Kölner Hbf wird im Frühjahr nochmal gesperrt | WDR aktuell

02:21 Min. Verfügbar bis 14.11.2027

Kölner Hbf für zehn Tage gesperrt - wichtige Infos für Reisende

Stand:

Der Kölner Hauptbahnhof ist Freitagabend für Regional- und Fernzüge gesperrt worden. Außerdem soll er 2026 noch einmal für den Fern- und Regionalverkehr gesperrt werden - und zwar "definitiv nach Karneval". Hier gibt es alles Wichtige für Pendler.

Kurz vor der zehntägigen Sperrung des Kölner Hauptbahnhofs bringt ein Software-Fehler die Pläne der Bahn durcheinander.

Die geplante Inbetriebnahme eines neuen elektronischen Stellwerks könne nicht wie geplant umgesetzt werden, sagte ein Bahn-Sprecher. Das habe zur Folge, dass der Kölner Hauptbahnhof in absehbarer Zeit noch ein zweites Mal für alle Fern- und Regionalzüge gesperrt werden müsse. Einen genauen Termin nennt die Bahn nach wie vor nicht. Im Interview mit dem WDR stellte Matthias Gramer, Regionalleiter bei der für die Infrastruktur zuständigen Bahn-Tochter InfraGo, aber klar: Es werde "definitiv nach Karneval" sein.

NRW-Verkehrsminister Krischer spricht von "Stück aus dem Tollhaus"

NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer hat im WDR-Interview nicht gerade erfreut darauf reagiert, dass der Kölner Hauptbahnhof im nächsten Jahr noch einmal gesperrt werden muss. Man plane die Sperrung des Kölner Hauptbahnhofs schon lange. "Und dann erfahre auch ich zwei Tage vorher, April, April, die Software kann nicht aufgespielt werden, weil sie nicht funktioniert."

Ihm sei schleierhaft, wie so etwas bei der Bahn passieren könne, so der Grünen-Politiker. "Das ist natürlich ein Stück aus dem Tollhaus, das kann man nicht anders sagen.

Interview mit Verkehrminister Oliver Krischer (Grüne)

WDR Studios NRW 14.11.2025 03:40 Min. Verfügbar bis 14.11.2027 WDR Online

Sperrung Hbf Köln: Die wichtigsten Infos für Pendler

Hier beantworten wir die wichtigsten Fragen für Pendler zur aktuellen Sperrung und zur Sperrung im März:

Wird der Kölner Hauptbahnhof trotzdem jetzt schon gesperrt?

Eine S-Bahn fährt in Köln Hauptbahnhof mit Dom im Hintergrund ein

Eine S-Bahn fährt in den Kölner Hauptbahnhof ein

Seit Freitag, 14. November, um 21 Uhr, ist der Kölner Hauptbahnhof weitgehend für den Zugverkehr gesperrt. Bis zum 24. November fahren dann keine Fern- und Regionalzüge zum Kölner Hauptbahnhof, sondern machen einen Bogen um das Zentrum der Millionenstadt.

Die Sperrung könne trotz der Software-Probleme für Arbeiten etwa an Weichen und Oberleitungen genutzt werden, sagte der Sprecher.

Welche Einschränkungen gibt es jetzt genau ab 14.11. am Kölner Hauptbahnhof?

Schon seit Donnerstagabend, 21 Uhr, gibt es Abweichungen bei den Linien RE 6 (RRX) und RB 48 - sie fahren den Kölner Hauptbahnhof dann nicht mehr an.

Viele Taxis stehen am Köln Messe Deutz

Am Freitagabend macht sich die Sperrung schon bemerkbar - durch Taxi-Chaos am Bahnhof Messe/Deutz.

Seit Freitagabend, 21 Uhr, fahren keine Fern- und Regionalzüge mehr zum Kölner Hauptbahnhof. Allerdings sind viele S-Bahnen diesmal nicht betroffen - denn die Gleise für den S-Bahn-Verkehr in Köln werden schon seit 2021 aus einem neuen digitalen Stellwerk gesteuert. Nur in der Nacht vom 19. auf den 20. November wird der Hauptbahnhof wirklich komplett gesperrt.

Reisende, die eigentlich mit dem ICE oder einem Regionalzug nach Köln fahren wollten, können also kurz vor dem Ziel in Köln oder in umliegenden Städten auf die S-Bahnen umsteigen.

Wie genau kommt man während der Sperrung in Köln trotzdem ans Ziel?

