Symbolbild - Leere Ränge bei den World University Games

World University Games begeistern – aber eben nicht die Massen

Stand:

Die halbe Welt, so scheint es, ist derzeit zu Besuch im Ruhrgebiet und Berlin für die World University Games. Zumindest was die Sport-Delegationen der jeweiligen Nationen betrifft. Die Zuschauer beim größten Sportevent des Jahres, gemessen an dessen Teilnehmerzahlen, kommen vornehmlich aus der Region – sofern sie denn tatsächlich mitbekommen haben, dass in NRW weltklasse Sport stattfindet.

Von Oliver Riedel

Der lauteste Schrei auf dem Center Court des ETUF Essen kam am Donnerstagabend von Estzer Méri. Ein Wunder, dass die Slowakin dazu noch die Kraft hatte – schließlich wurde sie drei Stunden von ihrer Halbfinalgegnerin Vaishnavi Adkar über den Tennisplatz geschickt. Méri hatte den ersten Satz mit 2:6 verloren.

Dennoch wurde ihre Geschichte am Ende eine siegreiche. Underdog gegen vermeintliche Übermacht, ungebrochener Kampfeswille gegen kühle Dominanz – für Geschichten wie diese wird der Sport von seinen Fans geliebt. Nur gab es nicht viele Fans, die diese Emotionen live vor Ort mitbekamen.

Teure Arenen, aber nicht viele sehen sie

Dabei ist das weniger ein Problem der Location an sich, der Eintritt für Zuschauer ist verhältnismäßig günstig, beim Tennis oftmals sogar kostenfrei. Zudem war das Tennisgelände des ETUF Essen mit viel Geld saniert und für die World University Games hergerichtet worden, obwohl die sportliche Nachnutzung auf dem Gelände des Amateurvereins unklar ist. Am Donnerstagnachmittag waren im Essener Center Court in der Spitze jedenfalls etwa ein Drittel aller Sitzplätze besetzt.

Testlauf für Olympische Spiele in Deutschland?

Sport 13.07.2025 06:44 Min. Verfügbar bis 24.07.2026 WDR

Knapp 15 Kilometer weiter zeigte sich im Bochumer Lorheidestadion ein ähnliches Bild. Das über 50 Millionen Euro teure runderneuerte Stadion ist das zentrale Schmuckstück der World University Games. Zum medaillenreichen Höhepunkt der Leichtathletik am Donnerstagabend war das Wattenscheider Stadion in Bestform, mit hochwertigen Sportanlagen und ausgelassener Stimmung auf den Rängen.

An Tag vier der Leichtathletikwettbewerbe füllte sich die Lohrheide merklich im Vergleich zu den vorigen Veranstaltungen. Während der sportlichen Höhepunkte waren die Tribünen um den Zielbereich voll besetzt mit Fans, Athleten und Funktionären. Abseits davon sah das wiederum deutlich dünner aus.

Das modernste Leichtathletik-Stadion Deutschlands

Sport 25.07.2025 02:58 Min. Verfügbar bis 24.07.2026 WDR

Haben die World University Games ein Marketing-Problem?

Grundsätzlich ist das keine überraschende Erkenntnis, selbst bei Olympischen Spielen sind nicht alle Wettbewerbe ausverkauft. Von den sportlich weniger bedeutsamen Weltstudentenspielen wäre das ebenso wenig zu erwarten.

Jedoch überrascht, dass – neben der vielseits gelobten Organisation – außerhalb der Sportstätten nur selten Werbung für die Spiele zu sehen ist. Auch wenn sich die Organisatoren auf Nachfrage zufrieden geben mit der Auslastung: Als zentrale Präsentation des Standorts NRW für eine Olympiabewerbung wecken die University Games längst nicht so viel Sporteuphorie im Ruhrgebiet, wie die Sportstätten es hergeben würden. Es verfängt der Eindruck, wichtiges Marketing-Potenzial wurde verschenkt.

World University Games - Tag 8 - Leichtathletik und weitere Sportarten im Re-Live

Sport 24.07.2025 01:29:08 Std. Verfügbar bis 24.07.2026 WDR

Zeche Zollverein: Essens Antwort auf den Pariser Invalidendom

In der Bochumer Jahrhunderthalle dürfte man das anders sehen. In der alten Maschinenhalle begeisterten die 3x3-Basketball-Wettbewerbe vor oftmals vollen Zuschauerrängen. Das urbane Flair der Halle zusammen mit dem populären Trendsport 3x3-Basketball war für die Jahrhunderthalle ein gewinnbringendes Konzept. Ebenso waren die Halbfinals im Wasserball in Duisburg mit deutscher Beteiligung oder die Spiele der deutschen Basketball-Teams, zum Beispiel in der Essener Gruga-Halle, gut ausgebucht.

Auch anderweitig präsentiert sich der Sport durchaus attraktiv. Direkt am UNESCO Welterbe der Zeche Zollverein wurden die Finalwettbewerbe im Bogenschießen aufgebaut. Wer bei den Olympischen Spielen in Paris über die spektakulären Bilder vom Bogenschießen am Invalidendom staunte, dem zeigt Essen: das Ruhrgebiet kann mithalten. Urbaner und weniger glänzend als Paris, aber bildlich genauso eindrucksvoll.

World University Games: Bogenschießen am Doppelbock auf Zollverein

Lokalzeit Ruhr 25.07.2025 08:21 Min. Verfügbar bis 25.07.2027 WDR Von Stefan Göke

Doch zeigt sich auch hier, dass die World University Games gerade nur etwas für Wissende sind. Trotz der hervorragenden Kulisse, sind nicht viele Plätze besetzt. Folgt man der Hauptstraße direkt vor dem Essener Welterbe, weist kein Banner, kein Schild auf die Wettbewerbe hin. Von außen ist nicht erkennbar, was hier geboten wird.

Der Stimmung schadet das, auch in Essen, nur wenig. Ob teuer oder günstig, urban oder Hochglanz – eines haben die Sportstätten der World University Games gemeinsam: Alle Besucher berichten von einem tollen Erlebnis, sportlich und atmosphärisch. Nur, wer nicht dabei ist, bekommt eben quasi nichts mit. Selbst, wenn der laute Schrei von Estzer Méri so einige unwissende Passanten im Umfeld aufgeschreckt haben dürfte.

Unsere Quellen:

  • Reporter vor Ort
  • WDR-Interviews

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