Yeonjeong An (Korea) am Schwebebalken bei den World University Games.
Wie viel Weltklasse steckt in den World University Games?
Stand:
Drei Tage Ruhe haben die deutschen Beachvolleyball-Gold-Jungs der World University Games, Maximilian Just und Philipp Huster. Danach geht es schon weiter im Terminkalender, die Beachvolleyball-EM in Düsseldorf wartet auf die beiden. Der Luxus, bei mehreren Spitzenevents antreten zu dürfen, ist längst nicht allen Athleten und Athletinnen vergönnt. Viele entschieden sich aus Termingründen gegen die Weltstudentenspiele.
"Heute Abend trinken wir noch ein Bier – vielleicht auch zwei oder drei", alberten Maximilian Just und Philipp Huster im Siegerinterview herum. Verdient hätten sie es sich. Die beiden deutschen Beachvolleyball-Riesen zeigten im Finale der World University Games ihr bestes Spiel des Turniers und schickten ihre niederländischen Gegner deutlich mit 21:13 und 21:12 vom Platz.
World University Games - Zusammenfassung des zehnten Tages
Sport. 26.07.2025. 22:08 Min.. Verfügbar bis 26.07.2026. WDR.
Doch, und das betonten die beiden Goldgewinner im selben Atemzug, gelte es jetzt, sich auf die kommende Beachvolleyball-EM in Düsseldorf vorzubereiten. Die startet nur vier Tage nach ihrem jüngsten Finalsieg und dort treffen die beiden Deutschen auf ganz andere Kaliber – unter anderem das gesamte Olympia-Podest von 2024, inklusive der Silber-Gewinner Nils Ehlers und Clemens Wickler.
Wettkämpfe ohne Ende: Athleten vor der Qual der Wahl
Maximilian Just und Philipp Huster haben Gold bei den World University Games geholt - direkt im Anschluss müssen sie zur EM.
Für Just und Huster könnte die kurze Regenerationszeit noch reichen. Athleten anderer Sportarten dagegen waren durch die enge Terminvergabe in diesem Sommer nicht selten vor die Entscheidung gestellt: internationale Meisterschaft oder Weltstudentenspiele?
Getroffen hat es etwa die Schwimmerinnen und Schwimmer. Top-Stars der Szene wie Lukas Märtens oder einige US-Stars wären theoretisch startberechtigt für die University Games, entschieden sich aber für den WM-Start –in Märtens Fall mit großem Erfolg. Nicht, dass Märtens die Bühne bei den Rhein-Ruhr Games nötig hätte, um sich zu zeigen. Aber es zeigt die Dimension derer, die fehlen, wenn die FISU die besten Studentinnen und Studenten zu ihren Weltspielen ruft.
Längst nicht nur Schwimmer haben diese Terminkonflikte: Meisterschaften wie die U23-EM der Leichtathletik, die Fecht-WM, Beachvolleyball-EM, die Finals in Dresden oder die U23-Ruder-WM finden unmittelbar vor oder nach den University Games statt, teils überschneiden sich die Events sogar.
Und sie alle stehen in Konkurrenz um die internationale Aufmerksamkeit von Athleten, Verbänden und Fans. Vornehmlich, so hört man es aus den Delegationen, priorisieren Verbände ihre sportinternen Meisterschaften, wo auch Nicht-Studenten antreten dürfen. Die jeweils besten Sportlerinnen und Sportler blieben den World University Games mehrheitlich fern.
Konkurrierende Wettbewerbe machen die University Games nicht überflüssig
Wie Lukas Märtens haben sich viele Schwimmerinnen und Schwimmer für die Weltmeisterschaften in Singapur entschieden. Andere dagegen versuchen den Spagat. So trat das deutsche Team im Wasserspringen quasi in Bestbesetzung an und heimste zum Lohn viele Medaillen ein – obwohl die deutsche Delegation mit Moritz Wesemann und Lena Hentschel kurz danach in Richtung Singapur aufbrach, um ebenfalls an der Schwimm-WM teilzunehmen.
World University Games - Tag 3 - Goldmedaille für deutsche Team-Wasserspringer
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Die Diskurswerfer Mika Sosna und Steven Richter sind den umgekehrten Weg gegangen. "Nach dem U23-Titel war ein bisschen die Luft raus – ich bin nicht in diesen Modus gekommen, wie ich ihn gebraucht hätte", gab Richter nach dem Wettbewerb zu. Bei der U23-EM gewann er noch Gold vor Sosner, bei den World University Games musste er sich hinter seinem Landsmann einreihen. Aus deutscher Sicht war der wiederholte Doppelsieg dennoch ein Statement der deutschen Diskus-Elite.
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Auch in anderen Sportarten traten Weltklasse-Athleten auf der Bühne der World University Games an. Allen voran der dreifache Turn-Olympiasieger von Paris, Shinnosuke Oka (Japan), und die deutsche Olympia-Vierte in der Rhythmischen Sportgymnastik, Margarita Kolosov, sowie die ehemalige Turn-Europameisterin Emma Malewski. Ihr Wettkampfplan ließ einen Auftritt bei den Weltstudentenspielen zu.
Im Lager der deutschen Bogenschützen zeigte man sich ebenfalls interessiert an den Spielen und freute sich über die Veranstaltung in Rhein-Ruhr: Es sei eine wertvolle kleine Olympia-Simulation, die viele Athleten nirgendwo anders so erfahren könnten.
Hambüchen, Steffen & Co. – Weltkarriere nach der Universiade
Ein Wort nutzen viele Athleten, wenn sie auf den Stellenwert der World University Games angesprochen werden. Es lautet "Sprungbrett". Mit Blick auf die Historie wird klar, warum das so ist, obwohl einige ganz große Namen fern blieben. Britta Steffen, Fabian Hambüchen, Betty Heidler, Britta Heidemann – sie alle haben einst an den Weltspielen der Studierenden teilgenommen und holten im Anschluss jeweils Olympische Medaillen für Deutschland.
Womöglich haben also so einige deutsche Sport-Stars bei den University Games Erfahrungen sammeln können, von denen sie später auf der Weltbühne profitierten. Und womöglich werden auch Athleten aus der 33. Auflage der Spiele in Rhein-Ruhr in einigen Jahren ein ganz selbstverständlicher Teil der sportlichen Weltelite sein. Aufstrebende Sportler wie Mika Sosna, Steven Richter, die deutschen Gold-Wasserball-Frauen, Diskus-Bronzemedaillengewinnern Antonia Kinzel oder das Beachvolleyball-Duo Just/Huster hätten sicher nichts dagegen.
Unsere Quellen:
- Reporter vor Ort
- WDR-Interviews