Die Deutsche Bahn, National Express, Eurobahn und andere Anbieter haben ein umfangreiches Konzept. Am besten sehe man in der Online-Auskunft, wie die eigene Verbindung trotz der Bauarbeiten funktioniert, rät die Bahn. Kurz zusammengefasst:

  • Viele ICE halten in Ehrenfeld oder Messe/Deutz statt am Kölner Hauptbahnhof.
  • Einige Fernzüge machen einen ganz großen Bogen um die Stadt Köln, so dass Reisende ab Düsseldorf oder aus Bonn andere Verbindungen nutzen müssen.
  • Auch im Regionalverkehr umfahren einige Linien wie der RE 1 (Aachen-Hamm) oder der RE 5 (Wesel-Koblenz) die Stadt weiträumig und halten dadurch zum Beispiel auch nicht in Leverkusen oder Düsseldorf-Benrath.
  • S-Bahnen halten wie gewohnt am Kölner Hauptbahnhof
Übersicht zu den ausfallenden Bahnen um den Kölner Hbf.

Insgesamt kommt es auf etwa einem Dutzend Regionalverkehr-Linien zu Umleitungen. Dort, wo man mit seinem Zug nicht wie gewohnt hinkommt, sollen Reisende auf die S-Bahn oder auf Busse und U-Bahnen umsteigen. In einzelnen Nächten fahren auch Ersatzbusse.

Welche Änderungen gibt es konkret im Fernverkehr und bei ICEs während der Sperrung am Kölner Hauptbahnhof?

Laut der Deutschen Bahn kommt es von Freitag, 14. November, 21 Uhr, bis Montag, 24. November, 5 Uhr zu folgenden Änderungen:

  • ICE-Züge in/aus Richtung Aachen/Brüssel: Die Züge werden innerhalb Kölns umgeleitet und halten nicht am Kölner Hauptbahnhof. Ersatzweise halten die Züge in Köln-Ehrenfeld.
  • ICE-Züge in/aus Richtung Amsterdam: Die Züge halten nicht am Kölner Hauptbahnhof. Ersatzweise halten sie in Köln Messe/Deutz.
  • ICE-Züge in/aus Richtung Berlin: Es bestehen noch zweistündliche Direktverbindungen von/nach Köln/Messe Deutz. Alle weiteren Züge entfallen. Zusätzlich bestehen jedoch stündliche Umsteigeverbindungen via Düsseldorf. Am 15. November verbleiben aufgrund eines ausgedehnten Sperrzustands lediglich die Umsteigeverbindungen via Düsseldorf.
  • ICE-Züge in/aus Richtung Frankfurt über die Schnellfahrstrecke: Diese Züge verkehren ebenfalls via Köln Messe/Deutz. Dir normalerweise nur zwischen Köln und Frankfurt verkehrenden Züge entfallen.
  • ICE/IC-Züge in/aus Richtung Bonn/Koblenz/Mainz: Diese Fernverkehrsverbindungen verkehren nur noch im reduzierten Umfang und halten dabei größtenteils nicht mehr im Knoten Köln. Einzelzüge halten ersatzweise in Köln Süd.
  • ICE/IC-Züge in/aus Richtung Bremen/Hamburg/Norddeich: Es bestehen weiterhin Direktverbindungen in/aus Richtung Bremen bzw. Hamburg ab/bis Köln Messe/Deutz. Die Direktverbindungen in/aus Richtung Norddeich verkehren nur ab/bis Düsseldorf bzw. entfallen.
  • IC-Züge in/aus Richtung Gera/Dresden: Die Züge verkehren nur von/bis Dortmund.

Welche Einschränkungen gibt es konkret im Nahverkehr (REs) während der Sperrung am Kölner Hauptbahnhof?

Im Regionalverkehr kommt es zu großen Einschränkungen auf allen im Kölner Hauptbahnhof verkehrenden Linien mit Ausnahme der S-Bahn-Linien und der RB 25. Laut DB sind folgende REs betroffen:

