Paderborns Trainer Ralf Kettemann, im Hintergrund Calvin Brackelmann

Paderborns Trainer Ralf Kettemann, im Hintergrund Calvin Brackelmann

Relegationskrimi gegen Wolfsburg Paderborn darf vom Aufstieg träumen

Stand:

Der SC Paderborn hat sich mit einem Remis in Wolfsburg eine gute Ausgangslage für das Relegations-Rückspiel erspielt. Der Aufstieg erscheint plötzlich deutlich greifbarer: Nur ein Sieg vor heimischem Publikum trennt die Ostwestfalen von der ersten Liga.

Von Markus Kramer

Das Motto für den Freitag und den Samstag gab Trainer Ralf Kettemann schon direkt nach Abpfiff am Sportschau-Mikrofon vor: "Runterfahren". Die Spieler sollen nach der kräftezehrenden Saison sowie dem 0:0 im Hinspiel der Relegation zur Bundesliga Kräfte tanken - um dann im Endspiel vor heimischem Publikum den Aufstieg perfekt zu machen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Paderborn kann am Montag den Bundesliga-Aufstieg sicherstellen
  • Hinspiel in Wolfsburg liefert positive Erkenntnisse für den SCP
  • In der Offensive gibt es Steigerungspotenzial - Baur-Rückkehr als Hoffnung

"Unser Ziel war, dass wir nach Paderborn fahren und da einfach eine realistische Chance haben, das Ding zu drehen oder zu Ende zu bringen", sagte Kettemann. "Und das ist jetzt so. Von daher sind wir happy." In Paderborn kommt es am Montagabend zum echten Endspiel: Gewinnt der SCP - ob nach 90 Minuten, Verlängerung oder dem Elfmeterschießen - steigt er auf. Dass das absolut im Bereich des Möglichen liegt, haben einige Erkenntnisse aus dem Hinspiel gezeigt.

Paderborn kann aus dem Hinspiel einiges mitnehmen

Das torlose Remis in Wolfsburg war kein Spiel der Kategorie "Leckerbissen", aber es war eins, das vor allem den Paderbornern Auftrieb geben darf. Gegen die favorisierten Wolfsburger, das Team aus der Bundesliga mit dem deutlich höheren Etat, präsentierte sich der SCP über weite Strecken auf Augenhöhe. Zwar waren die "Wölfe" überlegen, was den Ballbesitz angeht, und sie erarbeiteten sich ein Chancenplus, doch es waren eben nicht viele hochkarätige Gelegenheiten dabei.

"Paderborn hat es gut verteidigt", zollte Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking dem Gegner Respekt. "Sie haben uns nicht die Räume gegeben wie in den letzten Spielen der 2. Liga." Hecking spielte dabei auf wilde Paderborner Partien im Saison-Endspurt an, etwa das 4:3 gegen Magdeburg, das 2:3 gegen Schalke oder das 1:5 in Elversberg - allesamt Spiele, in denen sich die Ostwestfalen defensiv nicht sattelfest präsentiert hatten.

Gute Ausgangslage für Relegations-Rückspiel

NRW-Sport 22.05.2026 01:33 Min. Verfügbar bis 22.05.2027 WDR Online

Daghim und Co. weitestgehend kaltgestellt

Insbesondere die Abwehr-Dreierkette mit Calvin Brackelmann, Tjark Scheller und Mattes Hansen legte jetzt aber einen stabilen Auftritt hin. Die wuchtigen Stürmer Adam Daghim und Dzenan Pejcinovic waren über weite Strecken abgemeldet, auch der wuselig-abschlussstarke Joker Mohamed Amoura konnte sich kaum in Szene setzen. Auf den Flügeln hatten Laurin Curda und Jonah Sticker - bis zu seiner unnötigen Gelb-Roten Karte in der Nachspielzeit - die Lage zumeist im Griff.

