Die Gesellschaft in unserem Sendegebiet ist von Vielfalt in allen Lebensbereichen geprägt: Einwanderung und interkultureller Kontakt sind gelebter Alltag, genau wie Diversität bei der sozialen und kulturellen Herkunft, beim Alter, Gesundheitszustand oder der sexuellen Orientierung. In unserem Bundesland leben so viele Menschen mit eigener oder familiärer Einwanderungsgeschichte wie nirgends sonst in Deutschland: 5,8 Millionen Menschen – ein Drittel der Bevölkerung. Bei Menschen unter 18 Jahren ist es sogar fast die Hälfte.
Deshalb hat der WDR als erster Sender die "Charta der Vielfalt" unterzeichnet und Integration und kulturelle Vielfalt zur zentralen Aufgabe für die Entwicklung eines Programms für alle erklärt. Wir wollen das vielfältige Leben darstellen, aus den Erfahrungen und Lebenswelten der Menschen in NRW schöpfen undschon 2003 unterzeichnet und Integration und kulturelle Vielfalt damit zur zentralen Aufgabe erklärt: für die Entwicklung eines Programms für alle. Wir wollen das vielfältige Leben darstellen, aus den Erfahrungen und Lebenswelten aller Menschen in NRW schöpfen und unser gesamtes Publikum ansprechen.
Unsere WDR-Vielfaltsstrategie für das Programmarbeit besteht aus vier Säulen:
- Wir achten darauf, dass wir die vielfältigen Themen und Menschen in unserem Sendegebiet in all unseren Angeboten zeigen. Auch viele unsere Reporter:innen, Moderator:innen, Expert:innen und Protagonist:innen haben internationale Biografien und kommen zu allen Themen zu Wort, die NRW zu bieten hat.
- Wir bauen unser Wissen rund um gesellschaftliche Vielfalt und insbesondere die Einwanderungsgesellschaft aus und sensibilisieren uns durch Fortbildungen und Trainings für Themen, die die Menschen in NRW bewegen.
- Wir stärken die Vielfalt unserer Redaktionen, indem wir journalistischen Nachwuchs suchen und fördern, u in den Redaktionen auf unterschiedliche Perspektiven der Programmentscheider:innen und der freien Kolleg:innen achten.
- Wir beobachten und reflektieren unsere Fortschritte, treten in Dialog mit dem Publikum und justieren nach.
Wichtiger Teil der Arbeit im Themenbereich Vielfalt und Medien ist auch die Vernetzung: Wir sind Teil des ARD-Diversityboards sowie des Diversitäts-Netzwerks der Europäischen Rundfunkunion EBU. Der WDR hat aktiv am „Dialogforum Medien und Integration“ des Nationalen Aktionsplans Integration mitgearbeitet und ist Mitglied im Beirat für Teilhabe und Integration des Landes NRW, sowie in der Landesinitiative "Vielfalt verbindet – Interkulturelle Öffnung als Erfolgsfaktor". Wir kooperieren mit der Wissenschaft, etwa durch Projekte an verschiedenen Hochschulen, und sind Dialogpartner in deutschen und europäischen Initiativen, die sich mit spezifischen Fragen der Medien und Vielfalt befassen.
Eine Auswahl der aktuellen Projekte:
WDR grenzenlos: Junge Talente mit internationalen Biografien
Die Talentwerkstatt WDR grenzenlos professionalisiert seit 2005 junge Journalist:innen mit internationaler Herkunft. Das Format startet alle zwei Jahre und beginnt mit einer Seminarphase, in der journalistische Grundlagen vermittelt werden. Eine Hospitanz in verschiedenen WDR-Redaktionen ermöglicht danach praktische Erfahrungen und den Einblick in Arbeitsabläufe. Zahlreiche junge Menschen konnten so bereits die journalistische Arbeit kennenlernen und ihre Perspektiven in die Redaktionen des WDR einbringen. Viele Teilnehmende haben sich anschließend beim Auswahlverfahren für das Programmvolontariat durchgesetzt und sind heute programmprägende Persönlichkeiten. Seit 2021 wird die Talentwerkstatt durch ein Mentoring-Programm erweitert.
Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums trafen sich im Oktober 2025 zahlreiche Alumni, um Erinnerungen auszutauschen, Kontakte aufzufrischen und die Entwicklung des Programms zu feiern. WDR grenzenlos gilt als best practice-Beispiel dafür, journalistischem Nachwuchs mit internationalem Hintergrund den Weg in Medienhäuser zu erleichtern.
Wie vielfältig ist unsere Belegschaft?
Seit 2014 erhebt die WDR-Hauptabteilung Personal gemeinsam mit dem Büro der Integrationsbeauftragten Daten zum sogenannten Migrationshintergrund bei Neueinstellungen. Bei dieser Umfrage machen die neu eingestellten Mitarbeiter:innen, Volontär:innen, Auszubildenden und Trainees freiwillig und anonym Angaben. Die Daten, die auch zwischen journalistischen und nicht-journalistischen Arbeitsbereichen unterscheiden, zeigen einen Trend hin zu einer noch vielfältigeren Belegschaft, was vor allem bei den Volontär:innen sichtbar ist. So ist insgesamt der Anteil der Neueinstellungen mit Einwanderungsgeschichte seit 2018 um zehn Prozent angestiegen.
