbst holen oder von der Bedienung selbst entgegennehmen.
- Von Fremden Getränke allenfalls in original verschlossenen Flaschen annehmen.
- Von Fremden keine Zigaretten oder E-Liquids annehmen.
- Vorsicht grundsätzlich auch bei der Annahme von Speisen von Fremden.
- Bekannte und Freunde sollten aufeinander achten. Vorsicht ist vor allem dann geboten, wenn sich Fremde um die hilfsbedürftige Person kümmern und sie wegführen wollen.
- Sofort Hilfe beim Personal oder anderen Gästen einfordern.
- Im Zweifel sofort die Polizei verständigen unter der Notrufnummer 110.
Unsere Quellen:
- WDR-Gespräch mit Dr. Arndt Berson, Vizepräsident der Ärztekammer Nordrhein
- WDR-Anfrage an das LKA Nordrhein-Westfalen
- Informationen auf der Homepage des LKA NRW
- Informationen auf der Homepage der DAK-Krankenkasse
Sendung: WDR 5, Neugier genügt, Wie können Frauen sicher feiern, 10.02.2026, 10:04 Uhr
