Es ist eine Frage, die derzeit viele bewegt: Bringt der Sommer 2026 Hitze, Sonnenschein und tropische Nächte? Oder bleibt es grau bewölkt mit Regenschauern? Langfristmodelle zeigen wettermäßig einen überwiegend warmen, teils heißen Verlauf der kommenden Wochen und Monate. Aber wie seriös ist das eigentlich?
"Langfristprognosen haben oftmals keinen wirklichen Informationswert", sagt Tim Gotsch, Meteorologe beim ARD-Wetterkompetenzzentrum. Denn: Grundsätzlich sei eine präzise Wettervorhersage nur für wenige Tage im Voraus möglich, maximal bis zu einer Woche. Das liege grob gesagt daran, dass das Wetter ein "chaotisches System" sei, bei dem sehr viele Parameter mit hineinspielten.
Sommer 2026: Seriöse Prognose nicht möglich
Tim Gotsch
"Vereinfacht gesagt, berechnen die Wettermodelle, auf deren Grundlage die Wettervorhersage erfolgt, ihre Prognosen anhand von Anfangsbedingungen", erläutert Gotsch. Dies seien tatsächlich gemessene Werte von sämtlichen Wetterstationen über den Globus verteilt. Durch den sogenannten chaotischen Effekt - also wenn sehr viele physikalische Größen zusammenwirken - könnten selbst kleine Änderungen an den Startbedingungen schon nach kurzer Zeit zu großen Änderungen in der Prognose führen. "Das ist der bekannte Schmetterlings-Effekt", sagt Gotsch.
Liegt die Temperatur beispielsweise zu Beginn einer Berechnung etwas höher, so kann das laut Gotsch im Endeffekt zu mehr Regen führen, da die Luft bei höheren Temperaturen mehr Wasserdampf enthält, der wiederum ausgeregnet werden kann. Es gebe zwar Wettermodelle, die ihre Berechnungen über einen Zeitraum von mehreren Monaten in die Zukunft fortführen - "doch auch diese sind nicht ausgenommen von sich verändernden Anfangsbedingungen, die im Endeffekt zu verschiedenen Wetterzuständen in der Prognose führen", so Gotsch.
Ähnlich äußert sich Jürgen Vogt von der WDR-Wetter-Unit. Wer behaupte, er wisse, wie der Sommer wird, sei ein Scharlatan.
"Und auch die Behauptung, ein El Nino im Pazifik würde bei uns für einen Höllensommer sorgen, ist abseitig - es gibt keinen Zusammenhang, weil El Nino nicht bis Mitteleuropa wirkt." Jürgen Vogt, WDR-Meteorologe
Auch Bauernregeln sind nicht wirklich aussagekräftig
Man kann sich auch Bauernregeln zur Hilfe nehmen, um eine Aussage über das Wetter der nächsten Monate oder Jahreszeiten zu erhalten - doch auch diese haben nach Angaben von Meteorologe Gotsch nur eine gewisse Eintreffwahrscheinlichkeit, die nie 100 Prozent beträgt. Bekannte Bauernregeln sind beispielsweise:
- "Im Juni viel Donner bringt einen trüben Sommer."
- "Wenn kalt und nass der Juni war, verdirbt er das ganze Jahr."
- "Das Wetter am Siebenschläfertag noch sieben Wochen bleiben mag."
- "Anfang August heiß, Winter lang und weiß."
Bauernregeln setzen sich aus langjährigen Beobachtungen in früheren Zeiten zusammen. "Jedoch haben sich gewisse Wettermuster mit der Zeit geändert, daher sind solche Regeln immer mit Vorsicht zu verwenden", so Gotsch.
Wie der Sommer 2026 wird? Das weiß man erst, wenn er vorbei ist
Natürlich sind in Zeiten der Klimaerwärmung Hitzephasen stärker ausgeprägt, räumt Gotsch ein. Durch den schwächeren Jetstream hielten Wetterlagen länger an. Das könne für Hitze und Trockenheit genauso gelten wie für kühle und nasse Phasen. Und: Ein überdurchschnittlich warmer Sommer ist wahrscheinlicher als ein zu kühler. Aber: "Wie der Sommer 2026 genau wird, kann man noch nicht sagen und wird man erst wissen, wenn der Sommer vorbei ist und uns die gemessenen Werte als Statistik vorliegen", betont Gotsch.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Tim Gotsch vom ARD-Wetterkompetenzzentrum
- Gespräch mit WDR-Wettermeteorologe Jürgen Vogt
- Webseite des Bauernverbands Uecker-Randow
Sendung: WDR.de, Keine seriöse Wetter-Prognose für den Sommer möglich, 11.06.2026, 17:04 Uhr