- Sendehinweis: Hier und heute | 27. November 2025, 16.15 - 18.00 Uhr | WDR
Die Stars sind jetzt Zimt, Nelken, Piment, Anis, Kardamom und Muskatnuss. Sie geben Plätzchen, Glühwein und vielen anderen Leckereien den charakteristischen Geschmack – und ganz nebenbei können sie unserem Körper guttun. Viele Gewürze stammen ursprünglich aus Asien und aus tropischen und subtropischen Regionen. Sie galten lange als luxuriöse Exoten, die wegen ihrer Seltenheit und teils medizinischen Eigenschaften sehr begehrt und teuer waren. Zimt, Muskat, Kardamom und Nelken waren z. B. so kostbar, dass sie nur in wohlhabenden Kreisen verwendet wurden, etwa in feinem Gebäck, festlichen Speisen und Heilmitteln. Mit der Zeit etablierten sich diese Gewürze vor allem in der Winterküche: Ihre intensiven Düfte und Aromen harmonieren besonders mit Vorweihnachtsbräuchen wie dem Backen von Plätzchen und Lebkuchen oder dem Würzen von Glühwein. Bis heute wecken diese Gewürze Kindheitserinnerungen.
Geschmack und Wirkung
Gewürze sorgen nicht nur für Geschmack, sondern enthalten Stoffe, die verschiedene Wirkungen haben können. Schon seit Jahrtausenden nutzt die Naturheilkunde dieses Wissen. Vor allem im Ayurveda, einer der ältesten Heiltraditionen der Welt, spielen Gewürze eine große Rolle. Manche Effekte sind wissenschaftlich nachgewiesen, andere wurden über Generationen weitergegeben. Dazu gehören entzündungshemmende, antibakterielle, beruhigende oder krampflösende Eigenschaften. Hinweis: Wer gesundheitliche Beschwerden mit Gewürzen behandeln möchte, sollte sich vorher beraten lassen – am besten auch mit einem Arzt oder einer Ärztin sprechen.
Weihnachtliche Gewürzkunde mit Ernährungsexpertin Anja Tanas
Hier und heute. 27.11.2025. 01:44:01 Std.. Verfügbar bis 27.11.2027. WDR.
Ätherische Öle
Ätherische Öle sollen heilen.
Wichtiger Bestandteil vieler Gewürze sind ätherische Öle. Diese „Vielstoffgemische“ bestehen aus leicht flüchtigen Verbindungen und haben nichts mit normalen Speisefetten zu tun. Sie entstehen in den Pflanzenzellen und werden dort gespeichert. Für die Pflanzen selbst sind sie eine Art Kommunikationsmittel, etwa um Insekten anzulocken oder fernzuhalten. Das volle Aroma kommt aber erst dann heraus, wenn die Zellen, in denen die Öle stecken, aufgebrochen werden. Deshalb lohnt es sich ganze Gewürze zu kaufen und sie erst kurz vor dem Kochen zu zerstoßen. Pulver verliert durch die flüchtigen Öle schnell an Geschmack. Getrocknete Kräuter und Gewürze verderben nicht, verlieren jedoch ihr Aroma. Daher möglichst frisch verbrauchen. Am besten lagert man sie trocken, kühl und dunkel – nicht über dem Herd, wo heißer Dampf aufsteigt. Luftdichte Dosen sind ideal. Beim Kochen die Gewürzmenge zuerst auf einen Löffel geben, erst dann ins Essen – so klumpt nichts durch den Dampf.
Kardamom
Kardamom ist eines der ältesten Gewürze der Welt und wächst vor allem in Indien, Afrika und Asien. Kardamom passt zu herzhaften und süßen Gerichten und ist auch eine beliebte Zutat in Tees. Seine ätherischen Öle unterstützen die Verdauung. Große, kräftig grüne Kapseln sind besonders hochwertig. Wegen der vielen Aroma- und Wirkstoffe spielt Kardamom im Ayurveda eine wichtige Rolle – er regt Appetit, Verdauungssäfte und Kreislauf an.
Anis und Sternanis
Anis und Sternanis klingen und riechen ähnlich – beide landen gerne in Weihnachtsgebäck. Trotzdem sind sie botanisch völlig verschieden. Beide enthalten ein ätherisches Öl, in dem Anethol steckt, das krampflösend und schleimlösend wirken soll. Deshalb werden sie bei Erkältungen oder Bauchweh in der Naturheilkunde empfohlen.
Anis stammt aus dem Mittelmeerraum und wurde schon von den alten Ägyptern genutzt. Seine Samen schmecken nach Lakritz oder Fenchel. Sternanis ist die Frucht eines immergrünen Baums aus China. In den Sternspitzen liegen die Samen, doch der Großteil des Aromas steckt in der Hülle.
Nelken
Nelken können gegen Entzündungen wirken.
Nelken schmecken sehr intensiv und sollten sparsam verwendet werden – sie sind echte „Prisen-Gewürze“. Sie passen gut in kräftige Gerichte, aber auch in Weihnachtsgebäck und Glühwein. Verwendet wird der getrocknete Nelkenkopf, am besten ganz gekauft. Nelken enthalten viel Eugenol – einen Stoff, der stark riecht und in hoher Konzentration sogar ätzend sein kann. In kleinen Mengen verwdnet, kann Nelkenöl aber bei Zahnfleischentzündungen oder -schmerzen helfen, denn es wirkt lokal betäubend und hat eine starke antibiotische Wirkung. So können Entzündungen gelindert und Keime bekämpft werden. Als Gewürz unterstützt die Nelke außerdem die Verdauung schwerer Speisen. Heute gilt sie als naturheilkundliches Arzneimittel.
Piment
Piment enthält viele ätherische Öle – darunter vor allem Eugenol, das auch in Nelken vorkommt und für den typischen Duft mitverantwortlich ist.
Muskatnuss
Würziges Halluzinogen – die Muskatnuss
Der Muskatsamen, den wir Muskatnuss nennen, und die Macisblüte, die ihn umgibt, enthalten Stoffe, die anregend und in größeren Mengen sogar berauschend wirken können. Ein Bestandteil, das Monoterpen, fördert die Durchblutung der Zellen. Manche Abbauprodukte ähneln Mescalin oder Amphetaminen. Trotzdem wird Muskat in manchen Ländern traditionell bei Magenproblemen eingesetzt. Wichtig: Nie mehrere Gramm auf einmal essen!
Zimt
Zimt ist die getrocknete Rinde des Zimtbaums und wird bei uns meist gemahlen verwendet. Auch das ätherische Zimtöl wird aus der Rinde gewonnen und wegen seiner desinfizierenden und durchblutungsfördernden Wirkung genutzt. Der Aromastoff Cumarin, der in Zimt steckt, kann in sehr hohen Mengen gesundheitsschädlich sein und wird mit Leberproblemen und Krebsrisiken in Verbindung gebracht. Hochwertiger Ceylon-Zimt aus Sri Lanka enthält jedoch viel weniger Cumarin als Cassia-Zimt, der vor allem aus China und Südostasien stammt. Bei normalem Genuss besteht kein Risiko. Unterscheiden kann man die Sorten auch optisch: Cassia-Zimt hat dicke, einzeln gerollte Stangen, Ceylon-Zimt besteht aus mehreren dünnen Lagen und schmeckt milder und feiner.