Klassischerweise geht sie im Mai los und zieht sich bis in den September: die alljährliche Hochzeitssaison. 2024 haben in NRW 77.247 Paare geheiratet. Und dieser besondere Tag hat sie mitunter viel Geld gekostet.
Jahrelang sparen oder Schulden machen
Laut dem Wedding-Report 2026 des Online-Wedding-Planners Bridebook geben Menschen 2026 durchschnittlich 17.006 Euro für eine Hochzeit aus - der Preis steigt damit um 2,5 Prozent im Vergleich zu 2025. In NRW liegen Menschen in etwa im Bundesdurchschnitt: Hier geben sie 17.565 Euro aus. Das Teuerste an Hochzeiten ist die Location mit rund 8.568 Euro - ohne Speisen und Getränke, die noch hinzukommen.
Zum Vergleich: Nach Angaben des Marktforschungsinstituts Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hatten Deutsche 2025 ein durchschnittliches Jahres-Nettoeinkommen von 29.566 Euro. Das heißt, sie geben knapp ein Drittel davon für eine Hochzeit aus. Es ist so viel Geld, dass sich gar manche Paare bei Familie oder Freunden Geld leihen müssen.
Wie tagesschau.de in Bezug auf den Finanzdienstleister Raisin berichtet, wollen acht Prozent der angehenden Eheleute die Hochzeit in Raten abzahlen. Weitere acht Prozent planen sogar einen Kredit bei einer Bank aufzunehmen und neun Prozent überziehen für die Hochzeit - zumindest kurzzeitig - ihr Konto. Die meisten Paare sparen zwischen einem und zwei Jahren auf ihre eigene Hochzeit, 40 Prozent der Paare unter 30 sogar länger als drei Jahren.
So kann man eine Hochzeit günstig halten
"Mein Spartipp Nummer Eins ist, die Personenzahl zu reduzieren und nicht Menschen aus Pflichtgefühl einzuladen", sagt Katharina Gronwald-Stolte. Sie ist seit acht Jahren Hochzeitsplanerin ihrer eigenen Agentur in Münster. Bis zu 15 Hochzeiten plant sie pro Jahr, nicht nur in NRW, sondern deutschlandweit. Entscheidet man sich für eine Hochzeit mit bis zu 30 Gästen, spart man laut Bridebook im Vergleich zu einer Feier mit bis zu 90 Gästen im Schnitt 6.500 Euro.
Hochzeitsplanerin Katharina Gronwald-Stolte organisiert bis zu 15 Hochzeiten pro Jahr
Wer eine Hochzeit günstiger halten möchte, sollte außerdem auf die Jahreszeit und den Wochentag achten. Laut Bridebook ist der mit Abstand beliebteste Tag für Hochzeiten, der Samstag, mit 18.357 Euro im Durchschnitt auch der Teuerste. Am günstigsten ist aber der Sonntag mit 14.444 Euro. Mit Blick auf den Monat sind die Unterschiede noch deutlicher: Während man im Hochzeitsmonat Nummer Eins, dem August, durchschnittlich 19.835 Euro ausgibt, sind es im Januar nur 8.500 Euro.
Um Kosten zu sparen, gibt es zudem die Möglichkeit, ein Hochzeitskleid oder einen Anzug second hand zu kaufen. Entsprechende Läden gibt es beispielsweise in Euskirchen, in Wuppertal, in Hürth oder in Bochum. Und auch Dekoration und Blumen müssen nicht zwangsläufig neu sein, sondern können bei Dekorations- oder Eventverleihen gemietet werden.
Katharina Gronwald-Stolte hat noch einen Tipp:
"Die goldene Regel ist, vier Wochen vor der Hochzeit nichts mehr zu kaufen oder zu buchen, weil man dann meistens sehr viele unsinnige Sachen bestellt." Hochzeitsplanerin Katharina Gronwald-Stolte
Der Wedding-Report von Bridebook gibt zudem an, dass Low-Budget-Hochzeiten unter 10.000 Euro zum Beispiel auf DJs verzichten und stattdessen eine eigene Playlist nutzen oder auf digitale Einladungen statt hochwertige Druckvarianten setzen.
Insgesamt sei eine gute, vorausschauende Planung mit einem klaren Budget und Prioritäten essentiell, sagt Gronwald-Stolte. Sie weiß aber auch: "Da Hochzeiten so emotional sind, werden Budgets natürlich auch gern mal gesprengt."
