Schiedsrichter streiken: Kreisliga-Spiele in Wuppertal fallen aus

02:53 Min. Verfügbar bis 10.04.2028

Schiedsrichter streiken: Kreisliga-Spiele in Wuppertal fallen aus

Stand:

Wegen Gewalt gegen Schiedsrichter bestreiken die Unparteiischen im Bereich Wuppertal/Niederberg die Kreisligaspiele am Wochenende.

Im Amateurfußball im Raum Wuppertal fallen an diesem Wochenende zahlreiche Kreisliga-Spiele aus. Der Kreisschiedsrichterausschuss Wuppertal/Niederberg hat angekündigt, alle Spiele im Kreis in den Herren-Kreisligen A, B und C von Freitag bis Sonntag zu bestreiken.

Angriff auf Schiedsrichter war Auslöser

Gregor Hoffmann sitzt in Trikot-Shirt an einem Tisch und lächelt in die Kamera.

Gregor Hoffmann

Am 29. März haben Spieler bei einem Kreisliga-Spiel einen Schiedsrichter angegriffen, der laut Ausschussvorsitzendem Gregor Hoffmann "über den Platz gejagt wurde". Auch die Polizei war vor Ort im Einsatz. Laut Hoffmann wurden strafrechtliche Verfahren eingeleitet. Für die ehrenamtlichen Schiedsrichter sei das kein Einzelfall. Der Ausschuss berichtet von mehrfachen Angriffen auf Unparteiische und sogar einer Morddrohung.

Kreisliga-Club unterstützt den Schiri-Streik

Einer der vom Streik betroffenen Vereine ist der SV Jägerhaus Linde aus Wuppertal. Deren für Sonntag angesetzte Kreisligapartie muss nun verschoben werden. Kein größeres Problem aus Sicht von Trainer Tobias Schnäbeli.

Mann mit blauer jacke steht vor einem Fußballfeld

Tobias Schnäbeli, Trainer des SV Jägerhaus Linde

Er steht hinter der Aktion der Schiedsrichter: "Wir hatten auf unserem Platz vor einigen Jahren auch mal Ausschreitungen, als es gegen den Abstieg ging. Ich habe auch den Eindruck, dass das Problem zuletzt schlimmer geworden ist. Die Schiedsrichter zu attackieren, die da ja auch nur ihr Hobby ausüben – das geht in die ganz falsche Richtung. Von daher ist der Schiri-Streik ein gutes Zeichen.“

Felix Heyder, Spieler beim SV Jägerhaus Linde, fordert härtere Strafen für Attacken auf Schiedsrichter. Ein Problem in den Amateurligen sei auch mangelnder Schutz, da die Unparteiischen oft nicht begleitet würden und auf sich allein gestellt seien. Die brenzligste Situation hat Heyder vor seiner Zeit beim SV Jägerhaus Linde erlebt:

"Da hatte ein Schiedsrichter einem Spieler die rote Karte gegeben. Dieser Spieler kam damit nicht zurecht und hat dem Schiri mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen." Felix Heyder, Spieler beim SV Jägerhaus Linde

Schiedsrichter fordern Konsequenzen

Wegen solcher Vorfälle wollen die Ehrenamtlichen aus Wuppertal und Niederberg mit ihrem Streik ein deutliches Zeichen setzen. Der Kreisschiedsrichterausschuss fordert spürbare Konsequenzen für Täter und mehr Präventionsarbeit. "Wir erwarten, dass die Vereine [...] wachgerüttelt werden. Wir sind ein Teil des Fußballspiels und nicht nur Dienstleister", sagte Gregor Hoffmann im Interview mit dem WDR. Sollte sich nichts ändern, schließen die Schiedsrichter weitere Streiks nicht aus.

Streiks der Schiedsrichter im Amateurfußball gab es in der Vergangenheit schon mehrere. 2019 wurde laut Kölner Stadt-Anzeiger beispielsweise ein Unparteiischer in der Kölner Kreisliga D über den Platz gejagt und verletzt, woraufhin der Schiedsrichter-Ausschuss des Kreises an einem Sonntag die Kreisligen A bis D bestreiken ließ. Im Kreisfachverband Börde legten die Offiziellen ihre Pfeifen im vergangenen Jahr vom 28. bis zum 30. November nieder, weil Schiedsrichter und Schiedsrichterinnen wiederholt bedroht, angegriffen oder rassistisch beleidigt worden seien. Der MDR hat darüber berichtet.

Anzahl der Vorfälle sinkt in kleinen Schritten

Der Deutsche Fußball-Bund kennt das Problem und hat nicht zuletzt wegen solcher Übergriffe in der Saison 2014/2015 erstmals das "Lagebild zum Amateurfußball" erstellt. Auf Basis der Spielberichte der Schiedsrichter will sich der DFB so einen Überblick über die "Stimmung auf den Plätzen" verschaffen, um eine "solide Datenbasis" für eine "wirksame Prävention" zu haben.

Spielabbruch - Macht Gewalt den Amateurfußball kaputt?

NRW-Sport 10.04.2026 24:35 Min. Verfügbar bis 09.04.2028 WDR Online

Streiks wie der aktuelle in Wuppertal lassen den Schluss zu, dass zumindest die Ehrenamtler an der Pfeife bei der Prävention noch Luft nach oben sehen. Der DFB meldete in seinem bis dato letzten Lagebild für die Saison 2024/2025 einen Rückgang der Gewaltvorfälle - nicht nur gegen Schiedsrichter. Der Anteil der Partien mit gemeldeten Gewalt- oder Diskriminierungsvorkommnissen lag demnach bei einer Gesamtzahl von rund 1,286 Millionen Partien mit 0,43 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit 2021.

Ronny Zimmermann, DFB-Vizepräsident Amateure und Leiter der AG Gewaltprävention, räumte im vergangenen September ein, dass die Anzahl der Vorfälle "leider nur in kleinen Schritten" sinke. Im Raum Wuppertal haben die Schiedsrichter diese mit Blick auf ihre eigene Sicherheit offenbar als zu klein empfundenen Schritte nun bewogen, dieses Wochenende zu streiken.

Schiedsrichter streiken in Kreis Wuppertal

WDR Studios NRW 10.04.2026 00:33 Min. Verfügbar bis 09.04.2028 WDR Online

Unsere Quellen:

Sendung: WDR 2, WDR Aktuell, 10.04.2026, 2 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, WDR Aktuell, 10.04.2026, 12:45 Uhr Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land, 11.03.2026, 19:30 Uhr

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