Fast 600.000 Menschen in NRW waren im Jahr 2022 alleinerziehend. Das gab das Statistische Bundesamt am Montag bekannt. Genauer: Die Zahl der alleinerziehenden Frauen belief sich nach Angaben des Mikrozensus auf 495.000, die der Männer auf 102.000. Insgesamt 333.000 Alleinerziehende kümmerten sich dabei in NRW um Kinder unter 18 Jahren.
Die SPD-Fraktion im Düsseldorfer Landtag hat die Mikrozensus-Daten ausgewertet und kommt zu dem Schluss: "Alleinerziehende Mütter und Väter sind häufig finanziell schlechter gestellt als Eheleute mit Kindern." Sie wohnen demnach in NRW überwiegend zur Miete und haben weniger Wohnfläche zur Verfügung als andere Familien mit Kindern. "In keiner anderen Bevölkerungsgruppe ist das Armutsrisiko höher als in dieser", stellt die SPD in einem Antrag an den Landtag fest. 2022 hätten ein Viertel der Alleinerziehenden in NRW Transferleistungen erhalten, insgesamt 46 Prozent galten demnach als armutsgefährdet.
Betroffen auch Menschen mit Zuwanderungsgeschichte
Aber nicht nur Alleinerziehende haben es schwer, bezahlbaren Wohnraum zu finden: "Auch Menschen mit Zuwanderungsgeschichte werden auf dem Wohnungsmarkt ebenfalls noch immer strukturell diskriminiert", betont die SPD-Fraktion - und kommt zu dem Ergebnis: "Der Wohnungsmarkt in NRW ist folglich nicht für alle Menschen gleichermaßen zugänglich."
Die Fraktion um ihren Vorsitzenden Jochen Ott hat deshalb einen Antrag in den Landtag eingebracht, in dem die Landesregierung zum Handeln aufgefordert wird. Sie soll etwa "erheblich" in den Wohnungsbau investieren, damit mehr Wohnraum für benachteiligte Bevölkerungsgruppen geschaffen wird.
Auch das Angebot der Servicestellen für Antidiskriminierungsarbeit soll weiter ausgebaut, Mitarbeiter dieser Servicestellen besser sensibilisiert werden. Außerdem sollen Daten zur Diskriminierung von Alleinerziehenden und Menschen mit Zuwanderungsgeschichte auf dem Wohnungsmarkt erfasst und zugänglich gemacht werden.
Nach Schätzungen des Mieterbundes fehlen in NRW derzeit über 430.000 Sozialwohnungen. Deswegen hat auch er kürzlich eine "Offensive für bezahlbaren Wohnraum" gefrordert, zusammen mit einem besseren Schutz vor Wohnpreis-Steigerungen.
Unsere Quellen:
- Mikrozensus 2022 des Statistischen Bundesamtes
- Antrag der SPD-Fraktion an den Düsseldorfer Landtag
- eigene Berichterstattung