  • RE 1 (RRX): Umleitung über Neuss. Haltausfall Düsseldorf-Benrath, Leverkusen Mitte, Köln-Mülheim, Köln Messe/Deutz, Köln Hbf. Ersatzhalte: Neuss Hbf, Dormagen. Alternativen: RE 6 (RRX), S-Bahn, KVB.
  • RE 5 (RRX): Umleitung über Neuss. Haltausfall Düsseldorf-Benrath, Leverkusen Mitte, Köln-Mülheim, Köln Messe/Deutz, Köln Hbf. Ersatzhalte: Neuss Hbf, Dormagen. Zusatzhalte: Sechtem, Roisdorf. Alternativen: RE 6 (RRX), KVB.
  • RE 6 (RRX): Umleitung über Leverkusen. Haltausfall Düsseldorf-Bilk, Neuss Hbf, Dormagen, Köln Hbf. Ersatzhalte: Düsseldorf-Benrath, Leverkusen Mitte, Köln-Mülheim, Köln Messe/Deutz (tief). Alternativen: RE 1 (RRX), RE 5 (RRX), S 11.
  • RE 7: Umleitung über Düsseldorf. Haltausfall Solingen Hbf, Opladen, Köln Messe/Deutz, Köln Hbf, Dormagen. Ersatzhalt: Düsseldorf Hbf. Alternativen: RB 48, S-Bahn, KVB.
  • RE 8: Teilausfall Köln-Ehrenfeld – Linz (Rhein). Alternativen: RB 27, S 12, S 19.
  • RE 9: Umleitung über Südbrücke. Haltausfall Köln Hbf, Köln Messe/Deutz. Ersatzhalt: Köln Süd. Alternativen: S 12, S 19, KVB.
  • RE 22: Teilausfall Hürth-Kalscheuren – Köln Messe/Deutz. Alternative: RB 24, KVB.
  • RB 24: Teilausfall Köln West – Köln Messe/Deutz. Alternative: KVB.
  • RB 26: Teilausfall Köln Süd – Köln Messe/Deutz. Alternative: KVB.
  • RB 27: Umleitung über Südbrücke. Haltausfall Köln Hbf, Köln Messe/Deutz. Ersatzhalt: Köln Süd. Alternativen: S 12, S 19, KVB.
  • RB 38: Teilausfall Horrem – Köln Messe/Deutz. Alternative: S 12, S 19.
  • RB 48: Teilausfall Köln-Mülheim – Bonn-Mehlem. Alternativen: S 6, S 11, RE 5 (RRX), RB 26, KVB.

Hier könnt ihr euch das auch auf einer Karte vom Verkehrsverbund Rhein-Ruhr anschauen:

Köln Hbf: Läuft ab dem 24. November dann erst mal wieder alles normal?

Ja, das ist zumindest der Plan der Bahn: Die Züge sollen zum Berufsverkehr am Montag, 24. November, ab 5 Uhr wieder nach Plan rollen.

Warum kann jetzt nicht wie geplant das neue Stellwerk am Kölner Hbf in Betrieb gehen?

Laut Bahn haben Sachverständige einen Softwarefehler entdeckt, durch den nicht sicher sei, dass alle nötigen Tests des neuen Stellwerks bis zum Ende der aktuellen Sperrung am 24.11. abgeschlossen werden könnten. Das sei aber "für den sicheren und zuverlässigen Bahnbetrieb unerlässlich". Deshalb hätten die Projektverantwortlichen entschieden, vorerst das alte Stellwerk weiterzunutzen und erst später auf die neue Technik umzustellen.

Eine Zugverkehrssteuerin blickt im elektronischen Stellwerk der Bahn auf Monitore

Elektronisches Stellwerk der Bahn in Köln

Dafür sei dann allerdings eine zweite Sperrung des Kölner Hauptbahnhofs nötig. Die Bahn äußerte sich noch nicht zu einem konkreten Termin, nach WDR-Informationen könnte es aber im März 2026 soweit sein.

Es muss eine weitere Sperrung am Kölner Hbf geben - wann wird das sein?

Nach WDR-Informationen soll die Bahn für die Sperrung des Kölner Hauptbahnhofs, bei der das neue elektronische Stellwerk dann wirklich ans Netz angeschlossen werden soll, den März 2026 anpeilen.

Einen genauen Termin nennt die Bahn noch nicht. "Selbstverständlich nehmen wir bei der Planung auch Rücksicht auf den Karnevalsverkehr in Köln", sagte Matthias Gramer, Regionalleiter bei der für die Infrastruktur zuständigen Bahn-Tochter InfraGo. Wie lange diese erneute Sperrung des Kölner Hauptbahnhofs dann dauern wird, ist noch unklar. Die Bahn sagte aber am 14.11.: Es soll nicht noch einmal zehn Tage lang dauern.

Dass die erneute Sperrung nötig sei, betont Matthias Gramer von der Bahn-Tochter InfraGo im Gespräch mit dem WDR. Er sagt aber auch: "Selbstverständlich können wir nachvollziehen, dass unsere Fahrgäste hier nicht erfreut darüber sind. Das geht uns allen ganz genauso."

