Dagmar Engel ist voller Euphorie: "Das wird ein Riesenerlebnis für die Mädels", sprudelt es aus der Mädchen-Jugendleiterin des BC Efferen, einem kleinen Amateurverein im Westen Kölns, heraus. Am 14. Mai ist das DFB-Pokalfinale der Frauen in Köln. Der FC Bayern trifft auf den VfL Wolfsburg.
Bevor es zum großen Showdown der beiden besten deutschen Teams kommt, dürfen die Kleinen ran: Die U13-Teams des BC Efferen und des ESV Olympia Köln treffen in einem Einlagespiel aufeinander. Im großen Stadion in Müngersdorf - vor ganz großer Kulisse.
Mädchen müssen von Vätern trainiert werden
"Es ist auch eine Belohnung für das Engagement unseres Vereins", findet Engel, die seit ein paar Monaten die Mädchenabteilung beim BC leitet. "Wir haben im Herbst 2024 ein Probetraining für interessierte Mädchen angeboten und waren geflasht vom Zulauf. An dem Tag sind allein 50 Mädels zu uns gekommen, um mal am Vereinsfußball zu schnuppern", erklärt sie.
Für den BC hat sich der Aufwand gelohnt. Heute hat der Verein fünf Mädchenteams im Spielbetrieb und ist zufrieden. Auch, wenn nicht alles optimal läuft. "Bei uns sind die Papas die Trainer, ausgebildete Leute können wir uns nicht leisten", erklärt Engel. Und: "Es fehlen uns immer wieder Gegnerteams, weil gerade auf dem Land nicht genug Mädels für komplette Teams zusammenkommen."
Mehr Mädchen, aber nicht mehr Platz
Nicht genug Spielerinnen - dieses Problem hat auch der DFB längst erkannt und 2021 das Projekt "Strategie Frauen im Fußball FF27" ins Leben gerufen. Mit verschiedenen Maßnahmen wie Trainerausbildung, Öffentlichkeitsarbeit und Fördertagen sollten - so das Ziel - bis 2025 ein Anstieg junger Spielerinnen um 25 Prozent angestrebt werden.
Ein hehres Ziel, das nicht ganz erreicht wurde. Aber immerhin: Der Anstieg an Spielerinnen hat stattgefunden. Spielten in NRW in den drei Fußballverbänden Mittelrhein, Niederrhein und Westfalen 2022 insgesamt 100.336 Mädchen Fußball im Verein, waren es 2025 122.044. Die Anzahl der Mädchenmannschaften stieg im gleichen Zeitraum von 1.066 auf 1.645 an.
Mädchenfußball: Fehlende Infrastruktur als Problem
Eine gute Bilanz - die aber besser sein könnte. In vielen Vereinen gibt es gar nicht die Infrastruktur für Mädchenfußball. Es braucht neben den reinen Ressourcen auf dem Platz eigene Umkleidemöglichkeiten und abgeschlossene Duschräume, die es in vielen Sportanlagen nicht gibt. Und das Geld in den Kommunen ist knapp, Aus- oder Umbau der Sportstätten ist in vielen Gemeinden und Städten ein riesiges Problem.
Das hat auch Benjamin Klotz beobachtet. Der Mädchenbeauftragte der DJK Südwest Köln, einem der größten Vereine der Stadt, beklagt vor allem Platzmangel. Der Verein unterhält in der laufenden Saison 26 Jugendmannschaften davon sind sechs Juniorinnenteams. Mädchen- und Frauenfußball ist bei der DJK Südwest eine große Sache, die erste Damenmannschaft steht kurz vor dem Aufstieg in die Regionalliga, die dritthöchste Spieklasse im Frauenfußball.
Sechs Teams gleichzeitig auf einem Trainingsplatz
Aber auch bei der DJK gibt's Probleme: "Wir haben nur einen Kunstrasenplatz, da quetschen wir zu den Trainingszeiten sechs Teams gleichzeit drauf", erklärt Klotz.
Häufig ist es so, dass die Mädchenteams schräg angeschaut werden, meint Klotz vor allem bei anderen Vereinen zu bemerken: "Wir haben oft Schwierigkeiten, passende gegnerische Teams zu finden, weil in anderen Vereinen der Mädchenfußball weit weniger Bedeutung hat als der für die Jungs. Bei Platzmangel wird dann schnell als erstes auf die Mädchen geschaut, wenn es darum geht, Ressourcen zu sparen."
Hohe Kosten für Vereine
Der Verein finanziert alles selbst, unterstützt angehende Trainer auch bei deren Ausbildung. "Meine eigene Trainer-B-Lizenz hat 1.800 Euro gekostet, der Verein hat sich beteiligt. Das tut er auch bei anderen, aber natürlich ist das auch für den Verein trotz der Bezuschussung vom Verband eine große Belastung", sagt Klotz.
Um Mädchenfußball auch niederschwellig voranzubringen, wünscht er sich vom Verband mehr Flexibilität. "Die meisten Vereine haben nicht genügend Spielerinnen, um Jahrgangsmannschaften voll zu bekommen. Wenn sie trotzdem am Spielbetrieb teilnehmen wollen, müssen sie ältere und jüngere Spielerinnen zusammenfassen", erklärt er.
Junge Mädchen rasch überfordert
Gemischte Teams sind im Verbands-Spielbetrieb nicht vorgesehen, daher sind viele junge Mädchen häufig gezwungen, gegen Ältere zu spielen. Hat man als Verein beispielsweise Mädchen zwischen 15 und -11 Jahren, muss man diese laut Verbands-Statuten als U16 melden. "Die jungen Mädchen sind rasch überfordert und verlieren die Lust. Ebenso wie die Älteren, die sich gegen die viel jüngeren Gegenspielerinnen schnell unterfordert fühlen", erklärt Klotz.
Mehr Flexibilität wünscht sich auch Dagmar Engel vom BC Efferen. "Ich weiß von vielen Mädchen, die wieder mit Fußball aufgehört haben. Die konnten zwar im Verein trainieren, aber nie um Punkte spielen, weil ihr Alter zu keiner Mannschaft passte." Engel wünschte sich ein wenig mehr Verbands-Flexibilität: "Der Verband könnte die Regeln lockern. Vereine könnten sich untereinander im Vorfeld eines Spiel absprechen, mit welcher Altersstruktur sie gegeneinander antreten. In Bayern gibt es so etwas schon", erklärt sie.
Mehr Verbands-Flexibilität gewünscht
Mit dem ESV Olympia hat man sich im Vorfeld des Spiels im großen Kölner Stadion bereits kurzgeschlossen. Und man hat sich schnelle inigen können. Das Vorspiel zum DFB-Pokalfinale der Frauen wird im Neun gegen neun von Strafraum zu Strafraum stattfinden. Für ein match Elf gegen Elf haben beide in der U13 nicht genügend Spielerinnen.
Unsere Quellen:
- Interview mit Benjamin Klotz
- Interview mit Dagmar Engel
- DFB-Info-Webseite zur Frauenfußball-Entwicklung
- DFB-Mitgliederstatistik
Sendung: WDR.de, "Anstieg im Mädchenfußball - aber Infrastruktur hinkt hinterher", 27.04.2026, 13:00 Uhr