Die Ostwestfalen setzten sich trotz eines frühen Rückstands am Sonntag mit 6:1 (0:1) durch und rückten von Relegationsplatz 16 auf Rang 13 vor. Joel Grodowski (49./59.), Monju Momuluh (65.), Stefano Russo (74.), Semir Telalovic (90.+2) und Roberts Uldrikis (90.+6) sorgten am Ende für einen Kantersieg.
Während sich Bielefeld eindrucksvoll rettete, muss Fortuna Düsseldorf als zweiter Absteiger nach Preußen Münster den Gang in die 3. Liga antreten. Düsseldorf unterlag 0:3 bei Greuther Fürth, das auf Platz 16 vorrückte und in der Relegation nun auf Rot-Weiss Essen trifft. Die Hertha, für die es in der Partie sportlich um nichts mehr ging, schloss die Saison auf Platz sieben ab.
"Wir kriegen durch eine Flanke das 1:0 - das war, so wie wir gespielt haben, nicht gerecht", sagte Doppelpacker Grodowski nach der Partie. "Aber wir haben dann in der Kabine gesessen und gesagt: Wir wollen dieses Spiel gewinnen, wir werden dieses Spiel gewinnen." Der Nicht-Abstieg fühle sich in dieser Saison wie ein Aufstieg an.
"Ich war mir relativ sicher: Wenn wir unsere Hausaufgaben machen, werden wir das Spiel gewinnen", sagte Arminias Coach Mitch Kniat nach der Partie. "Sechs Tore gegen Hertha musst auch erst mal machen, wir waren von der 1. Minute an da. Wir sind in Rückstand geraten, aber das konnte die Mannschaft nicht einschüchtern und wir sind auf den Gaspedal geblieben".
Kniat krempelt Startelf um
Kniat, der die enttäuschende 0:2-Niederlage beim 1. FC Kaiserslautern in der Vorwoche rotgesperrt von der Tribüne hatte verfolgen müssen, änderte seine Startelf gleich auf fünf Positionen: Christopher Lannert, Maximilian Großer, Arne Sicker, Sam Schreck und Joel Grodowski begannen anstelle von Felix Hagmann, Robin Knoche, Tim Handwerker, Jannik Rochelt und Uldrikis.
Bereits in der 1. Minute hatten die Arminen einen Schock-Moment. Beim ersten Hertha-Angriff über die rechte Seite schlug Julian Eitschberger eine Flanke auf den zweiten Pfosten, wo der allein gelassene Janne Berner den Ball knapp am Tor vorbeischob. Doch die Anfangsphase gehörte danach den Bielefeldern, die ihre Zweikämpfe intensiv führten und den Weg nach vorne suchten. Nach einer Flanke von der linken Seite durch Grodowski setzte sich Maël Corboz (9.) in der Mitte durch, traf den Ball mit dem Kopf aber nicht richtig.
Wörl vergibt Riesenchance - Berlin trifft
Von Herthas Offensive war nach der Großchance zu Beginn zunächst nichts mehr zu sehen, die Hausherren machten das Spiel - zwingende Torchancen sprangen allerdings nicht heraus. Erst ein Flachschuss von Lannert (21.) aus über 25 Metern forderte Berlins Torhüter Tjark Ernst, der den Ball mit den Fingerspitzen um den rechten Pfosten lenkte. Bei der darauf folgenden Ecke klatschte ein Kopfball von Bauer (22.) an den Pfosten, doch der Treffer hätte wegen eines vorangegangenen Offensivfouls nicht gezählt.
Auf der Gegenseite wurden die Gäste gefährlich, als Linus Gechter (25.) nach einer Reese-Flanke von der linken Seite knapp über das Tor köpfte. Berlin kam wieder besser ins Spiel, hatte wieder mehr Ballbesitz-Phasen, aber dann kam Bielefeld zu seiner bis dahin besten Möglichkeit in der Partie: Nach einem starken Steckpass von Corboz tauchte Marius Wörl (35.) frei vor dem Hertha-Tor auf, scheiterte aber im direkten Duell mit Keeper Ernst.
