Regeln in der Nordstadtliga

Regeln in der Nordstadtliga

Dortmunds "Nordstadtliga" - wenn Respekt wichtiger ist als Sport

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Seit vielen Jahren ermöglicht die Dortmunder "Nordstadtliga" benachteiligten Kindern Teilhabe am Fußball und vermittelt darüber gesellschaftliche Werte und Verantwortung. Dafür wird sie nun vom DFB ausgezeichnet.

Von Michael Buchartz

Wer in Dortmund unterwegs ist, wird automatisch mit den Farben schwarz und gelb konfrontiert. Schließlich sind das die Vereinsfarben der großen Borussia. Und es sind die Farben der "Nordstadtliga". Das Projekt, welches sich um benachteiligte Kinder und die Teilhabe am Fußballsport kümmert, arbeitet eng mit der Stadt und mit BVB-Stiftung "Leuchte auf" zusammen. In diesem Jahr erhält die "Nordstadtliga" dafür am Donnerstag den Julius-Hirsch-Preis des Deutschen Fußball-Bundes.

Liga-Leiter Demirović: "Preis des DFB ist unglaubliche Ehre"

Der Julius-Hirsch-Preis des DFB ehrt Projekte, die sich gegen Rassismus oder Ausgrenzung und für Verständigung und Vielfalt einsetzen. Mirza Demirović leitet die Liga, die es seit 2001 gibt, seit fünf Jahren. Der Bosnier kam einst selbst als Geflüchteter im Alter von 16 Jahren nach Dortmund. Der WDR erreicht den Leiter der Liga auf dem Weg zur Preisverleihung: "Das ist eine unglaubliche Ehre. Es ist der höchste Preis, den der DFB in Sachen Verständigung vergibt."

Julius Hirsch Preis des DFB geht an Dortmunder Nordstadtliga

NRW-Sport 26.11.2025 00:54 Min. Verfügbar bis 26.11.2027 WDR Online

Genau dafür soll die Liga mit ihrem Organisationsteam geehrt werden. Sie möchte Kindern, die prekäre Lebenssituationen erleben oder die sich auf finanziellen Gründen eine Vereinsmitgliedschaft nicht leisten können, die Teilhabe am Fußball ermöglichen und gleichzeitig gesellschaftliche Werte und Normen vermitteln.

Zusammenarbeit mit BVB und Stadt hervorragend

Zwölf Wochen dauert der Liga-Spielbetrieb, verteilt auf das ganze Jahr. Unterstützt wird das alles sowohl vom Jugendamt Dortmund als auch von der BVB-Stiftung "Leuchte auf". "Es geht nur gemeinsam. Wir hatten das Glück, dass alle mitgezogen haben. Immer zum Wohl der Kinder", erklärte Demirović. So konnten im vergangenen Jahr rund 50 Mannschaften teilnehmen, allgemein ist die Liga von rund 2.000 Teilnahmen auf knapp 16.000 Teilnahmen im verganenen Jahr gewachsen.

Seit drei Jahren gibt es neben dem männlichen Spielbetrieb auch eine weibliche Liga. "Manche Vereine haben durch unsere Arbeit ganze Mädchenmannschaften im Anschluss aufbauen können", ist Demirović stolz. So habe ein Verein gleich 18 Spielerinnen übernommen, die davor in der Nordstadtliga aktiv waren.

Vermittlung von Werten und Normen im Fokus

Das Konzept hinter dem Projekt: Das Team um Demirovic schafft in Dortmund kostenlos die Rahmenbedingungen für eine eigene Liga, in der Mannschaften beispielsweise im Fußballkäfig auf dem Max-Michellek-Platz oder im Nordstadtliga-Stadion an der Burgholtzstraße, gegeneinander antreten oder für freie Trainings.

Spieltag in der Nordstadtliga

Spieltag in der Nordstadtliga

Im Vordergrund steht dabei laut Demirović nicht der sportliche Erfolg: "Viel wichtiger ist die Vermittlung von Werten wie Verantwortung, Eigenorganisation oder Respekt." Die Organisation der Aufstellung oder die Auswahl des Teamnamens liegt dabei ganz in der Verantwortung der Kinder. "Damit haben wir nichts zu tun. Das ist eine große Leistung der Kinder. Wenn Jugendliche, die das eventuell nie gelernt haben, sich ohne HIlfe von Sozialarbeitern oder Eltern selbst organisieren."

"Respektpokal" wichtiger als sportliche Leistung

Den größten Pokal kann ein Team daher nicht für sportliche Leistungeng gewinnen, sondern für gutes Verhalten und Selbstverantwortung - den "Respektpokal". Das erläutert Demirović wie folgt: "Ein Team bekommt Respektpunkte, zum Beispiel am Spieltag für Pünktlichkeit und für Vollzähligkeit sowie für die gelungene Eigenorganisation."

Dann gehe es mit drei Punkten in die Spiele. Dort kann man bei schlechtem Verhalten wie Beleidigungen oder Platzverweisen wieder Punkte verlieren. Aber auch für faires Verhalten wie das Zugeben eines Fouls oder ähnliches gibt es sie zu gewinnen. "Am Ende analysiert unser Team dann den Spieltag nochmal und vergibt entsprechend Punkte", sagt Demirović.

Preis für Respektstitel ist Trainingseinheit beim BVB

Da der "Respektspokal" wichtiger sei als die sportlichen Erfolge, gebe es hier auch den besten Preis: Eine Abholung mit dem Mannschaftsbus des BVB, dazu eine Einheit mit den Profitrainern der Schwarz-Gelben sowie ein Besuch im Stadion inklusive Ehrung des Siegers vor der Südtribüne am Spieltag.

Nach der Besonderheit der Liga gefragt, zitiert Demirović eine Teilnehmerin: "Die Nordstadtliga ist ein Ort, wo man sich nicht schämen muss." Das sei das größte Kompliment, was man bekommen könne. Demnächst dürften die Kinderaugen übrigens noch etwas größer werden: BVB-Profi Karim Adeyemi wird seine vom BVB verhängten "Sozialstunden" mit Teilnehmern der "Nordstadtliga" verbringen.

Unsere Quellen:

  • WDR-Interview mit Mirza Demirović
  • nordstadtliga.de
  • PM des DFB zum Julius-Hirsch-Preis

Sendung: WDR.de, Julius Hirsch Preis des DFB geht an Dortmunder Nordstadtliga, 26.11.2025, 16.02 Uhr

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