Die Staatskanzlei begründet die erneute Verteuerung unter anderem mit den Folgen der Corona-Pandemie, der Flutkatastrophe im Ahrtal und des Ukraine-Kriegs und den dadurch gestiegenen Baukosten. So seien Lieferengpässe und entsprechende Verzögerungen entstanden.
Versteckte Überraschungen bei Altsanierung
In der laufenden Sanierung wirkt sich laut Staatskanzlei auch aus, dass das Landeshaus am Rheinufer bereits 115 Jahre alt ist. Im Zuge der Arbeiten träten immer wieder "versteckte Überraschungen" zum Zustand des Gebäudes auf, die zusätzliche und damit teurere Maßnahmen erforderten.
Konkret betrifft das beim aktuellen Umbau Aspekte des Brandschutzes, der Lüftung, Heizung und Elektrotechnik. Allein diese Bereiche schlagen mit Zusatzkosten von 9,6 Millionen Euro zu Buche. Dazu kommt laut Staatskanzlei, dass der Umbau unter energetischen Aspekten ausgeweitet wurde, und die Landesregierung sich vor drei Jahren zu einer klimaneutralen Landesverwaltung bekannt hat.
SPD zieht Vergleich mit BER-Flughafen in Berlin
Die SPD-Fraktion im NRW-Landtag kritisiert die "Kostenexplosion" scharf. "Der Umbau der Staatskanzlei ist längst aus den Fugen geraten. Dieses Fass hat schon lange keinen Boden mehr. Wird die Staatskanzlei zum BER von NRW?", so die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Elisabeth Müller-Witt.
Auch wann der Umbau fertiggestellt sein soll, stehe laut SPD "offenbar völlig in den Sternen". Ursprünglich sollte der Umbau Mitte 2022 abgeschlossen sein, derzeit geht die Staatskanzlei von Ende dieses Jahres aus.
Wurde Gebäudezustand ausreichend untersucht?
Für ihn stellt sich die Frage, wie umfangreich das Gebäude der Staatskanzlei vorab untersucht wurde, um Informationen zur Bausubstanz oder möglichen Schadstoffen zu sammeln. Da das Landeshaus im laufenden Betrieb saniert wird, schätzt er den Umfang einer solchen Untersuchung jedoch eher geringer ein.
Experte: "Kostensteigerung fast zwangsläufig"
Da das Haus Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut wurde, dürften laut Giebeler auch viele Archivunterlagen zur Bausubstanz oder zu verwendeten Materialien nicht mehr vorliegen, da ein Großteil im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. "Durch solche Unklarheiten sind Überraschungen im Laufe einer Sanierung und damit verbundene Kostensteigerungen fast schon zwangsläufig", ordnet er die Kostenentwicklung ein.
Andererseits ist es nach Einschätzung des Wissenschaftlers bei vielen öffentlichen Bauten durchaus üblich, die Kosten zu Beginn wissentlich niedriger nach außen zu kommunizieren, um ein Vorhaben politisch durchsetzen zu können. Für den konkreten Fall des Staatskanzlei-Umbaus lasse sich das jedoch von außen nicht abschließend bewerten.
