Jan Klöpper, Schichtleiter im Tucholsky in Bochum

Gastronomen fürchten Aus der Minijobs

NRW-Gastronomie schlägt Alarm Renten-Pläne bedrohen Minijobs

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Pläne der Rentenkommission stoßen in der NRW-Gastronomie auf Widerstand. Betriebe befürchten den Verlust ihrer Flexibilität.

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Lars Faulenbach

Die Pläne der Rentenkommission lösen Existenzängste in der Gastronomie aus. Die Kommission schlägt vor, dass geringfügig Beschäftigte in Zukunft auch in die Sozialkassen einzahlen. So will sie die Rentenkassen stärken und verhindern, dass geringfügig Beschäftigte im Alter oder bei längerer Krankheit in die Grundsicherung rutschen.

Dehoga warnt vor Minijob-Aus

Das ist nur ein kleiner Baustein neben vielen anderen für eine Reform der Rentenversicherung, aber einer mit Sprengkraft. Im Kern geht es um die Sozialversicherungspflicht geringfügiger Beschäftigung – viele befürchten das faktische Aus des klassischen Minijobs. Lars Martin vom Branchenverband Dehoga Westfalen warnt eindringlich vor diesem Schritt.

"Wer den Minijob faktisch abschafft, nimmt den Gastronomen genau die notwendige Flexibilität", betont Martin. Ob voll besetzte Biergärten bei spontanem Schönwetter oder Großevents: Die Betriebe bräuchten kurzfristig helfende Hände. Statt Arbeit weiter zu verteuern, fordert er mehr Netto vom Brutto und Anreize für Beschäftigung.

"Brutto gleich Netto" fällt weg

Auch Seran Bahtijari, Geschäftsführer des Livingroom und mehrere anderer Lokale in Bochum, sieht die Reform kritisch. Aktuell sei das Modell attraktiv, weil das Geld bis zur Höchstgrenze komplett beim Arbeitnehmer ankommt. Fällt das weg, drohe akuter Personalmangel: "Dann fehlen uns gerade in der Gastronomie zu Stoßzeiten wichtige Stundenkräfte."

Seran Bahtijari

Seran Bahtijari ist Geschäftsführer des Livingroom in Bochum

Bahtijari glaubt, der Vorschlag beruhe auf einem Denkfehler: Gastronomen zahlen bereits bis zu 32,5 Prozent Lohnnebenkosten an die Sozialversicherungen. Da viele Minijobber freiwillig auf eigene Rentenbeiträge verzichten, fließe das Geld der Arbeitgeber ohne direkte Gegenleistung in die Kassen. Die Gastro subventioniere das System also längst.

Beschäftigte würden reihenweise kündigen

Für Angestellte wie Jan Klöpper, Schichtleiter im Bochumer Tucholsky, wäre die Reform ein Desaster. Er nutzt das Geld aus seinem zusätzlichen Minijob im Service des Three Sixty für Urlaub oder Restaurantbesuche: "Ehrlich gesagt wäre das dann eher unattraktiv, weil dadurch deutlich mehr von der Kohle verloren gehen würde", stellt der gelernte Hotelfachmann klar.

Jan Klöpper

Jan Klöpper ist Schichtleiter im Tucholsky in Bochum und arbeitet daneben noch in einem Minijob

Klöpper betont, dass die Gastro ohnehin kaum noch gelerntes Personal finde und massiv auf studentische und ungelernte Aushilfen angewiesen sei. Wenn sich die Arbeit für diese durch Abgaben nicht mehr lohne, blieben die Stellen unbesetzt.

Die Gastro in NRW fürchtet den Kollaps

WDR 23.06.2026 02:28 Min. Verfügbar bis 22.06.2028 WDR Online

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Unsere Quellen

  • Interview Lars Martin. Dehoga
  • Interview Seran Bahtijari, Geschäftsführer Livingroom
  • Interview Jan Klöpper, Minijobber

Sendung: WDR.de, Die Gastro in NRW fürchtet den Kollaps, 23.06.2026, 21:01 Uhr

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