Beeren unterm Solardach: Obstbauer aus Senden testet neue Anbaumethode

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Bei Alexander Grothues im Münsterland wachsen Beeren unter Solarpanelen. Was steckt hinter dem Konzept "Agri-Photovoltaik" und kann die Landwirtschaft wirklich davon profitieren?

Von
Josefine Upel
und (Text) und Markus Wollnik (Multimedia)

Alexander Grothues ist von unzähligen Johannisbeersträuchern umgeben. Konzentriert hangelt sich der Obstbauer von einem Zweig voller roter, reifer Früchte zum nächsten und pflückt die Beeren ab. Die Pflanzen auf dem Hof Grothues-Potthoff in Senden stehen unter großen Platten mit schwarzen Zellen. Unter einem Solardach von rund 6000 Quadratmetern hat Grothues die Beeren angebaut.

Was ist Agri-PV?

Vor drei Jahren entstand auf dem Hof im Münsterland die Idee, eine Agri-Photovoltaik-Anlage zu installieren. Die Kombination aus Stromerzeugung und Pflanzenanbau ist noch recht neu. Die meisten der vorhandenen Module sind Forschungsanlagen. Doch der Obstbauer in Senden hat Ernst gemacht. Und kann jetzt ordentlich ernten.

Neben den Solar-Früchten baut Grothues auch Freiland-Johannisbeeren an. "Wir sehen hier eindeutig Hitzeschäden. Man könnte sagen, Sonnenbrand. Auch die Blätter haben deutliche Verbrennungen", erklärt er und zeigt auf ein gelbes Blatt mit brauner, runzeliger Seite. Grothues Solaranlagen erzeugen also nicht nur Strom, sondern schützen seine Beeren auch vor Sonne, Hitze und Hagel. Und sie reduzieren durch geringere Verdunstung den Wasserverbrauch.

Nachteile bremsen Ausbau

Ohne Haken ist das Projekt allerdings nicht. Die Investitionskosten sind hoch, der bürokratische Aufwand beträchtlich und die Einspeisevergütung zu gering, so Grothues. Ein weiterer Nachteil: Nicht jede Frucht fühlt sich unter den Solarmodulen gleich wohl. Erdbeeren zum Beispiel lieben Licht und Sonne, bekommen davon unter den Panelen aber zu wenig ab. "Den Mangel kann man schmecken", sagt der Obstbauer. Die Erdbeeren seien auch kleiner als die aus dem Folienanbau.

  • Zum Beitrag: "Erdbeeren der nächsten Generation: Warum immer mehr in Tunneln wachsen"

Grothues Fazit: Wenn ein Hof selbst nur wenig Strom verbraucht, ist Agri-PV unattraktiv. "Wir würden gerne mehr bauen, aber da wir im Moment nicht mehr Strom selbst verwerten können, ist es leider sehr unwirtschaftlich." Daher ist eine Erweiterung der Anlagen für ihn erstmal keine Option.

Über dieses Thema berichten wir voraussichtlich am 18.08.2025 auch im WDR-Fernsehen: Lokalzeit aus Münsterland, 19.30 Uhr.