Die Dressur-Kür von Justin Verboomen

WDR 06.07.2025 08:54 Min. Verfügbar bis 06.07.2026 WDR Online

Newcomer Verboomen und Zonik - Die Sensation beim CHIO Aachen 2025

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Als kaum bekannter Dressurreiter kommt Justin Verboomen zum CHIO Aachen - und geht als Shooting Star mit zwei Siegen gegen Isabell Werth.

Von Anne Göhring, Aachen

Die Dressurarena in Aachen ist voll. Es nieselt und der Wind treibt den Regen in die Zuschauerränge. Abgesehen vom Prasseln der Tropfen und der opulenten Musik der Küren ist es still in der Halle. Es liegt Spannung in der Luft, hier am Sonntag, dem letzten Tag des CHIO, dem "Weltfest des Pferdesports".

Reiten ist kein Schönwettersport. Pferdefans sollte der Regen nicht stören. Viele von ihnen sind hier, um Dressurstar Isabell Werth und ihre Wendy zu bestaunen, die seit ihrem Sieg bei den Olympischen Spielen 2024 absoluter Publikumsliebling sind. Für viele ist ihr Ritt das Highlight des Turniers.

Mit dabei ist auch Justin Verboomen. Der 38-jährige Belgier reitet seine erste Saison auf Grand-Prix-Niveau und startet damit auch zum ersten Mal beim CHIO. Bis Aachen kannte ihn kaum jemand. Doch hier wurde aus dem Außenseiter der Überraschungsstar des Turniers. Seinen jungen Hengstrappen Zonik Plus handeln erste Stimmen jetzt als "den nächsten Totilas".

Dressur auf höchstem Niveau: Verboomen übertrifft alle Erwartungen

Die Kür von Isabell Werth und Wendy im Grand Prix Special am Samstag war nicht ganz stimmig und wirkte angespannt. Jedoch ist das Meckern auf höchstem Niveau: Werth ist die erfolgreichste deutsche Reiterin, achtfache Olympiasiegerin. Ihre Stute Wendy ist erst elf Jahre alt, ihnen fehlt es manchmal noch an Routine bei großen Turnieren.

Sie erreichte 80,106 Prozent. Damit kam sie nicht an Justin Verboomen und seinen Zonik heran. Das bisher eher unbekannte Duo aus Belgien gewann den Wettbewerb mit 80,745 Prozent. Am Samstagabend fragte man sich in Aachen: War das ein glücklicher Überraschungssieg oder ist das der Beginn einer großen Karriere?

Werth und Wendy in der Kür harmonischer

Am Sonntag startet Isabelle Werth vor Justin Verboomen in der Kür. Ihr Auftritt ist wesentlich harmonischer und leichter als am Vortag. Als ihnen die Galoppwechsel perfekt gelingen, platzt es aus Werth heraus: Sie stößt einen erleichterten kleinen Jubel aus  - trotz strenger Etikette im Viereck.

Die große Dressur-Kür von Aachen in voller Länge

WDR 06.07.2025 02:14:33 Std. Verfügbar bis 06.07.2026 WDR Online

Das Stadion ist euphorisiert. "Oh Mandy" von Barry Manilow läuft und klingt wie "Oh Wendy", die Ränge klatschen im Takt. Kitsch in Perfektion. Das Duo setzt sich mit einem Spitzenergebnis von 88,440 an die Spitze. 

Sostmeier: "Absolute Sinfonie für die Sinne des Betrachters"

Dann reitet Verboomen, dieser unscheinbare Belgier, mit seinem neunjährigen Hengst ein. Sein Auftritt am Vortag war fesselnd, weshalb seine Kür mit Spannung erwartet wird. Die Arena ist ganz ruhig, während die knapp 6.000 Zuschauer eine "absolute Sinfonie für die Sinne des Betrachters" beobachten, wie WDR-Kommentator Carsten Sostmeier die Kür beschreibt.

