André Thieme bejubelt 2024 auf Chakaria seinen Sieg in Aachen

André Thieme bejubelt 2024 auf Chakaria seinen Sieg in Aachen

Pferdesport "Zum Genießen" - André Thieme als Titelverteidiger beim CHIO

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Vorjahressieger André Thieme schont beim CHIO in Aachen sein bestes Pferd. Doch auch mit "Paule" schielt er auf den Großen Preis.

Von Volker Schulte, Aachen

Der passende Ort für das WDR-Interview mit André Thieme ist schnell gefunden: Die riesige Siegertafel am Einritt zum großen Springreit-Stadion in der Aachener Soers. Dort ist der illustre Kreis derjenigen aufgelistet, die den Großen Preis des CHIO Aachen gewonnen haben. Seit einem Jahr steht dort auch "André Thieme" geschrieben.

Wie ist es, seinen Namen dort zu lesen? "Ich habe nie richtig darüber nachgedacht. Aber jetzt, wenn man so davorsteht, ist es schon ein sehr cooles Gefühl", sagt Thieme lächelnd.

Drama beim CHIO 2024

Der Sieg beim Großen Preis 2024 war hoch dramatisch, der damals entfesselt reitende Richard Vogel hatte schon die Faust zum Jubeln gehoben - als am letzten Hindernis doch noch eine Latte fiel.

Für Thieme war es das furiose Ende einer Achterbahn der Gefühle beim CHIO. "Im Nationenpreis habe ich mit jeweils einem Fehlerchen mein Olympiaticket verloren", erzählt er. "Und dann am Sonntag irgendwie das Ruder wieder rumzureißen, diese Genugtuung zu haben, diesen Erfolg mit diesem ganz speziellen Pferd und vor heimischem Publikum - dem ist nur noch der Olympiasieg gleichzusetzen."

Thiemes "Ehe" mit Chakaria

Das "spezielle Pferd", von dem Thieme spricht, heißt Chakaria. Mit der temperamentvollen Stute führe er eine eheähnliche Beziehung, schwärmte der überwältigte Thieme damals nach seinem Sieg. Bis sie harmonisierten, sei es ein langer Weg gewesen, erklärt Thieme. "Sie war von Anfang ein Feuerstuhl, so ein Drache, dass es Jahre gedauert hat, um sich richtig aneinander zu gewöhnen."

Thieme ist nun also zurück am Ort seines bisher größten Erfolges, Chakaria allerdings nicht. "Sie hat sich vergangenes Jahr nach Aachen in Calgary wahrscheinlich ein klein wenig verletzt, ohne dass wir es richtig bemerkt haben. Dann sind wir noch nach Barcelona gefahren und haben dort mit der deutschen Mannschaft auch noch das große Finale gewonnen."

Ein Jahr Pause für Chakaria

Zurück daheim sei das Bein etwas dick gewesen, die Sehne war offensichtlich gereizt, sagt Thieme. "Seitdem gehen wir natürlich auf Nummer sicher und haben sofort alles zurückgefahren und gesagt, wir nehmen sie jetzt ein Jahr aus dem Sport heraus."

Diese Vorsichtsmaßnahme hängt auch damit zusammen, dass 2026 die Weltreiterspiele in Aachen stattfinden - an jenem Ort, an dem Chakaria schon über sich hinausgewachsen ist. "Da ist Träumen erlaubt. Deswegen wollen wir jetzt alles dafür tun, dass sie nächstes Jahr wieder topfit ist."

Thieme setzt auf Paule

André Thieme auf Paule beim Spring-Derby in Hamburg

André Thieme auf Paule beim Spring-Derby in Hamburg

Beim CHIO setzt Thieme nun auf den Wallach Paule. "Er ist ganz gut in Form, hat mittlerweile auch schon Nationenpreise auf allerhöchstem Niveau für Deutschland gewonnen, hat auch schon seine Doppel-Null-Runden gedreht, internationale Große Preise gewonnen und vor ein paar Wochen das Hamburger Derby."

Ob Paule auch reif für Aachen ist? "Wir werden sehen. Ich mache mir nicht die ganz großen Hoffnungen, aber ich bin auch nicht hier, um einfach nur zuzugucken. Ich werde mich ganz gezielt auf den Großen Preis vorbereiten."

Ein CHIO ohne Druck

Für den Nationenpreis am Donnerstagabend ist Thieme nicht nominiert und die Qualifikation für den Großen Preis am Sonntag hat er als Titelverteidiger sicher. "Die ganze Woche wird jetzt nicht viel Druck da sein, es wird ein reines Genießen werden", sagt Thieme. Und vielleicht gelingt Thieme auf Paule zum Abschluss erneut eine große Überraschung.

Unsere Quellen:

  • WDR-Reporter vor Ort
  • Gespräch mit André Thieme