SPD Landesparteitag in Düsseldorf | WDR aktuell

WDR 02:37 Min. Verfügbar bis 13.06.2028

SPD-Spitzenkandidat Ott "Ich möchte Politik machen für berufstätige Familien"

Stand:

Die SPD in NRW stellt sich vor der Landtagswahl neu auf. Der Spitzenkandidat Jochen Ott betont, die Partei müsse sich klar für berufstätige Familien einsetzen.

Knapp zehn Monate vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen hat sich die SPD am Samstag zur Landesdelegiertenkonferenz in Düsseldorf getroffen, um den Spitzenkandidaten zu bestimmen und die Landeslisten aufzustellen. Jochen Ott, Oppositionsführer im Landtag, wird die NRW-SPD als Spitzenkandidat für die Landtagswahl am 25. April 2027 anführen. Das WDR5 Morgenecho sprach mit Jochen Ott vor Beginn der Landesdelegiertenkonferenz über seinen künftigen Kurs.

Herr Ott, gleich werden Sie auf der Landesdelegiertenkonferenz eine Rede halten. Worauf werden Sie dabei den Fokus legen, und was ist Ihrer Ansicht nach jetzt besonders wichtig?

Jochen Ott: Ich glaube, dass es vor allem darauf ankommt, dass die SPD sich darüber klar wird, für wen sie Politik machen will und warum sie für diese Menschen Politik machen will. Und dann wird sich die Frage, ob wir wieder nach vorne kommen, noch mal anders stellen. Ich möchte Politik machen für die berufstätigen Familien. Das sind die Menschen, die sich um andere kümmern, ob mit oder ohne Kinder, aber nicht nur für sich selbst leben, sondern Verantwortung übernehmen. Und wenn die SPD wieder klarmachen kann, dass sie für diese Vielen in diesem Land auch da ist, dann haben wir, glaube ich, eine Chance.

Jochen Ott: Nominiert als Spitzenkandidat der NRW-SPD

WDR 5 Morgenecho - Interview 13.06.2026 06:36 Min. Verfügbar bis 13.06.2027 WDR 5

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Also ihr Thema ist die Familienpolitik oder geht es um etwas anderes?

Ott: Familie ist ja eigentlich alle. Wenn Sie in der Familie leben, dann sehen Sie die Welt mit anderen Augen. Kommen die Kinder sicher nach Hause? Gibt es einen Kitaplatz, der tatsächlich verlässlich ist? Können Sie die Schule besuchen und haben einen guten Abschluss? Finden Sie vielleicht für Ihre Eltern eine Pflegeplatz, damit die im Alter auch gut alt werden können? Bekommen Sie ein Arzttermin? Wer die Politik aus Sicht der Familien sieht, das ist kein Spezialgebiet, sondern das ist wirklich das Umfassende, das führt die Menschen zusammen und da haben wir in NRW, wie wir gerade merken, ja viele Herausforderungen. Für viele Familien funktioniert NRW im Alltag heute nicht..

Die SPD geht ihrer Meinung nach also weg von den Menschen, die klassisch mal das Arbeitermilieu waren, hin zur Familie als Grundlage der Gesellschaft?

Ott: Wenn ich von der berufstätigen Familie spreche, dann geht die ja arbeiten. Und viele von denen arbeiten in unseren Industriebetrieben und sind zutiefst frustriert. Zum Beispiel in der Chemie, weil diese Landesregierung sich kein bisschen darum kümmert, den Chemiestandort zu sichern. Viele, die in Handwerksbetrieben arbeiten, wissen, wie die Verkehrslage ist, und sehen, dass es keine Priorität gibt, Brücken und Straßen vernünftig in Ordnung zu bringen.

Insofern ist das beides gemeinsam: Berufstätigkeit und Familie gehören zusammen. Kurz: Die, die den Laden am Laufen halten, die brauchen wieder eine klare Interessenvertretung. Dafür treten wir an. Und wir wissen, dass wir in der Vergangenheit ja auch viel falsch gemacht haben, deshalb sind wir dahin gegangen, wo es wehgetan hat, haben mit den Leuten gesprochen, haben uns den Kopf waschen lassen. Das haben wir verstanden. Als Familienvater von drei Töchtern kann ich sehr genau sagen, dass Familien diejenigen sind, die von der Politik eine Antwort erwarten.

