Hanno Busch

WDR Jazzpreis 2026: Hanno Busch

"Mein Interesse geht schlagartig runter, wenn die Balance zwischen Instrument und musikalischem Kontext zum Instrument kippt." Was Gitarrist Hanno Busch als Leitsatz für seinen Hör-Geschmack formuliert, das könnte auch als Motto über seiner eigenen Musik stehen: Wichtig ist die Band, die Stimmung, das Feeling – nicht der Budenzauber.

"Achtsam grooven" – So funktioniert auch sein 2013 gegründetes Trio mit Claus Fischer, E-Bass und Jonas Burgwinkel, Schlagzeug. Das macht keinen Muskel-Jazz, hier wird quasi "achtsam gegroovt". Entwicklung darf aus der elastischen Repetition wachsen, aus dem Schwung gemeinsam gestalteter Figuren. Dann entsteht eine Musik, die klar und filigran wirkt, auch wenn sie laut und druckvoll ist. Ein Sound, zu dem sich auch intellektuelle Jazz-Nerds beim Mitnicken ertappen, beim Melancholisch-in-die-Ferne-Schauen oder einfach Sich-gut-Fühlen.

Hanno Busch ist selber ein Jazz-Akademiker ohne Angst vor Pop. Melodien? Ja, gerne! Experiment? Schon, um neue Klänge zu finden! Krawall? Eher nicht. Egotrip schon gar nicht.

Er muss auch nicht die Band anführen, um glücklich zu sein. Ein echtes Kollektiv unter Hanno Buschs Projekten war das Quartett "Sommerplatte". Es erfand spannende, improvisationsfreudige Songs mit dem Charme von Pop, nur ohne ablenkenden Gesang. Vier herrliche Alben gibt es.

Aber bei aller Bescheidenheit – wenn's passt, kann Hanno Busch natürlich auch das aufregende Solo mit weitem Bogen. Und wie ausgecheckt er sein Instrument spielt, dafür steht nicht zuletzt seine Vergangenheit als Fernsehmusiker (u.a. bis 2017 bei der TV total-Band "heavytones") oder Begleiter von Pop-Stars (Peter Licht, Max Mutzke, Jan Delay). Seit 2024 ist er auch Professor für Jazz-Gitarre in Köln.

Eine Karriere voller imposanter Fixpunkte. Im Zweifel allerdings hat sich Hanno Busch immer fürs künstlerische Wagnis entschieden. Er sagt es nicht so, aber könnte es: Wenn die Balance zwischen Sicherheit und Kreativität zur Sicherheit kippt, dann lieber weg, was Neues probieren!

Text: Odilo Clausnitzer

Die Preisverleihung am 27. März wird live ab 20.03 Uhr in der Sendung WDR 3 Konzert im Radio übertragen. Zusätzlich gibt es einen Livestream in der WDR 3 App, auf wdr3.de auf der Internetseite der WDR Big Band sowie bei Facebook und YouTube. Am 29. März um 8.15 Uhr sendet das WDR Fernsehen die Höhepunkte des Preisträgerkonzerts, eine Wiederholung ist für Dienstag, den 31.03. um 01.45 Uhr geplant.