Eine Sperrung im März würde eine weitere Belastung für das regionale Streckennetz bedeuten: Denn im Februar beginnt die Generalsanierung der Strecke Köln-Wuppertal-Hagen. Dafür wird die Strecke für fünf Monate gesperrt - mit weitreichenden Auswirkungen auf den Fern- und Regionalverkehr in NRW.

Neues Kölner Stellwerk und die Software

WDR Studios NRW 12.11.2025 00:52 Min. Verfügbar bis 12.11.2027 WDR Online

Warum wurde die Umstellung so kurzfristig abgesagt?

Für Bahnpendler ist es nervig, dass eine weitere Sperrung nötig wird. Trotzdem sei die Entscheidung, das neue Stellwerk jetzt noch nicht in Betrieb zu nehmen, nachvollziehbar, sagt Journalist Niklas Hoth, der für den WDR den Bahnverkehr beobachtet.

"Worst Case wäre, wenn der Computer nicht registriert, dass ein Gleis durch einen Zug belegt ist und einem weiteren Zug dahinter schon grünes Licht gibt, dass er fahren kann. Dann käme es zum Zusammenstoß." WDR-Journalist Niklas Hoth
Niklas Hoth

WDR-Journalist Niklas Hoth

Niklas Hoth sagt, für Pendler hätte es in Sachen Ausfälle auch noch schlimmer kommen können: "Geplant war, während der Sperrung auch die Technik des alten Stellwerks abzubauen, damit man die neue Technik oben darauf setzen kann. Danach hätte es kein Zurück mehr gegeben." Das bedeutet: Wäre der Fehler erst bei oder nach der Inbetriebnahme aufgefallen, wäre der Zugverkehr lahmgelegt gewesen, bis der Softwarefehler behoben worden wäre. Jetzt könne man das alte Stellwerk, das ja funktioniere, weiter betreiben.

Was macht ein Stellwerk überhaupt?

In einem Stellwerk sorgen Fahrdienstleiter dafür, dass Züge von A nach B kommen - etwa, indem sie Weichen richtig stellen und die Signale auf Grün schalten, wenn ein Gleisabschnitt frei ist. Jedes Stellwerk ist für eine bestimmte Region zuständig.

Was macht die Inbetriebnahme so eines Stellwerkes so komplex?

Im Eisenbahnknoten Köln sind laut Bahn täglich mehr als 1.300 Züge im Fern- und Regionalverkehr unterwegs. Diese Züge passieren auf ihrem Weg unzählige Weichen und Signale. All das stelle die DB mit dem elektronisches Stellwerk in Baustufe 2 technisch auf neue Füße. "Alle installierten Anlagen, darunter allein 176 neue Signale und 11 Signalbrücken und -ausleger, müssen für die Inbetriebnahme zunächst aufwändig eingemessen, in Betrieb gesetzt und sowohl ingenieurtechnisch als auch bahnbetrieblich abgenommen werden", erklärt die Bahn.

Baustufe 1 ist seit 2021 erfolgreich in Betrieb und steuert den Verkehr auf den Gleisen der S-Bahn, auf denen technisch aber auch andere Züge fahren könnten. Um den Bahnverkehr dann vollständig vom bestehenden auf das moderne System umzustellen, müssen die Spezialisten die neue Stellwerktechnik außerdem noch an die alten Stellwerke in Köln-West, Ehrenfeld, Nippes, Deutz und Hbf S-Bahn anschließen. Das alles kann wegen der Softwareprobleme aber jetzt noch nicht passieren.

Welche Vorteile soll das neue Stellwerk für die Reisenden haben?

Die Arbeit wird digitaler - das geht laut Bahn schneller und braucht weniger Personal. Ein wichtiger Aspekt, denn zuletzt blieben wegen des Personalmangels bei Fahrdienstleitern immer wieder einzelne Stellwerke unbesetzt, so dass kein Zug mehr in dem Bereich fahren konnte.

Die Bahn sagt außerdem, dass sie mit dem neuen elektronischen Stellwerk bei Störungen viel flexibler reagieren könne: Wenn es irgendwo ein Problem gibt, werde das dann nicht mehr nicht gleich eine ganze Region lahmlegen. Das sorge für mehr Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit, verspricht die Bahn. Insgesamt hat die Bahn allein rund um den Knoten Köln in den vergangenen Jahren drei neue elektronische Stellwerke gebaut und dafür 360 Millionen Euro investiert.

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