Sie subsumieren unter Familien jetzt alle möglichen Themen. Das ist nicht sonderlich konkret, sondern das ist, wie Sie es auch schildern, eine Art Gemischtwarenladen. Glauben Sie, dass das Profilierung ist?

Ott: Das ist überhaupt kein Gemischtwarenladen. Wenn diejenigen, die die Familien jede Woche durch die Woche bringen müssen, die den Kita-Platz haben müssen und morgens einen Anruf kriegen, heute ist keine Kita. Die die Kinder in die Schule bringen und sehen, der Unterricht fällt aus, weil es zu wenig Lehrer gibt. Die dann feststellen, dass sie keinen Pflegeplatz für ihre Eltern bekommen und Wohnungen können sie sich in der Nachbarschaft schon gar nicht mehr leisten. Dann ist das kein Gemischtwarenladen, sondern dann ist es genau der Kern, der diese demokratische Gesellschaft zusammenhält.

Und ich glaube, wir müssen das wieder stärker machen und aufhören, in Sonntagsreden drüber zu sprechen und montags interessiert es keinen mehr, das geht eben nicht. Gerade viele Frauen in Nordrhein-Westfalen sind die Sonntagsreden leid, man sagt ihnen sonntags Vereinbarkeit von Familie und Beruf, und am Montag stellen sie fest, dass die Kita anruft und sagt: komm mal vom Job und hol mal das Kind ab - so wird das nicht gehen.

Sie haben das Problem, dass sie selbst nicht ganz so bekannt sind im Land, obwohl sie ja durchaus als Oppositionsführer im Landtag schon auch eine herausgehobene Position haben. Wie wollen Sie damit umgehen?

Ott: Indem ich mit Ihnen spreche, indem ich mit Vielen spreche, indem ich im Land unterwegs bin. In der Landespolitik ist es immer so, dass nur wenige Leute bekannt sind. Gerade wenn man dann neu durchstartet, dann muss man sich bekannt machen. Das wird ja kommen im Laufe der Zeit, und wenn wir an die Wahl kommen, wird das gelingen.

Wissen Sie, heute ist für mich schon ein ganz besonderer Tag. Als ich Abiturient war, da haben wir mit unseren Kollegen Johannes Rau besucht, damals in Düsseldorf, und waren ganz stolz, dass er uns ein Interview für den Abi-Film gegeben hat. Dass ich heute antreten darf, wo ein Ministerpräsident Rau schon mal gewesen ist vor vielen Jahren, das erfüllt mich mit großer Demut und Stolz, deshalb wird es ein spannender Tag für mich auch heute.

Ein Problem der SPD ist die Bundesregierung, die im Moment ja überhaupt nicht gut dasteht. Also welche Strategie haben Sie da im Blick?

Ott: Wir haben als nordrhein-westfälische SPD gerade diese Woche die Kollegen in Berlin besucht und nochmal sehr deutlich gemacht: Es geht nicht, den Leuten von montags bis freitags ständig zu erzählen, wie überall gekürzt und gespart werden muss. Das funktioniert nicht, wenn man Zuversicht und Wirtschaftswachstum erreichen will. Da muss man die Leute auch motivieren und wieder mitnehmen.

Ich bin sehr sicher, die müssen sich jetzt zusammenreißen. Die müssen als Koalition insgesamt einen gemeinsamen Vorschlag machen, und dann müssen sie mit etwas mehr Leidenschaft die Leute auch versuchen zu gewinnen. Da gab es gute Ansätze, das Gespräch mit Gewerkschaften und Arbeitgebern halte ich für genau den richtigen Weg. Aber Sie haben Recht. Es muss natürlich auch Rückenwind aus Berlin geben und ich werde alles dafür tun, dass die das auch verstehen in Berlin, dass sie jetzt Gas geben.

Unsere Quelle:

  • Interview mit Jochen Ott, dem SPD-Spitzenkandidaten für die MRW-Landtagswahl 2027 im WDR 5 Morgenecho.

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