VfL-Stadion

Bis 2029 Umbauarbeiten am Ruhrstadion werden VfL-Fans beeinträchtigen

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Das Bochumer Ruhrstadion soll bis 2029 umfassend saniert werden. Die Stadt geht dafür mit rund 90 Millionen Euro in Vorleistung. Der Fußball-Zweitligist VfL soll dafür eine höhere Pacht zahlen - allerdings ist die Höhe vom Erfolg abhängig.

Von Philipp Rentsch

Ab September rollen die ersten Bagger. Das Ruhrstadion als Spielstätte des Fußball-Zweitligisten VfL Bochum ist in die Jahre gekommen und soll aufwendig saniert werden. Am Dienstagabend haben Vertreter von Stadt und Verein das Vorhaben näher vorgestellt.

Diskussion um VfL-Stadionmodernisierung

WDR Studios NRW 29.04.2026 00:33 Min. Verfügbar bis 28.04.2028 WDR Online

Zustand des Stadions problematisch

Ziel ist es, das Stadion bis zu seinem 50-jährigen Bestehen im Jahr 2029 umfassend zu modernisieren. Dafür investiert die Stadt als Eigentümerin mehr als 90 Millionen Euro. Tatsächlich ist der Zustand des Stadions an der Castroper Straße so problematisch, dass der VfL seine Heimspielstätte ohne umfassende Sanierungsmaßnahmen künftig nicht mehr nutzen könnte. Ein erheblicher Anteil der im städtischen Haushalt veranschlagten 91,9 Millionen Euro wird daher allein für den Erhalt der bestehenden Bausubstanz benötigt.

Brandschutz und Technik veraltet

Veraltet sind unter anderem die Stadiontechnik und die sanitären Anlagen. Noch schwerer wiegt das Fehlen eines zeitgemäßen Brandschutzkonzepts. Vor diesem Hintergrund bezeichnet Oberbürgermeister Jörg Lukat die Maßnahmen als "unumgänglich" und zeigt sich überzeugt davon, dass dem VfL anschließend ein "für die nächsten Jahrzehnte bundesligataugliches Stadion" zur Verfügung stehen wird.

Saniertes Stadion für 28.000 Zuschauer

Allerdings sind Zweifel erlaubt, ob sich diese Erwartungen erfüllen. Trotz der hohen Investition werden sich die messbaren Verbesserungen für den Verein in Grenzen halten. Zwar soll der Komfort gesteigert und an moderne Standards angepasst werden, wovon auch die Mannschaft profitiert - unter anderem durch neue Umkleidekabinen. Darüber hinaus beschränken sich die Neuerungen im Wesentlichen auf 2.000 zusätzliche Plätze, einen erweiterten VIP-Bereich sowie eine Fan-Plaza, die als Eingangsbereich dienen soll.

VfL-Stadion

2.000 zusätzliche Plätze soll es nach der Sanierung im VfL-Stadion geben.

Die zusätzlichen Plätze entstehen größtenteils dadurch, dass bislang aus Sicherheitsgründen gesperrte Bereiche wieder genutzt und Sitzplätze in Stehplätze umgewandelt werden. Insgesamt soll das Stadion künftig rund 28.000 Zuschauer fassen. Allerdings übersteigt die Karten-Nachfrage teilweise schon heute das zukünftige Angebot.


Pacht wird an Erfolg des VfL angepasst


Ein zentrales Problem bleibt die wirtschaftliche Perspektive: Zwar kann der VfL als Mieter zusätzliche Einnahmen etwa durch den erweiterten VIP-Bereich generieren, gleichzeitig wird jedoch auch die Pacht an die Stadt deutlich steigen. Diese ist abhängig von der Ligazugehörigkeit des VfL. Für die Stadt bedeutet das: Es ist nicht klar, wann sich die Baumaßnahme amortisieren wird. 

"Die Vereinbarung mit dem VfL ist, dass die Miete marktgerecht ist. Die Pacht wird in der 2. Liga natürlich niedriger sein als in der Bundesliga. Das ist vertraglich fixiert", erklärte Ralf Meyer, Geschäftsführer der Bochumer Sportstätten-Besitzgesellschaft, auf WDR-Nachfrage. 


Riskante Finanzplanung

Die Berechnungen der Stadttochter gehen laut Wirtschaftsplan von einem baldigen Wiederaufstieg aus – eine durchaus riskante Finanzplanung. Weiter absteigen darf der VfL erst recht nicht. Denn auf Anfrage der Ratsfraktion Stadtgestalter/Volt antwortete die Verwaltung der Stadt kürzlich: "Bei einer Ligazugehörigkeit in der dritten Liga ist eine Amortisation der Baukosten durch die Pachteinnahmen nicht gegeben."

Fans erwartet eine harte Zeit

Ilja Kaenzig

VfL-Geschäftsführer Ilja Kaenzig

Die Frage lautet ohnehin: Ist die Stadt angesichts einer angespannten Haushaltslage dafür zuständig, dem VfL eine wettbewerbstaugliche Spielstätte zur Verfügung zu stellen? Der Verein freut sich in jedem Fall darüber. "Wir könnten dies sonst nicht stemmen und sind glücklich, dass die Stadt die Investition übernimmt", sagte VfL-Geschäftsführer Ilja Kaenzig im WDR-Interview, der die Fans am Dienstagabend auf drei harte Jahre eingestimmt hat:

Die Sanierung findet im laufenden Spielbetrieb statt, dadurch müssen wir alle Opfer erbringen. Das Bekenntnis zur Castroper Straße macht das Leiden während der dreijährigen Bauzeit erträglicher. VfL-Geschäftsführer Ilja Kaenzig

Der VfL rechnet mit signifikanten Einnahmeverlusten während der Bauphase. Laut Vereinbarung zwischen Stadt und Bauunternehmen sollen während der Arbeiten aber stets mindestens 18.000 Plätze verfügbar bleiben.

Stadt: Ausbau nicht realisierbar

Angesichts dieser Rahmenbedingungen und der hohen Kosten stellen sich Teile der Fangemeinde auch die Frage, warum keine alternativen Lösungen verfolgt wurden. Ein Ausbau am bestehenden Standort wurde geprüft, von der Stadt aber als praktisch nicht realisierbar bewertet. Das Ruhrstadion genießt sogenannten Bestandsschutz, der bei größeren baulichen Veränderungen gefährdet wäre.

Ein Aus- oder Neubau würde die Lärm- und Verkehrssituation deutlich verändern. Deshalb wurde die Idee verworfen. Ein kompletter Neubau an einem anderen Standort wurde ebenfalls diskutiert, jedoch von der Lokalpolitik und der Vereinsführung mehrheitlich verworfen. Eine solche Lösung gilt als unpopulär, nicht zuletzt wegen der langen Tradition des momentanen Standorts. Darüber hinaus wären die Kosten für einen Neubau weder für die Stadt noch für den Verein tragbar.

Unsere Quellen:

  • WDR-Reporter vor Ort
  • Ratsinformationssystem der Stadt Bochum
  • Hintergrundgespräche

Sendung: WDR 2, WDR Aktuell, 29.04.2026, 6 Uhr

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