Wasserballer Josef Schuler als Fahnenträger bei der Eröffnungsfeier.
Ganz viel Lob und etwas Bahn-Frust – so erleben Sportler die World University Games
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Man darf sie als Generalprobe sehen, die World University Games an Rhein und Ruhr. Schließlich erhebt die Region den Anspruch, für Deutschland bei der kommenden Olympia-Bewerbung an den Start zu gehen. Athletinnen und Athleten loben die Bedingungen und die Stimmung in den Arenen – und berichten von überraschenden Freundschaften.
Würde man auf einem Globus eine lange Nadel ins Ruhrgebiet stechen, sie käme auf der anderen Seite überraschend nah an Neuseeland heraus. Mindestens 18.000 Kilometer liegen zwischen dem Ruhrgebiet und der Pazifik-Nation und entsprechend lang dauerte die Anreise. "Wir hatten bestimmt 40 Stunden Reisezeit hinter uns, bis wir in Duisburg angekommen waren", berichten Josef und Isaac Schuler, die für Neuseeland im Wasserball antreten.
Klasse Event, wäre da nicht die Bahn
Eine der ersten Erfahrungen, die die Brüder in Deutschland gemacht haben? "Wir vertrauen der Bahn nicht mehr." Die Anreise von Berlin per Zug habe die beiden ganz schön abgeschreckt. Immerhin: Auf der Fahrt konnten die beiden ein Essener Ehepaar kennenlernen und prompt zu Wasserball-Fans konvertieren. Beim Eröffnungsspiel gegen Deutschland kam die beiden zum Anfeuern – in Neuseeland-Fankleidung.
Wasserballer Josef Schuler in Aktion gegen das deutsche Team.
Abseits vom Bahn-Stress sind die Schuler-Brüder deutlich positiver aufgelegt: "Es ist so viel besser als ich es erwartet habe", freut sich Josef nach seiner ersten Woche bei den University Games. Er hatte die Ehre, für Neuseeland die Fahne bei der Eröffnungsfeier in Duisburg zu schwenken – das war für ihn wie auch seinen jüngeren Bruder Isaac das große Highlight der Spiele.
Auch ansonsten sind sie sehr zufrieden. Besonders der Sportpark Duisburg, mit großem Sporthotel und fußläufigen Wettkampfstätten, begeistert die beiden – zu Hause hätten sie nichts Vergleichbares. So käme ein wenig olympisches Flair auf: "Noch mehr Athleten auf einem Fleck wären natürlich cool, aber ich bin trotzdem echt happy, wie es ist", findet Isaac Schuler.
Rhein-Ruhr: mittendrin und dennoch weit weg
Die Wasserballer dürfen als eine der wenigen Sportarten bei den World University Games von Anfang bis Ende bleiben. Andere, wie Goldmedaillengewinnerinnen Margarita Kolosov (Rhythmische Sportgymnastik) oder die 3x3-Basketball-Frauen, haben ihren Auftritt längst hinter sich, mussten nach der Medaillenvergabe direkt wieder abreisen. Mehr Zeit in Rhein-Ruhr lässt der Wettkampfkalender schlicht nicht zu.
Auch wenn Fans und Athleten das Event loben - nicht alle Hallen sind gut ausgelastet.
Doch mehr Zeit bei den Spielen bedeute nicht automatisch mehr Zeit für andere Events, merken die Schuler-Brüder an. Beim Beachvolleyball nebenan seien sie einmal gewesen, ja, aber abseits davon bleibt neben Training, Match und dem Anfeuern der Kolleginnen wenig Zeit.
Dadurch bleibt der olympische Spirit, den die World University Games heraufbeschwören wollen, doch eher lokal behaftet. Die dezentrale Organisation sorgt dafür, dass nicht viele Athletinnen und Athleten sich außerhalb von Training und Wettkampf noch freiwillig auf den Weg machen, um Wettkämpfe in anderen Städten zu besuchen. Arenen wie Hagen und Mülheim bleiben entsprechend leer.
"Frankreich hat es besser gemacht"
Joadel Gardoque und Elouan Chouikh-Barbez haben es an ihrem freien Nachmittag zumindest eine Stadt weiter geschafft. Das Beachvolleyball-Duo aus Frankreich nutzt die spielfreie Zeit, um sich die Wettkämpfe in Essen anzusehen. Sie haben bereits internationale Erfahrung und finden: "Es ist ein wunderschönes Event". Ob NRW auch Olympia könnte? Es wäre sicherlich ein guter Platz für die Spiele, aber: "Frankreich hat es besser gemacht", sagen sie mit einem Augenzwinkern.
Insgesamt ist der Tenor überwiegend positiv: viele Athleten freuen sich über die große Bühne, die die University Games ihrem Sport bieten, Besucher äußern sich meist begeistert über das, was geboten wird – beide Gruppen loben die Organisation. Zuletzt bemängelte Schwierigkeiten bei der Akkreditierung einiger Athleten –inklusive stundenlanger Wartezeit – scheinen schnell wieder vergessen.
Kurze Wege sind ein Vorteil
Die dezentrale Organisation der Wettkämpfe hätte auch ihre Vorteile, findet zumindest Josef Schuler: "Ich denke, es ist besser hier in Duisburg zu sein. An einem großen Ort wie Berlin wäre alles viel weiter, die Reisezeiten viel länger." Er und sein Bruder hätten am Duisburger Sportpark dagegen alles was sie benötigen direkt vor der Tür.
In ihren letzten Tagen in NRW wollen die Wasserballer, die im Herzen große Basketball-Fans sind, am liebsten noch ein Spiel des US-Teams sehen. Das stünde neben einem Konzert noch ganz oben auf ihrer Wunschliste.
Ansonsten freuen sie sich, noch ein paar andere Athleten kennenlernen zu dürfen – auch das ist schließlich ein wichtiger Teil des Events. Denn mit jeder neuen Bekanntschaft, und sei es das Kartenspiel mit einem Esser Ehepaar im Zug – wird die Welt ein bisschen kleiner.
Unsere Quellen:
- Reporter vor Ort
- WDR-Interviews