Das Verkehrsministerium hat am Mittwoch den Landtag über sogenannte On-Demand Verkehre in NRW informiert, auch Bedarfsangebote genannt. Wie also komme ich im ländlichen Raum oder am späten Abend mit dem öffentlichen Nahverkehr zu meinem Ziel? Dann, wenn der ÖPNV-Fahrplan sehr ausgedünnt ist?
In dem Bericht an den Landtag betont NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne), die On-Demand Angebote "bilden einen wichtigen Baustein zur Stärkung des ÖPNV". Von insgesamt zwölf Projekten werden demnach zehn auch in diesem Jahr fortgesetzt. Lediglich der "kommit shuttle" des Kreises Coesfeld und "Loop Münsterland" wurden beendet. Dies gehe auf kommunale Entscheidungen vor Ort zurück. Die Fortführung der übrigen Projekte nannte Krischer einen "Riesenerfolg".
Oliver Krischer (Grüne)
Die Landesregierung wertet das als einen Erfolg ihrer Förderprojekte. Die Bedarfsangebote hätten neben städtischen Randzonen vor allem im ländlichen Raum "ein großes Potenzial".
Einheitliche Buchungsplattform soll kommendes Jahr starten
Außerdem werde ein System aufgebaut, um landesweit einheitlich buchen und sich informieren zu können. Ziel ist es, diese Plattform ab Januar 2026 schrittweise einzuführen. In den kommenden Jahren soll dann auch eine Zusammenarbeit mit weiteren Bundesländern geprüft werden.
Das "Kraftraumshuttle" wird per App gebucht
Als ein Beispiel für eine "flexible und bedarfsgerechte" Lösung nennt der Verkehrsminister das Ende vergangenen Jahres gestartete Modellprojekt "Kraftraumshuttle" - ein Service, der online gebucht werden kann.
Fahrgastverband Pro Bahn NRW: Preisfrage zentral
Aus Sicht des Fahrgastverbandes Pro Bahn NRW sind die Bedarfsangebote in NRW immer noch sehr unterschiedlich weit entwickelt. Auch die Preise wichen voneinander ab. Der Verband setzt deshalb vorrangig darauf, das reguläre Netz des Linienverkehrs auszubauen und sieht da noch Potenziale gerade im ländlichen Raum.
Für den Lückenschluss über On-Demand Verkehre fordert Pro Bahn NRW, das dürfe für die Kundschaft keine technischen Hürden aufbauen (etwa Buchung ausschließlich über Smartphone). Die Preise seien zentral. Und das Angebot müsse flächendeckend funktionieren, also auch Stadt- oder Kreisgrenzen überschreiten. Eine gemeinsame Buchungsplattform sei überfällig: Die aktuelle Vielzahl von Apps schrecke Kunden ab.
Perspektivisch hilft der KI-Assistent beim Buchen
Die Frage nach Barrierearmut - also eben keine technischen Hürden bei der Buchung - war auch Thema im Verkehrsausschuss. Jens Petershöfer vom Verkehrsministerium unterstrich, dass deswegen immer auch eine Buchung über eine Telefonhotline möglich sein müsse. Das allerdings sei ein weiterer Preistreiber für Angebote, die ohnehin hohe Kosten pro Fahrgast aufwiesen. Deshalb setze man perspektivisch auf sprachgesteuerte KI-Assistenten. Auch autonomes Fahren könne - wenn genehmigungsfähig - die Kosten senken helfen.
Über dieses Thema berichten wir auch im WDR Hörfunk auf WDR 5 in der Sendung "Westblick" am 18.06.2025.
Unsere Quellen:
- Bericht an den Landtag: "Sachstand On-Demand Verkehre in Nordrhein-Westfalen"
- Interview mit Pro Bahn NRW
