Tag des Trinkgelds. Wie viel soll ich geben? | WDR aktuell

WDR 02:31 Min. Verfügbar bis 21.05.2028

Welt-Trinkgeld-Tag Trinkgeld in NRW: Wie viel ist üblich und wer bekommt es?

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Wie viel Trinkgeld ist üblich? Kommt Kartentrinkgeld beim Personal an? Antworten zum Welt-Trinkgeld-Tag.

"Stimmt so!" - dieser Satz fällt in Restaurants wahrscheinlich jeden Tag tausendfach. Doch rund ums Trinkgeld gibt es inzwischen viele Fragen: Wie viel gilt als fair? Wird bei Kartenzahlung anders gegeben? Und wer bekommt das Geld am Ende eigentlich?

Zum Welt-Trinkgeld-Tag geht es deshalb nicht nur um die Höhe des Trinkgelds. Sondern auch darum, warum viele Menschen die Auswahlfelder auf Kartenlesegeräten kritisch sehen, ob digitales Trinkgeld wirklich beim Personal ankommt - und warum Trinkgeld für viele Beschäftigte in der Gastro wichtig bleibt.

Wie viel Trinkgeld gilt in Deutschland als üblich?

In Deutschland gelten laut der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, kurz NGG, etwa zehn Prozent als üblich. Bei besonders gutem Service dürften es auch 15 Prozent sein. Auch andere Studien kommen auf ähnliche Werte.

Eine Untersuchung der Stiftung für Zukunftsfragen zeigt: Bei einer Restaurantrechnung von 50 Euro halten die Menschen im Schnitt 4,50 Euro Trinkgeld für angemessen - also etwa neun Prozent. 2014 lag der Durchschnitt noch bei 3,50 Euro, also rund sieben Prozent.

Die meisten Menschen bewegen sich laut der Studie irgendwo dazwischen: Zwei Drittel finden bei 50 Euro Rechnungsbetrag ein Trinkgeld von drei bis fünf Euro passend.

Warum ist Trinkgeld für viele Gastro-Beschäftigte so wichtig?

Die NGG betont, dass viele Beschäftigte in Restaurants, Cafés oder Biergärten vergleichsweise wenig verdienen. Trinkgeld sei deshalb für viele ein wichtiger Teil des Einkommens.

Auch die Hochschule Fresenius schreibt in einer Veröffentlichung 2025, Trinkgeld sei ein "wesentlicher Einkommensbestandteil" vieler Servicekräfte. Besonders in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten spiele das eine wichtige Rolle.

Kommt Trinkgeld per Karte wirklich beim Personal an?

Genau das beschäftigt viele Gäste. Laut einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbands Bitkom vertraut nur gut die Hälfte der Kunden darauf, dass digitales Trinkgeld vollständig beim Personal landet.

Die NGG rät Gästen deshalb sogar nachzufragen, ob das Geld wirklich bei Service und Küche ankommt. Trinkgeld dürfe nicht mit dem Lohn verrechnet werden und müsse vollständig an die Beschäftigten gehen.

Warum sorgen Trinkgeld-Vorschläge auf Kartenlesegeräten für Kritik?

Viele Menschen empfinden die vorgeschlagenen Beträge auf Kartenlesegeräten als unangenehm oder manipulativ. Laut der Bitkom-Umfrage finden nur 29 Prozent solche Vorschläge praktisch. 64 Prozent sagen sogar, dass sie dadurch mehr Trinkgeld geben als eigentlich geplant.

Mehr als zwei Drittel finden es außerdem unangemessen, wenn erst ab zehn Prozent Auswahlmöglichkeiten angezeigt werden.

Geben Menschen bei Kartenzahlung weniger Trinkgeld?

Darauf deuten mehrere Untersuchungen hin. Laut der Hochschule Fresenius wird bei Kartenzahlungen oft weniger Trinkgeld gegeben als bei Barzahlung. Ein Grund: Viele vergessen den zusätzlichen Betrag beim digitalen Bezahlen. Deshalb setzen viele Restaurants inzwischen auf Trinkgeld-Abfragen am Kartenlesegerät.

Wer bekommt das Trinkgeld im Restaurant eigentlich?

Laut NGG wird Trinkgeld in vielen Betrieben im Team aufgeteilt. Nicht nur Kellnerinnen und Kellner profitieren davon, sondern oft auch Küchenhilfen oder Minijobber.

Die Gewerkschaft betont aber auch: Trinkgeld müsse zusätzlich zum normalen Lohn gezahlt werden. Es dürfe nicht genutzt werden, um Kassenminus oder niedrige Gehälter auszugleichen.

In welchen Bereichen geben Menschen besonders wenig Trinkgeld?

Besonders selten gibt es Trinkgeld laut NGG in Fast-Food-Restaurants rund um Burger, Pizza oder Döner. Eine repräsentative Befragung der Hochschule Fresenius zeigt außerdem: In Selbstbedienungs-Restaurants halten nur sechs Prozent Trinkgeld überhaupt für üblich. In Bäckereien sind es elf Prozent.

Trinkgeld ist freiwillig und zählt nicht zur Rente. Genau darauf weist die NGG hin. Deshalb fordert die Gewerkschaft weiterhin höhere Tariflöhne in der Gastronomie. Auch Forschende der Hochschule Fresenius schreiben, Trinkgeld könne niedrige Löhne zwar teilweise ausgleichen. Dauerhaft attraktiv würden Gastro-Berufe aber nur mit besseren Gehältern.

Wie unterschiedlich ist Trinkgeld international?

In den USA ist Trinkgeld deutlich stärker Teil des Einkommens als in Deutschland. In Städten wie New York City gelten in Restaurants oft 20 Prozent als Standard. Bei größeren Gruppen wird das Trinkgeld dort häufig sogar automatisch auf die Rechnung gesetzt.

Trinkgeld ist in Schweden weniger üblich als in vielen anderen Ländern. Das liegt daran, dass man in vielen Cafés Essen und Getränke einfach selbst an der Theke holt und die Servicegebühr ist dann im Preis schon mit drin. Außerdem werden die Angestellten in der Gastrobranche in Schweden im Ländervergleich recht gut bezahlt und sind deshalb nicht unbedingt auf Trinkgeld angewiesen.

In Japan gilt Trinkgeld häufig als unhöflich oder beleidigend. Denn die japanische Sicht darauf ist: Gebe ich zum Beispiel einem Kellner Trinkgeld, will ich damit zum Ausdruck bringen, dass er seinen Job schlecht gemacht hat und sein Chef ihn deshalb bestimmt nicht bezahlen wird. In Schweden wiederum wird meist einfach aufgerundet. Durch automatische Trinkgeld-Abfragen auf Kartenlesegeräten sind die Beträge dort zuletzt aber gestiegen.

Unsere Quellen:

  • Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG)
  • Bitkom (Repräsentative Befragung)
  • Repräsentative Appinio-Befragung der Hochschule Fresenius, Artikel in: „WiSt"
  • Bericht der DPA
  • Straßenumfrage / Vox Pops zum Thema Kartenlesegeräte und Trinkgeld

Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 21.05.2026, 12:45 Uhr