Virologe Jörg Timm zum Hantavirus

WDR 03:04 Min. Verfügbar bis 06.04.2028

Virologe zum Hantavirus

Übertragungsformen von Mensch zu Mensch eher Ausnahme

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Nach dem Hanta-Viren-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff wird eine Kontaktperson von einem Ärzteteam in der Uniklinik Düsseldorf behandelt. Ob es jetzt auch zu einem größeren Ausbruch in Deutschland kommen kann, erklärt Virologe Jörg Timm im WDR-Interview.

Wie bereiten Sie sich in der Klinik auf die neue Patientin vor?

Jörg Timm: Die Patientin wird in der Infektiologie aufgenommen. Das heißt, dort wird jetzt das Zimmer vorbereitet. Das ist ja ein Bereich, der besonders für infektiöse Patienten vorgesehen ist. Und dann muss als erstes ja auch geklärt werden, im Moment haben wir ja auch noch gar keinen Hinweis, dass sie erkrankt ist und ob überhaupt eine Infektion vorliegt.

Gibt es dann die PCR-Tests, die wir noch aus der Corona-Zeit kennen?

Timm: Es gibt PCR-Tests, es gibt auch serologische Tests. In der frühen Phase der Infektion ist es so, dass Antikörper, die man in den serologischen Tests nutzt, nicht zwingend positiv sind. PCR ist sicherlich auch ein Mittel der Wahl. Manchmal ist die Phase allerdings relativ kurz, sodass man beides auf jeden Fall macht.

Diese Hantaviren, das haben wir in diesen Tagen gelernt, gibt es auch bei uns in Nordrhein-Westfalen. Was macht die Variante vom Schiff so gefährlich?

Timm: Das ist richtig, es gibt natürlich in Deutschland auch verschiedene Hantaviren. Anders ist bei diesen Neue-Welt-Hantaviren, dass die Sterblichkeit einfach viel höher ist. Die Symptomatik ist auch etwas anders. Das heißt, typischerweise sorgen die dann auch eher für Lungenentzündungen. Bei uns ist eigentlich häufiger dann eher mal die Niere betroffen. Und dieses Andes-Virus, das dort dann möglicherweise vorliegt, das hat eben auch schon mal gezeigt, dass es auch zu einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung kommen kann. Zwar nicht sehr effizient, aber es ist offensichtlich schon passiert.

Das ist bei den Viren, die bei uns so kursieren, definitiv nicht der Fall.

Timm: Genau, so ist es zu sehen. Also die Viren, die wir hier haben, die werden eigentlich klassischerweise über Nagetiere und Ausscheidungen der Nagetiere übertragen, die man vielleicht beim Säubern der Garage oder sowas aufnimmt.

Eine wichtige Frage, die sich viele Menschen sicherstellen: Sehen Sie eine Gefahr, dass der andere Virusstamm, der da jetzt eingeschleppt wird, sich am Ende auch bei uns verbreiten könnte?

Timm: Also, die Gefahr ist jetzt erst mal nicht zu sehen. Die Vorsichtsmaßnahmen heute, die werden natürlich jetzt erst mal so gewählt, dass es auch hier definitiv nicht zu einer Übertragung kommen wird. Gleichzeitig ist es aber auch nicht so, dass wir damit rechnen müssen, dass es jetzt eine sehr effiziente Mensch-zu-Mensch-Übertragung gibt. Also, diese Übertragungsformen, die ja jetzt möglicherweise auch auf dem Kreuzfahrtschiff vorgekommen sind, sind eher die Ausnahme. Und wir glauben nicht, dass das so effizient weitergehen kann.

Das Interview führte Aktuelle Stunde-Moderator Martin von Mauschwitz mit Jörg Timm, Leiter der Virologie in Düsseldorf.

Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 06.05.2026, 18.30 Uhr