"Es gehört immer ein bisschen Glück dazu", sagt Svenja Müller ganz bescheiden zu ihrem steilen Aufstieg. Im Jahr 2020 spielte die damals 19-Jährige noch ihre erste deutsche Meisterschaft, fünf Jahre später hat Müller bereits beeindruckende Erfolgsbilanz: drei deutsche Meistertitel (2022, 2023, 2024), eine Olympia-Teilnahme und der Gewinn der Europameisterschaft 2024 - alles an der Seite der erfahrenen Partnerin Cinja Tillmann.
Man brauche für Erfolge eben "natürlich auch die richtige Partnerin" an der Seite, wie die gebürtige Dortmunderin Müller im Interview mit dem deutschen Volleyballverband (DVV) weiter ausführt. Eben jene Partnerin Tillmann, mit der Müller seit 2021 zusammenspielt und mit der sie auch bei der EM 2025 in Düsseldorf antreten wird - und nach dem Titelgewinn 2024 in den Niederlanden als (Mit-)Favoritin an den Start geht.
EM 2024: Cinja Tillmann (l.) und Svenja Müller tirumphieren in Den Haag
Nach der Teilnahme an den Olympischen Spielen (Achtelfinal-Aus) fuhr das Duo neben dem EM-Titel den dritten deutschen Meistertitel in Folge ein, es folgten mehrere gute Ergebnisse bei großen Turnieren. Die Belohnung: Über mehrere Wochen dieses Jahres waren Müller/Tillmann die Führenden in der Weltrangliste. In die EM in Düsseldorf im traditionsreichen Düsseldorfer Rochusclub gehen Müller/Tillmann nun als Weltranglisten-Fünfte.
Perfekte Harmonie beim Duo
Dass sich beim Duo Müller/Tillmann zwei gefunden haben, die gut zusammenpassen, zeigen nicht nur die gemeinsamen Erfolge, sondern auch der Umgang der beiden miteinander. Auf dem Platz sind Tillmann, die Erfahrene, und Müller, die 1,92 Meter große Blockerin eine echte Einheit und unterstützen sich verbal. Doch auch abseits des Platzes ist die gute Chemie erkenn- und spürbar - wie eben im DVV-Interview.
Ob sie innerlich auch so cool sei, wie sie während des Spiels aussehe? Müller grinst - und verneint. "Ich bin immer sehr aufgeregt", so die 24-Jährige. "Ich bin generell etwas ruhiger, und dann denken die Leute vielleicht, dass ich cool aussehe. Aber in mir sieht es oft anders aus." Müller schielt lächelnd rüber zu Tillmann, die lachend einwirft: "Ja, kann ich bestätigen."
Tillmann beeindruckt auch akademisch
In Tillmann hat Müller starke Unterstützung - nicht nur spieltechnisch, sondern auch auf der psychologischen Ebene. Denn die 34-Jährige hat ein Psychologiestudium hinter sich, kennt mentales Training sowohl aus der Praxis als auch aus dem wissenschaftlichen Blickwinkel. Doch damit nicht genug: bereits vor dem Psychologiestudium hat die zielstrebige Tillmann bereits einen Bachelor in Mathematik absolviert.
"Das Psychologiestudium habe ich für mich gemacht, weil mich das total interessiert und ich neben dem Sport noch etwas anderes lernen wollte", wird Tillmann in ihrem Athletinnenprofil bei "RedBull" zitiert. Die große Faszination der gebürtigen Münsteranerin bleibt aber der Beachvolleyballsport. "Mir gefallen die vielfältigen Herausforderungen, die Beachvolleyball mit sich bringt", erklärt Tillmann: "Beachvolleyball fordert dich sowohl mental als auch körperlich und taktisch".
Die Faszination für den Sport trägt auch Müller in sich, die ihre großen Erfolge auch in ihrem riesigen Ehrgeiz begründet sieht. "Ich denke schon, dass es eine gute Eigenschaft sein kann, wenn man versucht, seine Emotionen richtig zu lenken. Das muss man halt lernen, so wie alles andere beim Beachvolleyball auch", wird Müller auf dem Portal "beach-volleyball.de" zitiert.
"Ich bin sehr selbstkritisch und ärgere mich sehr über meine Fehler, das zieht mich auch schnell im Training runter. Außerdem hasse ich es zu verlieren", so Müller weiter. "Schon als Kind, auch bei Gesellschaftsspielen oder so, immer als ich gemerkt habe, ich verliere, wollte ich nicht mehr weiterspielen und habe das ganze Spielbrett vom Tisch abgeräumt."
Müller/Tillmann im Auftaktspiel am Mittwoch
Ein Erfolg gleich zum Auftakt dürfte die Gemütslage von Müller/Tillmann in Düsseldorf schnell beruhigen. Bereits am ersten Tag steigen die Titelverteidigerinnen ein. Auf dem Center Court geht es ab 12.30 Uhr gegen die spanischen Schwestern Maria und Marta Carro. Die "Mission Titelverteidigung" kann beginnen.
Unsere Quellen:
- Deutscher Volleyball-Verband
- Pressemitteilung der Beachvolleyball-EM
- Athletenprofil auf redbull.com
- Blog "beach-volleyball.de"