Tempolimit | Aktuelle Stunde

02:54 Min. Verfügbar bis 24.09.2027

Studie: Weniger Verkehrstote durch Tempolimit auf Autobahnen

Stand:

Was bringt ein Tempolimit? Laut einer aktuellen Studie: Ein Drittel weniger Verkehrstote auf Autobahnen. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Ein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen ist keine neue Forderung. Für die Befürworter liegen die Argumente auf der Hand: Weniger Unfälle, gut fürs Klima. Zudem ist ein allgemeines Tempolimit im Rest Europas bereits die Regel.

Doch was würde ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen tatsächlich bringen? Eine Bochumer Wissenschaftlerin hat nun ausgerechnet: Die Zahl der Verkehrstoten könnte deutlich sinken.

Dazu hat sie erstmals seit fünfzig Jahren belastbare Daten gesammelt. Die letzte datenbasierte Auswertung stammt aus den 1970er-Jahren. Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Thema Tempolimit.

Was hat die Studie zum Thema Tempolimit herausgefunden?

Wenn auf deutschen Autobahnen ein generelles Tempolimit von 120 km/h gelten würde, dann würde die Zahl der Verkehrstoten um 35 Prozent sinken. Bei der Zahl der Unfälle mit Leichtverletzten wären es um die 9 Prozent, bei der Zahl der Verkehrsunfälle mit Schwerverletzten etwa 26 Prozent.

Welche Methode hat die Forscherin für die Tempolimit-Studie genutzt?

Portrait von Maike Metz-Peeters vom Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik und Angewandte Ökonometrie der Ruhr-Universität Bochum

Maike Metz-Peeters von der Ruhr-Universität Bochum hat für ihre Studie einen neuen Datensatz aus mehreren einzelnen Datenquellen zusammengestellt, unter anderem mit Informationen zum Straßenzustand, Verkehrsaufkommen, aber auch zum Wetter und anderen regionalen Faktoren.

Insgesamt konnte sie so rund die Hälfte des deutschen Autobahnnetzes untersuchen, also circa 6.500 Kilometer Straße. Aus dem Datensatz wurden Straßenabschnitte von jeweils 500 Metern festgelegt, die dann mit Hilfe von Software automatisiert analysiert wurden. Die Software hat Straßenabschnitte gesucht, die sich sehr ähnlich sind und nur in einem Punkt voneinander unterscheiden: Gilt dort bereits ein Tempolimit oder nicht?

Was hat die Studie noch herausgefunden?

Die Untersuchung zeigt, dass ein Tempolimit von 120 km/h vermutlich vor allem auf weniger befahrenen Straßen besonders wirksam wäre. Das ist nur auf den ersten Blick überraschend. Auf leeren Straßen fahren die meisten Menschen besonders schnell, auf vollen Straßen dagegen kann in der Regel eh nicht schnell gefahren werden. Ein Tempolimit würde also hier nicht viel verändern.

Wie viele Verkehrstote gibt es in Deutschland?

Im Jahr 2024 starben in Deutschland laut Statistischem Bundesamt 2.770 Menschen bei Unfällen im Straßenverkehr. Das ist - abgesehen von den Corona-Jahren 2020 und 2021 - der niedrigste Wert seit den 1950er-Jahren.

Auf Autobahnen starben 284 Menschen infolge eines Verkehrsunfalls, auf Landstraßen waren es im Vergleich dazu 1.571 Personen. Die häufigste Ursache tödlicher Unfälle ist überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit.

Wie hat sich die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland entwickelt?

Die Zahl der Verkehrstoten ist seit Jahren rückläufig. Dafür gibt es zahlreiche Gründe. Zum Einen werden Sicherheitssysteme in Autos immer besser, zum anderen gab es in den vergangenen Jahrzehnten viele neue Gesetze, wie etwa die Einführung einer Promillegrenze oder die Gurtpflicht.

Aber auch Tempolimits wurden eingeführt: Erst seit den 1970er-Jahren gilt auf Landstraßen in Deutschland eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h.

Warum ist ein Tempolimit sinnvoll?

Neben weniger Verkehrstoten nennen Befürworter eines generellen Tempolimits vor allem Umweltaspekte. Laut Umweltbundesamt könnten durch ein generelles Tempolimit von 100 km/h auf Autobahnen und 80 km/h auf Landstraßen mehr als 11 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden. Kritiker sagen allerdings: Eine solche Berechnung berücksichtigt nicht, dass die Zahl an E-Autos in Deutschland steigt.

Welche Argumente gibt es gegen ein Tempolimit?

Kritiker nennen - neben der individuellen Freiheit - mögliche Kosten. Damit sind nicht die Kosten für die Einführung gemeint, die voraussichtlich gering sein dürften, sondern die Auswirkungen auf die Volkswirtschaft durch Zeitverluste.

So hat ein Forscher des Kiel Instituts für Weltwirtschaft ausgerechnet, dass ein Tempolimit von 130 km/h zu einem Verlust von 1,3 Milliarden für die Volkswirtschaft führen könnte. Andere Forscher dagegen argumentieren: Ein Tempolimit wäre im Gegenteil sogar ökonomisch sinnvoll und könnte der deutschen Volkswirtschaft rund 950 Millionen Euro einbringen, unter anderem weil man weniger Geld für Benzin oder Diesel ausgeben würde.

Wie viel Prozent der Deutschen sind für ein Tempolimit?

Laut einer Forsa-Umfrage aus dem vergangenen Frühjahr sprechen sich 57 Prozent der Befragten für ein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen aus. 41 Prozent lehnen es ab. Damit befürwortet die Mehrheit ein Tempolimit - allerdings ist der Wert im Vergleich zu früheren Umfragen gesunken: 2022 waren noch 63 Prozent dafür.

Wo in Europa gilt bereits ein Tempolimit auf Autobahnen?

In Europa gilt ein generelles Tempolimit praktisch überall - nur eben in Deutschland nicht. Die jeweilige maximal erlaubte Höchstgeschwindigkeit unterscheidet sich von Land zu Land, liegt aber in der Regel zwischen 110 und 130 km/h.

Hinweis der Redaktion: Zum besseren Verständnis haben wir nachträglich ergänzt, wie viele Menschen laut Statistischem Bundesamt 2024 nach Unfällen auf Autobahnen gestorben sind und die Überschrift angepasst. Zuvor hatten wir die Gesamtzahl der Verkehrstoten infolge von Unfällen im gesamten Straßenverkehr 2024 genannt.

Unsere Quellen:

  • Ruhr-Universität Bochum
  • ADAC
  • Statistisches Bundesamt
  • Kiel Institut für Weltwirtschaft
  • Umweltbundesamt
  • Forsa-Umfrage

Über dieses Thema berichten wir am 24. September 2025 auch im WDR Hörfunk: Der Tag um zwölf ab 12 Uhr, etwa auf WDR 5.

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