Über die Wupper: Der "Erlebnisweg Wupper" rund um Solingen

Wer hier unterwegs ist, spaziert durch die Industrie- und Kulturgeschichte der Klingenstadt. Historische Schleifkotten säumen das Wupperufer, die Festungsanlage Schloss Burg hoch über der Wupper ist eine Augenweide.

Das Doppelkotten: Rechts die Schleiferei, links ein Wohnhaus

Der Wipperkotten ist ein Doppelkotten. Rechts befindet sich die Schleiferei, das Gebäude links ist seit 1954 ein Wohnhaus. Das beständige Rauschen der Wupper, die das Wehr dort überwindet, muss man auf Dauer mögen.

Die historische Schleiferei Wipperkotten stammt aus dem 17. Jahrhundert. Sie ist noch in Betrieb und die einzige Schleiferei in Solingen, die noch mit Wasserkraft betrieben wird. "Wipper" bedeutet "Wupper". "Kotten" bezeichnet ein kleines, etwas abseits gelegenes Fachwerkhaus.

Krumm und schief ist der malerische Wipperkotten, in dem noch heute Messer produziert werden. In früheren Zeiten reihten sich die per Wasserkraft betriebenen Schleifereien an der unteren Wupper wie Perlen auf einer Schnur auf. Die Schleifer, die dort arbeiteten, begründeten Solingens Weltruhm als Klingenstadt.

Im Innern des Wipperkotten. Hier befindet sich das Herzstück: Im Hintergrund ist das mächtige Mühlrad zu sehen. Durchmesser: 4,70 Meter. Die Welle aus Eichenholz treibt den Zahnkranz an, der die Kegelräder und die Hohlräder in Bewegung setzt. Über Transmissionsriemen gelangt dann die Energie an die Schleifstellen.

Ralf Jahn hat vor neunzehn Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und arbeitet seitdem hauptberuflich als Schleifer im Wipperkotten. In seiner Manufaktur stellt er Messer her, bietet jeden Freitag einen Schärfservice für jedermann an und gibt Kurse im Messerschärfen und Messerbauen. Hier sitzt er an einem Schleifstein. Zu sehen ist auch das (für diesen Schleifvorgang notwendige rote) Keramikband, das Messer, Scheren und sogar Äxte wieder "auf Schärfe bringt".

Die Atmosphäre in Ralf Jahns Werkstatt ist unglaublich beruhigend. Die Transmissionsriemen rattern vor sich hin, es riecht nach Werkstatt, die Einrichtung und die Werkzeuge versetzen die Besucher in vergangene Zeiten.

Blickt man aus dem Fenster, schaut man auf den Untergraben. Die mit Wasserkraft angetriebenen Schleifereien wurden mit Erfindung der Dampfmaschine im 19. Jahrhundert fast alle aufgegeben. Die Wupperschleifer wanderten ins Stadtzentrum von Solingen ab, wo sie in Fabriken eine Schleifstelle pachten konnten, um ihre Schneidwaren herzustellen.

Das Wupperwehr neben dem Wipperkotten. Durch die Aufstauung bildet sich der Obergraben, dessen Wasser das hier unterschlächtige Wasserrad antreibt. Heißt: Das Wasser schlägt von unten gegen die Schaufeln und setzt das Rad in Bewegung. Rechts verläuft der Erlebnisweg Wupper.

Der Wipperkotten ist ein Doppelkotten. Rechts befindet sich die Schleiferei, das Gebäude links ist seit 1954 ein Wohnhaus. Das beständige Rauschen der Wupper, die das Wehr dort überwindet, muss man auf Dauer mögen.

Das Wegezeichen des Erlebnisweges Wupper.

Ein Streckenabschnitt hinter dem Wipperkotten, oberhalb der Wupper.

Die Festungsanlage Schloss Burg – eine beeindruckende Burg hoch über der Wupper. Im Mittelalter war sie Stammsitz der Grafen von Berg. Die Bezeichnung "Bergisches Land" geht auf den Namen dieses Grafengeschlechts zurück.

Um zu Schloss Burg zu gelangen, sollte man unbedingt die Seilbahn benutzen. Es geht gleich zu Beginn über die Wupper und entlang des steilen Hanges hinauf. Man sollte jedoch schwindelfrei sein.

Schloss Burg ist eine Augenweide. Eine solche Anlage möchte gepflegt werden: Seit 2016 wird Schloss Burg aufwändig saniert. Der besondere Service: Während der Arbeiten war und ist die Burg eingeschränkt für Besucher geöffnet. Auch eine kleine Ausstellung ist während der Renovierungsarbeiten zu sehen.

Ab dem 6. September 2025 wird der Bergfried wieder geöffnet sein, außerdem die Rittersaal-Ebene und die Innenhöfe. Die neue Dauerausstellung präsentiert sich dann ab November 2025 den Besuchern. Sie wird auf spannende Weise vom Alltagsleben der bäuerlichen Bevölkerung von Schloss Burg und dem Leben des Adels dort erzählen.

Die Geschichte der Burg wird in der Dauerausstellung über die Menschen erzählt, die hier gelebt haben. So auch Anna von Kleve, die die vierte Ehefrau Heinrichs VIII. war. Durch diese Verbindung war Anna von Kleve, die auf Schloss Burg aufgewachsen ist, ein halbes Jahr lang – 1540 – Königin von England.

Stand: 15.08.2025, 13:00 Uhr