Abraham Lehrer: Jüdisch in schwierigen Zeiten
Stand:
Die etwa 200.000 Jüdinnen und Juden in Deutschland erfahren immer häufiger antisemitische Gewalt. Wahrgenommen werden sie oft nur mit Blick auf den Holocaust. Abraham Lehrer will jüdisches Leben in Deutschland auch in herausfordernden Zeiten gestalten.
Judentum ist mehr als Gedenken
2021 stand im Zeichen des bundesweiten Gedenkjahres an 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland. Anlass war ein Edikt des römischen Kaisers Konstantin aus dem Jahr 321, in dem Juden erlaubt wurde, in Städten wie Köln Mitglied des Stadtrates zu sein. 1700 Jahre jüdisches Leben - damit sollte ausdrücklich der Blick auf die Vielfalt der jüdischen Gegenwart gerichtet werden. Judentum ist mehr als das Gedenken an das nationalsozialistische Verbrechen des Holocaust, das war dem Initiator Abraham Lehrer wichtig.
Der Gaza-Krieg strahlt aus
Vier Jahre später ist viel des hoffnungsvollen Geistes vergangen. Das vergangene Jahr war ein schwieriges für Juden und Jüdinnen in Deutschland: der Krieg in Gaza strahlt aus, auch auf Deutschland. Seit dem Terrorangriff der islamistischen Hamas am 7. Oktober 2023 und der harten militärischen Reaktion Israels darauf, ist die Region in der Krise und weiterhin fern von Frieden.
Trotz allem optimistisch
Die jüdischen Gemeinden in Deutschland begleiten die Entwicklungen mit Sorge. Sie registrieren einen Anstieg antisemitischer Gewalttaten und beobachten besorgt, wie viele Dialoge und Gespräche abgebrochen sind. Abraham Lehrer steht wie kaum ein anderer für zivilgesellschaftliches Engagement, innerhalb der jüdischen Gemeindestrukturen, aber auch darüber hinaus. Er ist eng verbunden mit der Stadt Köln. Und er blickt mit einem trotzigen Optimismus auf die Zukunft des Judentums in Deutschland.
Zur Person:
Abraham Lehrer wurde 1954 in New York geboren. Schon als kleines Kind kam er mit seinen Eltern, beide Überlebende des Holocaust, nach Köln. Dort wuchs Abraham Lehrer in die jüdische Synagogengemeinde hinein. Zuerst als Jugendleiter für Freizeiten, dann ab 1987 als Mitglied des Gemeinderates. Inzwischen ist er dort Mitglied im Vorstand. Abraham Lehrer ist studierter Chemiker und Programmierer und baute eine Firma für Software-Dienstleistungen auf. Daneben ist Lehrer ehrenamtlich in ganz verschiedenen jüdischen Institutionen aktiv. Er ist Präsident der Zentralwohlfahrtsstelle des Juden und Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Auf seine Initiative stand das Jahr 2021 im Zeichen von 1700 Jahren jüdischen Lebens in Deutschland.
Moderation: Kirsten Dietrich
Redaktion: Christina-Maria Purkert