Dass die Arminia diese Riesenchance nicht nutzte, rächte sich nur zwei Minuten später. Nach einem von der Bielefelder Defensive zunächst geklärten Freistoß schlug Eitschberger aus dem rechten Halbfeld eine präzise Flanke auf Gechter (37.), dessen Kopfball aus kurzer Distanz im rechten Eck zum 1:0 einschlug. Bielefeld lief nach dem Gegentreffer weiter an, doch im Angriffsdrittel fehlte oft die Durchschlagskraft. Zur Halbzeitpause lag die Arminia in der Live-Tabelle auf Rang 17, weil Fürth zeitgleich mit 3:0 gegen Fortuna Düsseldorf führte.
Bielefeld kommt mit Wucht aus der Kabine
Nach der Halbzeitpause gab Bielefeld von Anpfiff weg Vollgas - und hatte erst einmal Pech. Nach einer Ecke von Bauer köpfte Wörl (48.) aus wenigen Metern wuchtig auf das Tor, ehe Berlins Fabian Reese den Ball auf der Linie mit Hilfe seiner Hüfte und des rechten Pfostens in höchster Not klärte.
Aber eine Minute später durften die Fans auf der Bielefelder Alm jubeln. Nachdem die Berliner einen Angriff der Gastgeber mit einem Befreiungsschlag eigentlich geklärt hatten, schlug Arminias Momuluh einen hohen, langen Ball in den Hertha-Strafraum. Grodowski (49.) reagierte am schnellsten, fixierte den Ball mit seinen Augen und hämmerte ihn volley in den linken Winkel.
Grodowski köpft Arminia in Führung
Kurz darauf hatte Berlin die erneute Führung auf dem Fuß, als Eitschberger (53.) nach einer Flanke auf den zweiten Pfosten mit einem wuchtigen Kopfball am glänzend parierenden Arminia-Keeper Jonas Kersken scheiterte. Dieses Mal rächte es sich für die Gäste, die Möglichkeit liegen gelassen zu haben. Denn kurz darauf brachte Sicker einen Bielefelder Freistoß von der Grundlinie an den ersten Pfosten, wo Grodowski (59.) hochstieg und den Ball ins linke Eck köpfte.
Arminia ließ nicht nach und den dritten Treffer folgen. Berlins Pascal Klemens verlor den Ball im Spielaufbau an Wörl, der Grodowski auf die Reise schickte. Der Doppel-Torschütze spielte im Strafraum einen Querpass zu Momuluh (65.), der nur noch den Fuß reinhalten musste - 3:1. Von Berlin kam offensiv nichts mehr, stattdessen baute Bielefeld seine Führung aus. Nach eine Ecke konnte Ernst einen Kopfball von Großer zunächst abwehren, doch Russo (74.) staubte ab und traf im Nachschuss.
Bielefeld macht immer weiter
Während die Fans auf den Rängen den Klassenerhalt bereits mit Gesängen feierten, ließ die Arminia auf dem Rasen nichts mehr anbrennen und legte weiter nach. Nach einem Pass von Rochelt überlupfte Sarenren Bazee (82.) Berlins Torwart Ernst, doch der Ball strich haarscharf am linken Pfosten vorbei. In der Nachspielzeit traf Telalovic (90.+2) mit dem Kopf zum 5:1, ehe Uldrikis (90.+6) mit dem 6:1 den Schlusspunkt setzte.
Berlins Trainer Stefan Leitl suchte nach der Partie eine Erklärung für die Leistung seiner Mannschaft in der zweiten Halbzeit. "Wir haben zwei unterschiedliche Halbzeiten gesehen. Wir haben eine ordentliche Leistung gezeigt und sind in Führung gegangen, aber die Leistung in der zweiten Hälfte ist für mich gerade noch nicht zu erklären. Wenn du um Platz fünf kämpfst und das Spiel dann so aus der Hand gibst, ist das nicht zu erklären".
Unsere Quellen:
- Spiel zwischen Arminia Bielefeld und Hertha BSC am 17.05.2026
Sendung: WDR.de, "Bielefeld bleibt in der 2. Bundesliga - die Audio-Highlights", 17.05.2026, 17:52 Uhr