Dem Wuppertaler SV steht kein schöner Sommer bevor. Der extrem bittere Abstieg aus der Regionalliga West hinunter in die fünfte Liga, die Oberliga Niederrhein, war ebenso ärgerlich wie vermeidbar. Immerhin hätte nach dem Zwangsabstieg von Fortuna Düsseldorfs 2. Mannschaft sogar Platz 16 gereicht, um die Regionalliga zu halten - doch selbst das schaffte der WSV unter Trainer Mike Wunderlich nicht.
Ein einziger Sieg gelang von Februar bis zum letzten Spieltag - da zog sogar der kleine SC Wiedenbrück noch am Traditionsklub vorbei und blieb in der Liga.
Spieler, Trainer und Sportliche Leitung weg
Und der WSV? Der steht vor einem Scherbenhaufen. Kein Spieler des Teams hat ein Arbeitspapier für die Oberliga, Trainer Wunderlich wurde ebenso der Laufpass gegeben wie schon Sportchef Gaetano Manno zuvor und jüngst dem Sportlichen Berater Stephan Küsters. Der komplette sportliche Bereich muss neu aufgestellt werden - für eine Liga, aus der man natürlich so schnell wie nur irgend möglich wieder herauskommen möchte. Oder muss.
Eine Mammut-Aufgabe für die Vereins-Verantwortlichen um Chef Ludger Kineke. Der Steuerberater und Rechtsanwalt räumt die schwierige Lage des Klubs im Gespräch mit wdr.de unumwunden ein: "Der Abstieg war sicherlich ein negativer Schlusspunkt und vielleicht symptomatisch für eine missratene Saison. Es geht für uns jetzt darum, so schnell wie möglich eine oder mehrere Personen zu installieren, die die Planung für die kommende Saison angeht und die Dinge dann auch umsetzt."
Oberliga Niederrhein - kein Selbstgänger
Dabei hat es die Oberliga Niederrhein, deren Saison noch nicht beendet ist, in sich. Der sofortige Wiederaufstieg ist keineswegs ein Selbstläufer. Auch die SpVg Velbert ist abgestiegen, es finden sich zudem Konkurrenten wie der KFC Uerdingen, VfB Hilden und Germania Ratingen, die allesamt die Regionalliga fest im Visier haben und von denen einer schon diesmal aufsteigen wird. Hinzu kommt die SpVg Schonnebeck - die jedes Jahr so etwas wie ein Hecht im Karpfenteich der Liga ist.
Ein Trainer muss her, ein Sportlicher Leiter und dann natürlich Spieler. Kineke findet, dass der Abstieg auch der Beginn etwas ganz Neues sein könnte: "Der WSV ist nicht nur ein Fußballverein, definiert sich keineswegs nur über die 1. Fußballmannschaft der Männer. Wir haben eine starke Jugendabteilung, eine starke Frauenabteilung, hinzu kommen etliche andere Sportarten. Ich wünsche mir, dass wir in Zukunft unsere Jugendspieler besser in die 1. Mannschaft integrieren und den regionalen Gedanken schärfen."
Historie - Als der Wuppertaler SV die Bayern aus dem Stadion schoss
02:19 Min.. Verfügbar bis 21.05.2027.
"Sofortiger Wiederaufstieg kein Muss"
Also sollen eher günstig Spieler aus dem Umland geholt werden, statt teure, aber erfahrenere Akteure aus dem Profifußball? "Genau", sagt Kineke, "es ist auch so, dass ein sofortiger Wiederaufstieg bei uns kein Muss ist. Es geht darum, den Verein neu aufzustellen. Auch finanziell übrigens."
Bekanntlich hat der WSV nach dem Tod des langjährigen Sponsors und Gönners Friedhelm Runde Ende 2024 seinen wichtigsten Geldgeber verloren. Seither versucht man beim WSV, das entstandene Loch durch die Aquise kleinerer Unterstützer zu stopfen.
Kineke als Türenöffner?
Dabei spielt der ehemalige CDU-Fraktionsvorsitzende Kineke, der schon seit vielen Jahren im Wuppertaler Stadtrat sitzt, naturgemäß eine Schlüsselrolle. Er soll seine Beziehungen nutzen, um dem WSV auch finanziell wieder auf die Beine zu helfen. "Die Dinge sind ganz gut angelaufen", sagt Kineke über diesen Bereich. "Wir sind aber immer noch in der Stabilisierungsphase, die ihre Zeit dauert."
Zeit, die der WSV im Hinblick auf die kommende Saison nicht hat. "Wir stellen gerade den Haushalt auf, sparen dabei an allen Ecken und Enden", berichtet Kineke.
"Müssen in die Gänge kommen"
Sicher ist derzeit, dass die 1. Mannschaft auch im Amateurfußballbereich weiterhin in dem großen, altehrwürdigen Stadion am Zoo spielen wird. "Das ist WSV-DNA, da gehen wir nicht weg, auch wenn es ziemlich kostspielig für uns ist", sagt Kineke, der ansonsten ganz genau weiß: "Jetzt muss erst einmal eine neue Sportliche Leitung her. Und die muss dann möglichst schnell in die Gänge kommen."
Unsere Quellen:
- Interview mit Ludger Kineke
- Online-Magazin "Reviersport"
- Homepage Wuppertaler SV
Sendung: WDR.de, Wuppertaler SV steht vor XXL-Umbruch, 21.05.2026, 15:00 Uhr