World University Games - Tag 4 - Highlights der 3x3-Basketball Finals

Sport 20.07.2025 06:42 Min. Verfügbar bis 20.07.2026 WDR

Rollstuhlbasketball bei den University Games: Mittendrin statt nur dabei

Stand:

Zum allerersten Mal bieten die World University Games auch Para-Sport eine Bühne. Für 3x3-Spielerinnen und -Spieler ist das ein großer Gewinn, der die Spiele überdauern soll.

Von Oliver Riedel, Bochum

Das gab es noch nie bei den World University Games: unter allen Sportlerinnen und Sportlern finden sich bei diesen Sommer-Weltspielen mit 3x3-Rollstuhlbasketball auch Para-Athleten. Die spielen aber nicht gesondert, wie etwa bei den Paralympics, sondern teilen sich den Spielplan mit ihren "Fußgänger"-Kollegen. Das Konzept begeistert die Teams und soll ein Anstoß hin zu mehr Inklusion sein.

Besser als das deutsche Team hätte man kaum Werbung machen können für den Para-Sport bei den diesjährigen World University Games. "Ich kann es noch gar nicht glauben, wir sind unfassbar stolz auf das, was wir heute geleistet haben", versuchte eine überglückliche Lisa Bergenthal ihre Emotionen zusammenzufassen, wenige Minuten nachdem ihr Team in einem hochspannenden Overtime-Finale Spanien mit 12:11 geschlagen und sich damit Gold erspielt hatte.

Ein einmaliges Erlebnis?

Es war für die Rollstuhlbasketballerinnen der krönende Abschluss in der Bochumer Jahrhunderthalle nach vier Tagen physischem und emotionalem Dauerstress. Ein kurzer Blick in die Gesichter der Athletinnen genügt dennoch, um zu erkennen, wie sehr ihnen die Sache am Herzen liegt, wenn sie unisono von einer "großen Ehre" reden.

Rollstuhlbasketballerin Lisa Bergenthal (l.) in Aktion | Bildquelle: IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Oliver Kremer

Bergenthal führt aus, weshalb: "Es ist eine unglaublich tolle Gelegenheit, Inklusion zu schaffen. Das merken wir total, diese Nähe auch zu den anderen Sportlerinnen und Sportlern. Das zu haben ist einfach mega cool und wir sind total dankbar, hier mitzuspielen."

Denn diese Art von Veranstaltung, diese Art von Arenen und Publikum, das erleben nur wenige Para-Athleten und -Athletinnen in ihrer Karriere. Vor allem wenn sie in Sportarten auftreten, die außerhalb des Paralympischen Programms stattfinden. Meistens durchläuft Sport von Menschen mit Handicap, wie der von Lisa Bergenthal, einen getrennten Wettkampfkalender, steht gesellschaftlich – und auch medial – selten im Fokus.

Ein erster Schritt in Richtung Inklusion

Die World University Games wollten einen Anstoß liefern, es besser zu machen. Als zentraler Anstoß wurde deshalb entschieden, das populäre 3x3-Basketball sowohl mit als auch ohne Rollstuhl ins Programm aufzunehmen. Nicht getrennt, sondern am selben Spielort zu denselben Tageszeiten, vor demselben Publikum. "Fußgänger-Basketball neben Rollstuhl-Basketball – ein Event, eine Siegerehrung – mehr können wir es nicht integrieren", freut sich Dustin Rehder, Vorstandsmitglied im deutschen Hochschulsportverband.

Sören Sebold mit der Deutschlandfahne bei der Eröffnungsfeier | Bildquelle: IMAGO / Nico Herbertz

Dem schließt sich Athlet Sören Seebold an: "Ich nehme wahnsinnig tolle Erinnerungen an die Zeit hier mit", freut sich der deutsche Fahnenträger. Seine Mannschaft im 3x3 Rollstuhlbasketball schaffte es zwar als einziges der vier deutschen 3x3-Teams nicht in den Finaltag, verpasste die anvisierte Medaille. Dennoch ein verkraftbarer Schmerz, der Erfolg sei nicht nur sportlich zu messen.

Seebold hofft, das Event habe über das sportliche hinaus etwas angestoßen: "Es war eigentlich durchgehend volles Haus – hoffentlich haben wir ein paar Leute begeistert." Zudem lobt er den Zusammenhalt in der 3x3-Community. Rollstuhlathleten wie Fußgänger, Männer wie Frauen – alle hätten sich gegenseitig supportet bei ihren Spielen.

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3x3-Rollstuhlbasketball: 'best case' für mehr Inklusion?

Auch nach außen macht das Event einen gelungenen Eindruck, sicher auch dank des starken sportlichen Abschneidens der Deutschen. Dass dabei hinter den Kulissen noch nicht alles ideal läuft, hält Seebold für verschmerzbar. "Vieles ist richtig gelaufen, es gibt nur ein paar kleinere Schmerzpunkte, wie die weitere Anreise für uns, aber alles in allem haben wir uns sehr wohlgefühlt", so der Deutsche.

Rehder, als Vorstandsmitglied im deutschen Hochschulsportverband, versucht schon einen Schritt weiter zu denken: "Wir sind auf einem guten Weg, aber wir können noch weiter Gas geben." Einerseits sei es ein gutes Zeichen, mehr Sport zu inkludieren. Für die nächsten World University Games sei bereits geplant, Para-Taekwondo zu inkludieren. Darüber hinaus ginge es aber nicht nur darum, mehr Para-Sport ins Programm zu holen, sondern etwa auch um erleichtertere Zugänge für Menschen mit Behinderung im Publikum.

Die Spiele gehen weiter - allerdings ohne Athleten mit Behinderung

Eine gelungene Inklusion, die Lust auf mehr macht, das dürfte auch den neu gekrönten 3x3-Rollstuhl-Champions um Lisa Bergenthal gefallen. Aber bei all dem Trubel am vergangenen Sonntag in der Bochumer Jahrhunderthalle musste sich auch nicht jeder Gedanke mit dem großen Ganzen beschäftigen.

Ein bisschen Feiern sei noch angesagt, dann streben die 3x3-Teams schon wieder auseinander. Die World University Games – und damit auch das Inklusionsprojekt – sind für sie an dieser Stelle abgehakt. Die Stadt Bochum bereitet sich derweil auf den Start der Leichtathletik im Lohrheidestadion vor. Dort wird Inklusion aber vorerst keine Rolle spielen.

Unsere Quellen:

  • Reporter vor Ort
  • Interviews mit Lisa Bergenthal, Sören Seeberg und Dustin Rehder