Flut 2021: Luftbild aus Erftstadt

Welche Lehren NRW aus dem Hochwasser von 2021 zieht

Stand:

Knapp vier Jahre nach der Hochwasser-Katastrophe im Ahrtal ist der Abschlussbericht des U-Ausschusses im NRW-Landtag beschlossen worden. Kritisiert werden "mangelnde Lagekommunikation" und unzureichende Warnungen an die Bevölkerung.

Von
Martin Teigler
Martin Teigeler
und Ulrich Spinrath

Bei der Hochwasserkatastrophe im Sommer 2021 starben in Nordrhein-Westfalen 49 Menschen. Der zuständige Parlamentarische Untersuchungsausschuss (PUA) des NRW-Landtags beschloss am Dienstag in Düsseldorf einstimmig seinen Abschlussbericht - bei Enthaltung der AfD. Kritik gibt es in dem Bericht, der dem WDR vorliegt, an der damaligen CDU/FDP-Landesregierung und den zuständigen Behörden.

Was der Flut-PUA kritisiert

Im Abschlussbericht ist von "mangelnder Lagekommunikation" die Rede. Bei der politischen Aufarbeitung konnten sich die Abgeordneten von Regierung und Opposition aber dem Dokument zufolge nicht darauf einigen, dass es "eindeutige Beweise für ein fehlerhaftes Krisenmanagement der Landesregierung" gegeben habe. "Unstrittig" ist hingegen, dass es "Verbesserungs- und Optimierungspotenzial" gibt, um künftige Katastrophen dieser Art besser zu verhindern und zu bewältigen.

Die drohende Gefahr sei unterschätzt und die Bevölkerung unzureichend gewarnt worden. Das nordrhein-westfälische Innenministerium habe es unterlassen, "eine landesweite Unwetterwarnung herauszugeben, obwohl dies rechtlich möglich war". Resultierend aus der Fehleinschätzung hinsichtlich der drohenden Gefahr habe die Landesregierung erst "deutlich verspätet" auf die Krise reagiert.

Was sich laut Untersuchungsausschuss ändern soll

Der Ausschuss empfiehlt unter anderem die ständige Aktualisierung der Hochwassergefahren-Karten unter Einbeziehung von Extremwetterereignissen sowie die Entwicklung eines landesweiten digitalen Lagebildes in Echtzeit für den Brand- und Katastrophenschutz. Auch die Ausweitung des Pegelmessnetzes und die Verbesserung meteorologischer Prognoseinstrumente wird vorgeschlagen.

Das Gremium empfiehlt zudem die Schaffung einer landesweiten nicht-polizeilichen Koordinierungsstelle für Großschadenslagen. "Krisenstäbe und Stäbe für außergewöhnliche Einsätze sowie die operativ-taktischen Führungsstäbe auf kommunaler und Landesebene sind personell, technisch und organisatorisch zu ertüchtigen", lautet eine weitere Forderung. Gesetzlich soll geregelt werden, wie ein Krisenstab in "Großlagen mit klaren Zuständigkeiten" funktionieren soll.

Was hat sich seit dem Hochwasser schon getan?

Bis Endes des Jahres gehen 26 neue Pegelmessestationen in Betrieb. Etwa 100 gibt es schon in Nordrhein-Westfalen. Sie melden permanent Wasserstände an das Landesumweltamt, das mit den Daten Prognosen darüber erstellt, ob ein Hochwasser droht.

Hochwasser 2021: "Wird uns noch einige Jahre beschäftigen"

WDR 5 Mittagsecho 24.06.2025 11:51 Min. Verfügbar bis 24.06.2026 WDR 5

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Ein weiteres Beispiel für Lehren aus der Flut-Katastrophe: Im Kölner Norden wird ein riesiges Wasserrückhaltebecken gebaut, das wie eine Badewanne geflutet werden kann, wenn der Rhein über die Ufer tritt - damit das Wasser nicht oder nicht so extrem in die Wohngebiete läuft.

"Persönliches Fehlverhalten" in der Kritik

Auch politisch schlug das Hochwasser hohe Wellen. Die damalige Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) trat 2022 zurück. Sie war während der Katastrophe kurz aus dem Mallorca-Urlaub zurückgekommen und dann wieder zurückgeflogen. Im Abschlussbericht wird ihr "persönliches Fehlverhalten" gerügt. Heinen-Esser habe eingeräumt, in der heißen Phase nicht mit Innenminister Reul (CDU) kommuniziert zu haben.

"Ihr Fernbleiben während der Krisenlage schadete dem öffentlichen Vertrauen, auch wenn Sie mehrfach versicherte, ihr Amt von der Ferne aus vollumfänglich wahrgenommen zu haben", so der Bericht.

Der damalige Ministerpräsident und Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) geriet wegen eines Lachers bei einem Besuch im Krisengebiet schwer in die Kritik. Der Vorfall gilt als mitentscheidend für seine Niederlage bei der Bundestagswahl 2021.

In einer gemeinsamen Mitteilung zum PUA-Abschlussbericht erklärten CDU, SPD, Grüne und FDP im Landtag: „Uns eint das Ziel, dass sich eine derartige Tragödie nicht wiederholen soll.“ Mit großer Mehrheit wolle man zentrale Leitlinien für einen besseren Hochwasser- und Katastrophenschutz vorantreiben.

Über dieses Thema berichtet der WDR am 24.06.2025 auch im Fernsehen und in Hörfunk.

Unsere Quellen:

  • eigene Recherchen
  • Abschlussbericht, der dem WDR vorliegt
  • Pressemitteilung der Landtagsfraktionen von CDU, SPD, Grüne und FDP

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