Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft kämpft derzeit um die Qualifikation zur Fußball-WM. Mittendrin und am Dienstag auch als Torschützin in Erscheinung getreten: Nicole Anyomi. Die Mittelstürmerin von Eintracht Frankfurt hat für ihre 26 Jahre schon sehr viel erreicht - auf und neben dem Platz.
Ihre Fußballkarriere begann für die gebürtige Krefelderin im heimischen Garten. "Wenn man zwei Brüder hat und die anfangen Fußball zu spielen, dann will man als Mädchen auch gerne mitspielen", erzählte sie einst in einem ZDF-Interview. Während ihre Brüder jedoch schnell zu einem Verein wechselten, hatte ihre Mutter für Nicole andere Pläne: "Sie hat gesagt, ich sei ein Mädchen und sie wollte mich lieber zum Reiten schicken." Ihr Vater habe ihr Talent jedoch erkannt und sich schließlich durchgesetzt.
Anyomi hat von den Jungs "viel gelernt"
So kam sie zum SuS 08 Krefeld, wo sie zunächst gegen Jungs spielte. Für Anyomi war das aber kein Nachteil. Es habe ihr sogar geholfen: "Die Jungs sind viel schneller und haben einen unglaublichen Körpereinsatz", erklärte sie gegenüber der "Rheinischen Post". "Die Passschärfe, das Dribbling - das ist einfach anders. Man konnte sich damals wie auch heute einiges von ihnen abgucken und lernen."
Offensichtlich lernte Anyomi schnell, denn ihre Karriere nahm rasch Fahrt auf. Über Borussia Mönchengladbach kam sie im Sommer 2014 zur SGS Essen, wo sie zunächst in der B-Jugend spielte. Im Herbst 2016 gab Anyomi dann im Alter von 16 Jahren ihr Debüt in der Frauen-Bundesliga. Und aus der ist sie seitdem nicht mehr wegzudenken.
Vom "schüchternen Mädchen" zum gestandenen Profi
Kam sie 2021 noch als "schüchternes Mädchen", wie sie selbst sagte, nach Frankfurt, übernahm sie seitdem mehr und mehr Verantwortung. Heute kann Anyomi bereits auf vier Spielzeiten bei der Eintracht zurückblicken - und das mit stetig steigender Torquote. "Ich würde schon sagen, dass ich einen großen Schritt gemacht habe in meiner Entwicklung und jetzt eine gestandene Bundesligaspielerin geworden bin", sagt sie im vereinseigenen Podcast.
Auch im Nationaltrikot durfte sich die Stürmerin schon früh beweisen. Nachdem sie alle deutschen Nachwuchsmannschaften durchlaufen hatte, wurde Anyomi im Herbst 2020 von der damaligen Trainerin Martina Voss-Tecklenburg in den Kader der A-Mannschaft berufen. Ihre Premiere feierte Anyomi am 21. Februar 2021 gegen Belgien.
Ihr großer Bruder Romel erinnert sich noch genau an diesen Tag, wie er im Interview mit dem Fußballverband Niederrhein erzählte: Die ganze Familie habe "gehofft und gewartet", wann es denn so weit sein würde. "Als sie dann tatsächlich am Seitenrand stand und sich für die Einwechslung bereit gemacht hat, da stieg bei uns allen der Puls."
Anyomis Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung
Ihre Popularität als Nationalspielerin nutzt Anyomi auch regelmäßig, um sich gegen Rassismus und Diskriminierung zu engagieren. Für sie sei das "ein sehr, sehr wichtiges Thema", denn auch sie wurde bereits damit konfrontiert. So gab es etwa nach dem verlorenen EM-Finale gegen England 2022 für Anyomi zahlreiche rassistische Kommentare in den sozialen Medien. Zum Schweigen brachte sie das nicht: "Dagegen werde ich immer meine Stimme erheben", stellt sie klar.
Einen Ausgleich zum Fußball findet Anyomi in der Mode - schon immer ihre zweite große Leidenschaft. Sie studierte Modemanagement und brachte 2020 sogar ihre eigene Modemarke an den Start, die sie nach ihrem zweiten Vornamen "Etonam" benannt hat. Und wer weiß: Vielleicht ist es am Ende ja sogar die Mode, die sie irgendwann zurück in ihre Heimat führt. Schließlich ist Krefeld auch als "Samt- und Seidenstadt" bekannt.
Unsere Quellen:
- Homepage von Eintracht Frankfurt
- Westdeutsche Zeitung
- Rheinische Post
- Interview von Romel Anyomi mit dem Fußballverband Niederrhein
Sendung: "Krefelderin Nicole Anyomi - ein wichtiger Faktor für die DFB-Frauen", WDR.de, 14.04.2026, 17:50 Uhr