Viele denken über einen Autritt nach
Zwei Drittel der Kirchenmitglieder haben in jüngerer Zeit über Kirchenaustritt nachgedacht. Ein Viertel der Kirchenmitglieder verstehen sich überhaupt nicht als Christin oder Christ. Solche und ähnlich ernüchternde Ergebnisse hat die jüngste Untersuchung zur Kirchenmitgliedschaft ergeben. Seit 1972 befragt die Evangelische Kirche in Deutschland in repräsentativen Studien aktuelle und ehemalige Mitglieder nach dem, was die von ihrer Kirche erwarten.
Kirchen in der Mitgliederkrise
Die Ergebnisse der 6. Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung wurden Ende 2023 veröffentlicht. Die Frage nach den Konsequenzen daraus beschäftigt die Kirchen seitdem. Erstmals wurden in die Untersuchung auch katholische Christen sowie muslimische und konfessionslose Menschen einbezogen. Die Ergebnisse bestätigen alle Prognosen, nach denen die Kirchen in 25 - 30 Jahren bestenfalls noch halb so groß sind wie heute.
Die Institution behält ihre Bedeutung
Und doch sind die Gottesdienste an Heiligabend weiter voll. Und bei aller Ferne zur Institution oder zu dogmatisch gefassten Glaubensüberzeugungen: dass es gut ist, Kirchen zu haben, davon sind auch Fernstehende überzeugt. Die Kirchen werden als wichtige Ansprechpartner in sozialen Belangen und bei grundlegenden Lebenskrisen betrachtet. Auch politisch sollen sie sich durchaus äußern, da, wo es um grundlegende christliche Themen geht – den Umgang mit Geflüchteten zum Beispiel.
Welche Veränderungen sind nötig?
Wie sich die Kirchen in der Zukunft verändern werden, welche Herausforderungen sie bewältigen können und von was sie sich auch trennen müssen – danach fragt der Theologe Georg Lämmlin. Er leitet das Sozialwissenschaftliche Institut der EKD und erforscht damit die Situation nicht nur der evangelischen Kirche.
Zur Person:
Georg Lämmlin wurde 1960 auf einem Bauernhof im Markgräflerland in Baden-Württemberg geboren. Den Hof wollte er nach Abitur und Zivildienst nicht übernehmen, stattdessen studierte er evangelische Theologie, Soziologie und Philosophie in Bielefeld und Heidelberg. 1991 promovierte er, 1993 wurde er als evangelischer Pfarrer ordiniert. 2001 habilitierte er sich in der Praktischen Theologie und ist seitdem Privatdozent an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Georg Lämmlin arbeitete als Gemeindepfarrer, in evangelischen Akademien und an Universitäten. Seit 2019 ist er Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland.
Literatur:
Sozialwissenschaftliches Institut der EKD
Ausführliches Material und Texte zur 6. Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung
Georg Lämmlin / Hilke Rebenstorf / Ann-Christin Renneberg (Hgg.): Herausforderungen und Potentiale vor Ort – Zweites Kirchengemeindebarometer, Nomos Verlag 2024, 364 S., 89 Euro
Moderation: Kirsten Dietrich
Redaktion: Christina-Maria Purkert