Hochzeiten werden zunehmend aufwändiger
Doch Hochzeiten werden seit Jahren nicht nur teurer, sondern auch aufwändiger. Manche gehen mittlerweile gar über mehrere Tage. Diesen Trend beobachtet auch Katharina Gronwald-Stolte. "Die Qualität der Hochzeiten nimmt zu. Es werden weniger Menschen eingeladen, dafür investiert man aber mehr in gutes Essen und gute Musik, um eine längere, intensivere Zeit miteinander zu verbringen." Durchschnittlich feiern Paare ihre Hochzeit laut Bridebook mit 82 Gästen.
Sebastian Lück von der Scheunentraum GmbH, die die Hochzeitslocation Gut Neuenhof in Aachen betreibt, teilt diese Beobachtung.
"Paare achten stärker darauf, ihr Budget gezielt einzusetzen. Das bedeutet aus unserer Sicht: lieber eine hochwertige, persönliche Feier mit etwas kleinerer Gästezahl als eine sehr große Hochzeit mit weniger Spielraum pro Gast." Sebastian Lück, Scheunentraum GmbH
Hochzeiten, die im Scheunentraum für das kommende und das übernächste Jahr geplant seien, wären tendenziell wieder kleiner. "Unser Eindruck ist, dass dies auch mit der aktuellen wirtschaftlichen und geopolitischen Unsicherheit zusammenhängt - etwa steigenden Lebenshaltungs-, Energie- und Mobilitätskosten."
Obwohl die Hochzeiten also wieder etwas kleiner werden, bleiben sie konstant teuer. Diese Entwicklung erklärt Hochzeitsplanerin Gronwald-Stolte so: "Nach Corona gab es eine große Nachfrage nach Hochzeiten und Feiern. Und zugleich mussten Dienstleister ihren jahrelangen Umsatzausfall wieder einfangen. Daher kam es in der gesamten Eventindustrie zu einer enormen Preissteigerung." Hinzu käme die wirtschaftliche Lage samt Inflation, die Deutschland seit Jahren belaste, inklusive erhöhter Nebenkosten, Rohstoffkosten und Personalkosten.
Paare haben höhere Ansprüche an ihre Hochzeit
Sie beobachtet aber zugleich auch, dass die Ansprüche von Paaren gestiegen sind. "Viele legen zum Beispiel einen viel größeren Wert auf Fotografie, als das früher der Fall war. Deswegen ist dort die Zahlungsbereitschaft höher. Zugleich führt das dazu, dass Fotografen ihre Preise angepasst haben." Die gestiegenen Ansprüche erklärt sich Gronwald-Stolte auch mit Social Media, wo Visualität und Ästhetik von Bildern eine große Rolle spielen. Dazu zählt, dass mehr in Dekoration und schöne Blumen investiert werde.
Für viele Paare sind schöne Dekoration und Blumen essentiell für die perfekte Hochzeit
Laut Bridebook geben Paare durchschnittlich 1.656 Euro für einen Fotografen (und 1.695 für einen Videografen) aus, womit dies, nach Location, Catering und Hochzeitskleid, der viertteuerste Kostenfaktor einer Hochzeit ist.
"Es gibt nicht mehr viele Lebensereignisse, die man so groß und mit allen feiert. Es wird zwar insgesamt weniger gefeiert, aber wenn, dann mit einem sehr hohen Anspruch" Hochzeitsplanerin Katharina Gronwald-Stolte
Trotz der Preissteigerungen in den vergangenen Jahren glaubt sie nicht, dass die Preise noch weiter stark steigen werden. "Zurzeit habe ich das Gefühl, dass die Preise für meine Hochzeitspaare in einigen Bereichen am Maximum angekommen sind und hier keine weitere Preissteigerung mehr tragbar ist."
Übrigens: Manche Hochzeitslocations sind bereits jetzt für 2027 an den Sommerwochenenden fast komplett ausgebucht - so auch die Scheunentrau-Location in Aachen.
Unsere Quellen:
- Interview mit Katharina Gronwald-Stolte von Katharina Gronwald Weddings & Events
- Statement vom Sebastian Lück, Scheunentraum GmbH
- Bridebook-Wedding-Report 2026
- Kaufkraftreport der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) 2025
Sendung: WDR.de, 17.000 Euro für eine Hochzeit? So lässt sich sparen, 06.06.2026, 05:01 Uhr