Journalistisch arbeiten in der pluralen Gesellschaft
Der professionelle Umgang mit Vielfalt in der Programmarbeit steht im Mittelpunkt des regelmäßig stattfindenden Seminars „Berichterstattung in der pluralen Gesellschaft“. Dieser ist fester Bestandteil der Ausbildung von Volontär:innen und wird darüber hinaus als Fortbildungsangebot durchgeführt. In kombinierbaren Modulen werden hier Kenntnisse über die Einwanderungsgesellschaft, rassismuskritisches Denken und Arbeiten sowie Raum zur Reflektion unterschiedlicher Perspektiven für verschiedene Zielgruppen angeboten.
Publikumsforschung: junge Menschen mit Einwanderungsgeschichte
Um diese Frage zu beantworten, haben die WDR-Medienforschung und die Integrationsbeauftragte mehrere Publikumsstudien durchgeführt. 2019/20 wurden in einem zweistufigen Forschungsprojekt junge Menschen aus NRW im Alter zwischen 20 und 40 Jahren mit internationalen Biografien über ihre Mediennutzung und Wünsche an die Medien und speziell die Angebote von WDR/ARD befragt. Eins der zentralen Ergebnisse: der Wunsch nach Sichtbarkeit von Menschen mit Einwanderungsgeschichte als Protagonist:innen und Medienmacher:innen in den Programmen, sowie der Wunsch, die vielfältige Alltagsnormalität in den Medien zu sehen.
Auch in dem Forschungsprojekt „Sounding Boards Vielfalt“ diskutierten 2021 und 2022 Menschen mit Einwanderungsgeschichte in einer Kombination aus Online-Befragung und Focus-Gruppen 21 WDR-Formate und Angebote. Die wichtigsten Ergebnisse: Insgesamt gab es ein gutes Feedback für starke Themen, Hintergrundinformationen, Orientierung, Vielfalt, Ansprache auf Augenhöhe. Ein Befund, der sich mit früherer Forschung deckt: Es werden starke Identifikationsfiguren erwartet.
Vielfalt in der Regionalberichterstattung
Menschen aus der Region, die eine Einwanderungsgeschichte haben, treten seit 2021 in den regelmäßigen Austausch mit den Teams der WDR-Landesstudios. In den elf Studios wird im Dialog auf die Frage eingegangen: Bildet die Regionalberichterstattung meine Welt ab? Im Fokus der Gespräche in den Landesstudios standen die Themen Herkunft und kulturelle Vielfalt, sowie sozio-ökonomische Vielfalt.
Darüber hinaus lädt das Format „Westdeutscher Rundfunk trifft…“ regelmäßig verschiedene gesellschaftliche Gruppen zum Austausch ein. 2025 kamen in diesem Rahmen junge Muslim:innen aus NRW im Studio Duisburg sowie Spätaussiedler aus dem Rheinland und Ruhrgebiet mit Herkunft in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion im Studio Bonn zusammen, um ihren Blick auf die Berichterstattung des WDR einzubringen. Im selben Jahr fand auch das Gespräch mit jungen Muslimen im Studio in Duisburg statt.
Die Dialoge wurden von den Teilnehmenden bisher ausdrücklich positiv bewertet, da sie Sichtbarkeit schaffen und zeigen, dass der WDR ernsthaft an Austausch interessiert ist.
Impulsgespräche der Integrationsbeauftragten
Integration und Interkulturalität gehören zu den Themen, die im Redaktionsalltag immer wieder für Fragen sorgen: Wie umgehen mit Rassismus und Hass? Was ist wichtig beim Berichten über bestimmte gesellschaftliche Gruppen? Die Integrationsbeauftragte bietet mit den Impulsgesprächen ein Forum für Austausch und Selbstreflexion. Unter den Gästen der Impulsgespräche waren bereits die ehemalige Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Reem Alabali-Radovan, der Soziologe Aladin El-Mafaalani, der Beauftragte der Bundesregierung für den Kampf gegen den Antisemitismus Felix Klein, der Terrorismus-Experte Peter Neumann, der NSU-Opferanwalt Mehmet Daimagüler oder der Experte für postsowjetische Migration, Jannis Panagiotidis.
Nennung der Herkunft in der Berichterstattung
Die Frage, ob und wann die Herkunft von Tatverdächtigen in der Berichterstattung genannt werden sollte, gehört zu den Themen, über die Medien heute intensiver diskutieren als früher. Journalistische Praxis entwickelt sich weiter und muss gesellschaftliche Veränderungen ebenso berücksichtigen wie journalistische Standards. Gerade bei der Nennung der Herkunft gilt es daher, sorgfältig abzuwägen. Um Redaktionen bei dieser Abwägung zu unterstützen, hat eine Arbeitsgruppe einen Fragenkatalog entwickelt. Er soll dabei helfen, im konkreten Einzelfall zu prüfen, ob die Nennung der Herkunft journalistisch relevant und verantwortbar ist. Die Leitfragen bieten Orientierung für eine reflektierte Entscheidungspraxis und tragen dazu bei, Berichterstattung transparent, differenziert und sensibel zu gestalten.
Newsletter der Integrationsbeauftragten
In ihrem Newsletter informiert die Integrationsbeauftragte über neue Entwicklungen in der Diskussion rund um Einwanderung, Diversity im Programm, (Anti-)Rassismus, Interkultur. Der Newsletter stellt Menschen und Projekte im WDR vor, gibt Empfehlungen über Neuerscheinungen und schlägt Gesprächspartner:innen zu aktuellen Themen vor.
Einfach anmelden unter: integration@wdr.de