Ralf Kettemann (l.) jubelt nach dem 2:0-Sieg des SC Paderborn in Darmstadt.

Trainer Ralf Kettemann (l.) jubelt nach dem 2:0-Sieg des SC Paderborn in Darmstadt.

Relegation gegen Wolfsburg Wie Paderborn Wolfsburg knacken kann

Stand:

Der SC Paderborn geht als Außenseiter in die Relegation gegen Wolfsburg. Trainer Ralf Kettemann weiß, worauf es ankommen wird.

Von Lukas Thiele

Die Fans wussten als erste Bescheid. Während Spieler, Trainer und Mitarbeiter des SC Paderborn auf dem Rasen des Stadions am Böllenfalltor in Darmstadt noch gebannt auf die Handys starrten, brandete im Fanblock schon Jubel auf. Nur wenige Sekunden später wurde aus der Spielertraube ein Jubeltross.

Es war der Moment der Gewissheit, dass Hannover 96 im Parallelspiel gegen den 1. FC Nürnberg nicht über ein 3:3 hinausgekommen war. Der SCP schob sich durch den 2:0-Sieg beim SV Darmstadt in der Tabelle noch an den Niedersachsen vorbei auf Rang drei und trifft nun am Donnerstag (20.30 Uhr) in der Relegation auf den VfL Wolfsburg.

Traum vom dritten Paderborner Bundesliga-Aufstieg lebt

"Es war crazy", resümierte SCP-Trainer Ralf Kettemann am ARD-Mikrofon den Moment vor der Kurve. "Die Fans hatten anscheinend besseres Internet." Auch für Stürmer Filip Bilbija war der Moment "wunderschön". Die Relegation sei nun "genau das, was wir haben wollten. Wir freuen uns".

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Der Traum vom dritten Bundesliga-Aufstieg der Geschichte nach 2014 und 2019 lebt in Paderborn. Und mit der Relegation kennt sich der SCP aus. 2009 stieg der Verein unter Trainer André Schubert durch zwei 1:0-Siege gegen den VfL Osnabrück von der 3. Liga in die 2. Bundesliga auf.

SC Paderborn gegen Wolfsburg klarer Außenseiter

Dieses Mal wird die Aufgabe wohl deutlich schwerer. Der SCP geht als klarer Außenseiter in die Relegationsspiele. Am Donnerstag (20.30 Uhr) sind die Paderborner in Wolfsburg zu Gast. Das Rückspiel findet am darauffolgenden Montag (20.30 Uhr) in Paderborn statt.

"Die haben ein bisschen andere Voraussetzungen als wir", sagte Kettemann über den VfL und dürfte damit in erster Linie die unterschiedlichen finanziellen Mittel gemeint haben. Das zeigt der Blick auf die Kaderwerte beider Mannschaften. Mit rund 240 Millionen Euro ist der Kader des VfL sechsmal so viel wert wie der des SCP, der 40 Millionen Euro zusammenbekommt.

Kettemann: "Es ist schulfrei, Betriebe schließen um 14 Uhr"

"Wir werden es nicht über individuelle Klasse gegen Wolfsburg lösen", sagte Kettemann dementsprechend. Sein Plan ist ein anderer: "Es geht nur über Emotion, Leidenschaft, Herz", sagte er. "Über 10.000 plus X Paderborner dort und einfach über viel Energie."

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Aus den erhofften 10.000 wird allerdings nichts. Zwar war der Gästebereich mit rund 2.800 Tickets innerhalb kurzer Zeit vergriffen, der Rest der Tickets ging jedoch nach Wolfsburg. Das Spiel ist somit bereits ausverkauft. Kettemann hatte aber alles gegeben: "Ich hab mit dem Bürgermeister gesprochen. Es ist schulfrei und alle Betriebe schließen um 14 Uhr."

Wolfsburg mit Problemen bei hohem Pressing

Doch auch wenn von den Rängen weniger Energie kommt, als von Kettemann erhofft, gibt es für den SCP durchaus spielerische Ansätze. Der VfL Wolfsburg offenbarte in der abgelaufenen Bundesliga-Saison immer wieder Probleme, wenn die Mannschaft früh unter Druck gesetzt wird. Mutiges Anlaufen gehört zu den zentralen Stärken der Ostwestfalen.

4068,1 Kilometer spulten die SCP-Spieler in der vergangenen Saison ab. Nur Dynamo Dresden und Holstein Kiel liefen mehr. Das ist ein Indiz für intensives Pressing. Der VfL Wolfsburg liegt im Bundesliga-Vergleich mit 3850,2 Kilometern nur auf Rang 16.

Offensive das Prunkstück des SC Paderborn

Schafft es der VfL aber, das Pressing der Paderborner zu überspielen, wird es schwierig für den SCP, der sich defensiv zuletzt den ein oder anderen Wackler leistete und sich beim 1:5 in Elversberg gleich mehrfach auskontern ließ.

Prunkstück der Paderborner war in dieser Saison eher die Offensive, mit 59 Toren die drittbeste der Liga. Dabei hätten es aber auch noch mehr sein können, denn die Chancenverwertung lag in dieser Saison nur bei rund 15 Prozent.

Wolfsburgs Trainer Hecking mit Paderborner Vergangenheit

Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking kennt den SCP gut. Als Trainer des VfL Bochum kassierte er am 4. Spieltag eine 0:1-Niederlage in Paderborn. "Wir dürfen keinen Deut nachlassen", sagte der 61-Jährige. Dass der SCP das wichtige Spiel in Darmstadt gewonnen hat, "zeigt die Qualität der Paderborner. Sie werden uns alles abverlangen."

Für Hecking wird es auch ein Duell mit der Vergangenheit. 1983 wurde Hecking als Jugendspieler beim 1. FC Paderborn, einem der Vorgängervereine des SCP, von Borussia Mönchengladbach entdeckt. 1994 kehrte er nach Paderborn zurück und lief zwei Jahre für den TuS Paderborn-Neuhaus in der Regionalliga auf.

In Pflichtspielen trafen Paderborn und Wolfsburg bislang fünf Mal aufeinander, einmal im DFB-Pokal und vier Mal in der Bundesliga. Drei Partien davon gewann der VfL. In Wolfsburg holte der SCP aber bislang immer ein 1:1. Gelingt das auch am Donnerstag, wäre das eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel am Montag.

Unsere Quellen:

  • ARD-Interviews nach dem Spiel Darmstadt - Paderborn
  • Pressekonferenz nach dem Spiel Darmstadt - Paderborn
  • Neue Westfälische
  • Westfalen-Blatt

Sendung: "Ralf Kettemann und der SCP gegen Wolfsburg", WDR.de, 19.05.2026, 21:26 Uhr

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