Der Ritt ist bemerkenswert ruhig. Der so junge Hengst wirkt präsent und nicht gestresst. Zonik trägt seinen Kopf stolz, er geht nicht hinter der Senkrechten. Die Zuschauer bestaunen einen harmonischen Ritt auf einem perfekt gymnastizierten Pferd. Sostmeier erklärt, die besten Hilfen seien die, die man nicht sehe. Die also so feinfühlig und ruhig sind. Verboomen und Zonik Plus gewinnen mit 89,400.

Zonik Plus: Selbst ausgebildet, barhuf, eigen

Justin Verboomen freut sich auf Zonik über die Top-Wertung beim CHIO

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Der 38-jährige Justin Verboomen ist für seine Ruhe bekannt. Er gilt als zurückhaltend, er redet eher wenig und wirkt bedacht. Eigentlich hat der Belgier eine Vorliebe für Lusitanos, portugiesische Dressur- und Stierkampf-Pferde. Vor sieben Jahren hat er in Portugal einen Warmblüter mit dem Gemüt eines Lusitanos gesucht und den Hannoveraner Zonik gefunden. Mit dreieinhalb Jahren kam der Rappe zu seinem Stall in Belgien. Dort hat Verboomen ihn selbst ausgebildet, zusammen haben sie nationale und internationale Nachwuchspreise gewonnen.

Das für die Szene Besondere: Das Tier gehört dem Reiter tatsächlich selbst. Die beiden scheinen eine enge Verbindung zu haben, viel Vertrauen. Anders ließe sich nicht erklären, dass der Hengst in seiner ersten Grand-Prix-Saison derart performt. Der Belgier beschreibt seinen Zonik als "sehr süß, nicht ängstlich, ein Kämpfer und doch sensibel. Er ist sehr eigen." 

Einzig- und eigenartig ist auch, dass Zonik ohne Hufeisen im Grand Prix startet. Die hielten bei ihm schlichtweg nicht. Er scheint sie auch nicht zu brauchen: In der Kür brilliert der Rappe mit seiner Leichtfüßigkeit.

Tränen und Standing Ovations

Sein Auftritt berührt das Publikum: Alle stehen auf, einige haben Tränen in den Augen. Als Verboomen am Ende seines Ritts salutiert, gibt es Standing Ovations. Er lässt den Zügel lang, Zonik dehnt sich und läuft entspannt am jubelnden belgischen Team vorbei.

"Mein Ziel ist es, smooth zu reiten und, dass das Publikum unsere Emotionen fühlt", erklärt Verboomen nach seinem Sieg. "Alles war heute perfekt, die Musik, die Kür." Seine Stimme zittert, während er über seinen Ritt spricht. Er habe die Ergebnisse so nicht erwartet, für sein Pferd sei das schließlich auch alles neu.

Werth im Grand Prix Special geschlagen

Sport 05.07.2025 39:53 Min. Verfügbar bis 05.07.2026 WDR

Auf der Pressekonferenz wirkt Verboomen überwältigt und unsicher, wie er auf die Fragen der Journalistinnen und Journalisten antworten soll. Als er gefragt wird, was wir in Zukunft von dem Duo erwarten können, antwortet er mit einem zurückhaltenden Lächeln: "Ich weiß es nicht. Aber alles, was ich will ist, dass wir oft das gleiche Gefühl haben können wie heute."

Verboomen will weitermachen - mit Zonik Plus an seiner Seite

Verboomen ist sichtlich stolz auf sein Pferd. Zonik arbeite motiviert mit und begeistere ihn immer wieder. Noch vor ein paar Jahren hatte der Reiter überlegt, das Tier zu verkaufen, um sich auf den Ausbau seines Stallebtriebs zu fokussieren. Jetzt will er weitermachen mit der Dressur. "Ich freue mich auf unsere Zukunft."

Dabei hat er einen entscheidenden Vorteil. "Einfach zu wissen, dass er bei mir bleibt. Keine Angst haben zu müssen, dass ich mein Pferd verlieren könnte, wie es anderen Reitern in der Vergangenheit passiert ist." Damit kann Zonik auf ein anderes Schicksal hoffen als der gehypte Dressurstar Totilas, der nach einem Verkauf nie wieder richtig brillieren konnte.

Unsere Quellen:

  • Reporterin vor Ort
  • FEI
  • CHIO Aachen

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