Es war nicht so, dass Wolfsburg irgendwie fünf Großchancen hatte. Deswegen bin ich zufrieden mit den Jungs. Ralf Kettemann, Trainer SC Paderborn

Und wenn Wolfsburg dann doch einmal gefährlich vor das Tor kam, war dann eben einer zur Stelle, der schon während der gesamten Saison positiv heraussticht: Torhüter Dennis Seimen. Die Leihgabe vom VfB Stuttgart glänzte im Eins-gegen-Eins gegen Daghim (32. Spielminute) und parierte beispielsweise Christian Eriksen abgefälschten Schuss stark (43.).

"Das ist ja mein Job", fiel Seimens Kommentar nüchtern aus. "Es ist klar, dass man nicht alles wegverteidigen kann gegen so eine gute Bundesligamannschaft. Und ja: Dann war ich da, wenn ich gebraucht war." Wie der 20-Jährige die Chancen für das Rückspiel einschätzt? Ebenfalls nüchtern: "Gut. Wir haben jetzt ein Heimspiel mit unseren Fans, die uns tragen werden. Wir werden alles auf dem Platz lassen."

SCP-Keeper Seimen - "Das ist mein Job"

NRW-Sport 22.05.2026 01:13 Min. Verfügbar bis 21.05.2028 WDR Online

Feldüberlegenheit klar beim VfL Wolfsburg

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der Zweitligist sich im Offensivspiel schwer tat. Das ist angesichts der Vorzeichen nicht überraschend, war aber eben auch augenscheinlich. Paderborn kam zwar jeweils durch Filip Bilbija zu Beginn (9.) und kurz vor Schluss (84.) zu guten Gelegenheiten, insgesamt belegen die Zahlen aber ein klares Wolfsburger Übergewicht: Bei 83 zu 30 Aktionen im gegnerischen Drittel spielten sich die Wolfsburger mit 20:4 ein klares Plus an Torschüssen heraus.

Paderborns Mika Baur

Fehlte in Wolfsburg gelbgesperrt: Paderborns Mika Baur

Auch wenn Paderborns Stürmer um Stefano Marino so blass blieben - unter anderem weil sie mit Defensivaufgaben gebunden waren - war Kettemann auch mit der Offensive nicht unzufrieden. "Man hätte da schon ein bisschen mehr rausholen können, sei es mal ein Eckball, ein Einwurf oder sonst was", so der 39-Jährige. "Ich bin aber insgesamt zufrieden, vor allem weil wir mit Mika Bauer einen Spieler nicht zur Verfügung hatten, der schon wichtig für unser Spiel mit Ball ist."

Baur kehrt zurück - mit ihm mehr Offensivpower?

Besagter Baur fehlte im Mittelfeldzentrum gelbgesperrt, ist aber im Rückspiel mit an Bord. Seine Rückkehr bietet weiteren Anlass zu Optimismus. Nicht auflaufen wird Jonah Sticker, der in der Nachspielzeit des Hinspiels die Gelb-Rote Karte sah. Trotzdem ist klar: Es muss ein bisschen was zusammenlaufen, wenn nach sechs Jahren Zweitliga-Fußball die Rückkehr ins Oberhaus gelingen soll. "Ein, zwei mutigere Momente mit Ball, plus unser Publikum - dann ist alles möglich", sagt Kettemann.

Beste Voraussetzungen also für das große Aufstiegs-Finale. Ob die Ostwestfalen angesichts der Größe des Moments Nervenflattern bekommen? Kettemann verneint: "Am Ende ist es so: Den Jungs geht es gerade gut. Die wissen, was sie hier geleistet haben. Das ist eine positive Energie. Von daher lassen wir es einfach laufen." Runterfahren, dann einfach laufen lassen - manchmal sind es die einfachen Dinge, die zum Erfolg führen können.

Unsere Quellen:

  • Relegations-Spiel zwischen Wolfsburg und Paderborn am 21.05.206
  • Sportschau-Interviews nach dem Relegations-Hinspiel
  • Spieldaten von der DFL

Sendung: WDR.de, Gute Ausgangslage für Relegations-Rückspiel, 22.05.2026, 17:13 Uhr

Weitere Fußball-Berichte

1 / 2